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Auch mal wieder eine Liebes- FF.

Auch wieder mit The Rasmus und die Hauptperson ist Meike!

 

Kiss me

 

„Und? Was ziehen wir heute an?“, fragt Tina ihre Schwester.

„Ich weiß nicht“, meint diese und sieht gedankenverloren aus dem Fenster. „Irgendwas dunkles!“

Tina holt sich Sachen aus dem Schrank und geht dann ins Bad. Sie lässt Meike einfach sitzen.

Tina Und Meike sind eineiige Zwillinge, sind jedoch völlig anders vom Denken her.

Auch Meike steht jetzt vom Bett auf und nimmt sich frische Sachen. Eigentlich ziehen sich die beiden immer gleich an, doch heute ist wieder so ein Tag der Ausnahme.

„Guten Morgen!“ Auf dem Flur begegnet sie ihrem Bruder, der sie mit einem Küsschen begrüßt.

„Du, Marco, hilfst du mir heute mal in Mathe?“, fragt sie und nachdem sie ein Nicken zur Antwort bekommen hat, verschwindet sie im Bad.

Am Frühstückstisch sitzt sie alleine und träumt mal wieder. Sie würde zu gerne mal weg aus Helsinki, oder sogar aus ganz Finnland. Sie findet alles so öde und vor allem dunkel.

„Was ist bloß los mit dir?“ Tina gesellt sich zu ihr an den Tisch und reißt sie aus ihren Gedanken. Meike zuckt mit den Schultern und isst weiter. Ihr Honig hat sich schon genug auf dem ganzen Teller verbreitet. „Bist du verliebt?“ Meike versucht, nicht rot zu werden, doch irgendwie gelingt es ihr nicht und Tina grinst sie an.

„Wer ist denn der Glückliche?“ Meike sieht sie sauer an.

„Ich bin nicht verliebt. Nur weil ich mal ein bisschen nachdenke, hat das nicht gleich mit nem Typen zu tun!“ Sie steht vom Tisch auf und holt aus dem Zimmer ihre Schultasche.

„Alles klar Schwesterherz!“, ruft Tina ihr noch hinterher, bevor sie das Haus mit einem lauten Türknall verlässt.

Ihr Herz pocht immer schneller, umso näher sie der Schule kommt. Gleich wird sie ihn wieder sehen und er wird sie nur wie eine Freundin, wie eine gute Freundin, behandeln.

 „Morgen Meike!“, ruft er ihr schon zu, aus einer geringen Ferne.

„Guten Morgen!“ Sie geht auf ihn zu und wie jeden Tag begrüßen sie sich mit einer Umarmung. Diese Gefühle in ihrem Körper, die sie dabei empfindet, sind für sie unbeschreiblich und sie möchte ihn am liebsten nie wieder loslassen.

„Was hast du so gemacht am Wochenende?“ Seine grünen Augen strahlen sie an.

„Meinem Bruder beim Skaten zugesehen und ein bisschen für die Schule gelernt!“

„Streber!“, grinst er und Meike zwickt ihm in die Seite. „Hey!“, quiekt er.

„Und was hast du gemacht?“, fragt sie dann wieder ernst.

„Oh, das möchte ich dir nicht hier erzählen. Hast du nicht mal wieder Zeit?“ Sie nickt.

„Wir können ja nach der Schule in den Park gehen!“, schlägt sie vor und er nickt zustimmend. „Okay, ich freue mich, bis dann!“ Dann gehen beide in verschiedenen Richtungen.

Im Unterricht sieht Meike aus dem Fenster, beobachtet Vögel, Menschen und ein knutschendes Pärchen. Sie fragt sich, wann es bei ihr endlich so weit sein wird. Bald wird sie 15 und sie hat noch nie richtig geküsst. Sie weiß nicht, wie es sich anfühlt, sehnt sich dennoch danach. Sie träumt davon, IHN zu küssen. Lauri, den sie liebt und der sie wie eine gute Freundin behandelt. Sie fragt sich, was er ihr erzählen will. Was kann an seinem Wochenende schon so geheimnisvoll gewesen sein, dass er es ihr in Ruhe erzählen will?

 

Nach der Schule wartet sie am Schultor auf ihn. Neben ihr stehen einige Jungs, die sie mustern. Dann stellt sich einer vor sie und versucht, sie verführerisch anzusehen.

„Na, heute schon was vor?“, fragt er und Meike läuft rot an.

„Ja und jetzt lass mich in Ruhe!“, keift sie ihn an.

„Hey, nicht so giftig. Wir können ja wenigstens Freunde sein, oder?“

„Hallo? Ich will nichts von dir und jetzt lass mich!“ Sie hat Tränen in den Augen, hört nur noch, wie die anderen im Hintergrund lachen. Sie ergreift die Flucht und geht vom Schultor weg, ihre Schritte werden immer größer und schneller. Über ihre Wangen verteilen sich bittere Tränen, die sie sich selber nicht richtig erklären kann.

Nach einer Weile kommt sie im Park an und lässt sich dort im Gras nieder und lehnt sich mit dem Rücken an einen Baum. Ihre Beine winkelt sie an und legt ihren Kopf auf ihre Knie. Sie fühlt sich einfach so niedergemacht. Immer wieder kommen diese dämlichen Typen mit ihren Anmachen zu ihr. Merken die nicht, wie sehr es sie verletzt? Diese Frage stellt sie sich jedes mal. Doch wahrscheinlich sind denen die Gefühle der anderen egal. Wenn sie doch nur endlich einen Freund haben könnte, der sie beschützt und der sie liebt, so wie sie ist.

„Meike?“ Eine sanfte Stimme dringt zu ihr durch. Sie erkennt die Stimme sofort und ihr Herz beginnt wie wild zu pochen. Sie hebt ihren Kopf und sieht genau in Lauri´ s Gesicht. Er kniet vor ihr und sieht sie besorgt an. „Was ist los?“, fragt er. Er setzt sich neben sie und legt seinen Arm um ihre Schultern.

„Ich weiß nicht!“ Meike wischt sich über das Gesicht. Sie will eigentlich nicht, dass Lauri sie weinen sieht. Er hat doch mal zu ihr gesagt, dass sie aussieht wie ein Engel, wenn sie lächelt.

„Ich habe gesehen, wie diese Typen dich wieder angemacht haben. Warum hast du ihnen nicht ordentlich die Meinung gesagt, sondern bist weggelaufen?“, fragt er leise.

„Lauri, ich kann das nicht. Ich bin dafür zu schwach und ich habe keine Lust, meine letzte Kraft für die zu verbrauchen!“

„Stattdessen heulst du hier rum und verschwendest so gleich Zeit und Kraft!“, sagt er böse und nimmt seinen Arm von ihren Schultern.

„Woher willst du wissen, dass ich NUR wegen denen hier rumheule?“ Auch ihr Ton wird giftiger. „Lässt du mich jetzt alleine?“, fragt sie dann mit ruhiger Stimme.

„Wenn du meinst. Kannst dich ja melden, wenn du deine Probleme so halb im Griff hast. Ich habe nämlich meine eigenen!“ Und schon ist er  verschwunden. Meike lehnt ihren Kopf an den Baum. Wieder kommen ihr die Tränen und es gelingt ihr nicht, sie runter zu schlucken.

 

„Hallo. Ich bin zu Hause!“ Am Abend kommt sie nach Hause. Die ganze Zeit war sie im Park.

„Wo warst du denn so lange?“, fragt ihre Mutter und springt ihr entgegen.

„Bestimmt bei ihrem Freund!“, schreit Tina aus der Küche und die Mutter guckt geschockt.

„So ein Quatsch, ich habe doch gar keinen!“, sagt Meike und geht dabei in die Küche, wo sie ihrer Schwester einen bösen Blick zuwirft.

„Na klar, der Lauri hat es dir doch voll angetan!“

„Ey hallo? Das ist mein bester Kumpel und mit dem könnte ich nie!“, schreit sie ihre Schwester an. Auch wenn Meike diesen Satz mal ernst gemeint hat, jetzt haben sie ihre Gefühle so überrumpelt und sie hat sich Hals über Kopf in Lauri verliebt. Sie kennen sich jetzt fast 5 Jahre und er war immer für sie da. Doch heute ist sie eindeutig zu weit gegangen und wenn er nichts gemerkt hat, dann muss er wirklich blind sein.

„Wie oft soll ich denn jetzt noch fragen?“ Sie sieht in das Gesicht ihrer Mutter.

„Äh? Was?“ Tina kichert los und steht von ihrem Stuhl auf.

„Nein, du bist nicht verliebt... du bist nur total verknallt!“ Mit diesen Worten geht Tina an Meike vorbei und verlässt die Küche. Eine Weile später will auch sie die Küche verlassen, doch ihre Mutter hält sie fest.

„Hast du nun Hausaufgaben auf oder nicht?“ Sie schüttelt den Kopf und reißt sich dann los. In ihrem Zimmer lässt sie sich auf das Bett fallen und sieht aus dem Fenster. Wieder sieht sie Lauri´ s Gesicht vor sich. Sie findet ihn einfach zu süß. Ob er auch gerade an sie denkt? Sie sieht sein besorgtes Gesicht wie heute im Park. Er hat sich wirklich um sie Sorgen gemacht und sie macht ihn so an. Wieder kommen in ihr Tränen hoch und sie lässt ihnen freien Lauf.

 

„Meiki?“ Tina sitzt am Bett von ihrer Schwester und versucht, sie zu wecken. Meike blinzelt und dreht sich dann um.

„Lass mich in Ruhe!“, mault sie. Doch Tina gibt so schnell nicht auf.

„Ich mache mir aber Sorgen um dich. Ich will dir helfen!“, meint sie leise. Meike dreht sich wieder zu ihr.

„Ich brauche keine Hilfe. Kümmere du dich mal um dein Leben!“, lächelt sie.

„Was ist denn bloß mit dir? Warum blockst du so ab? Wir haben uns immer alles erzählt!“

„Es gibt aber nichts zu erzählen und selbst wenn. Irgendwann lebt jeder von uns beiden sein Leben!“ Sie dreht sich wieder um, merkt nur noch, wie Tina vom Bett aufsteht und hört dann die Tür, wie sie ins Schloss fällt. Als würde es nicht schon reichen, dass Lauri sich um sie kümmert, obwohl er ja ihr „Problem“ ist.

 

Am nächsten Tag in der Schule lächelt sie ihn nur kurz an und geht an ihm vorbei. Sie fühlt sich total schuldig und mies. Was kann er denn für ihre Gefühle? Aber andererseits, was kann sie dafür?

Im Sportunterricht treffen die beiden aufeinander, weil ihre Klassen gemeinsam Sport haben.

„Hey Meiki!“, hört sie plötzlich hinter sich und dreht sich schlagartig um. Ihr Gesicht ist genau vor seinem und schnell tritt sie einen Schritt zurück.

„Hei Lauri!“, lächelt sie und will gerade weg, als er sie an die Hand nimmt und um die Ecke der Sporthalle zieht. „Was soll das?“, fragt sie, als er nur so vor ihr steht.

„Das wollte ich dich eigentlich fragen. Warum benimmst du dich so komisch?“

„Ich hatte gestern keinen guten Tag!“, antwortet sie schnell.

„Nur komisch, dann müsstest du seit nem viertel Jahr schlechte Tage gehabt haben!“ Hat er die Tage gezählt oder warum weiß er die genaue Zeit. Meike sieht ihn fragend an.

„Hm... kann schon sein!“, sagt sie total gedankenverloren und lehnt sich mit den Rücken an die Wand. „Ich muss jetzt aber wieder zum Sport!“

„Halt. Ich wüsste gerne, was mit dir ist!“ Wieder hält er sie fest.

„Das würdest du nicht verstehen und jetzt lass mich los, du tust mir weh!“ Sie redet laut und weil ihr Lehrer genau in dem Moment um die Ecke kommt, lässt Lauri ihr Handgelenk los.

„Ich will dir doch nur helfen!“, meint er noch. Meike hat das gehört, doch sie hat ihm deutlich gesagt, dass er ihr nicht helfen kann.

Nach dem Sportunterricht geht Meike in der Pause auf den Schulhof. Noch ist es angenehm, doch bald wird es Herbst und dann gehen die Temperaturen ganz schnell nach unten.

„Hey Meike, wie geht es dir?“

„Nele, hei.“, sagt sie erschrocken und umarmt ihre Freundin. „Mir geht es ganz gut. Wie war denn dein Austauschjahr?“ Sie will Nele gar nicht mehr loslassen.

„Total schön, aber ich habe dich vermisst. Du bist total hübsch geworden!“, lächelt sie.

„Ach Quatsch.“ Meike macht eine abwertende Handbewegung. „schön, dass du wieder da bist, Süße!“, grinst sie. „Hast du in Deutschland nette Leute getroffen?“

„Oh ja. Diese Typen dort, der Hammer!“, schwärmt Nele. „Wie sieht es bei dir aus?“

„So wie immer.“ Nele merkt, dass ihrer besten Freundin was auf dem Herzen liegt.

„Was ist denn passiert? Lauri?“ Meike schreckt bei dem Namen ein wenig auf, dann nickt sie leicht. „Wie? Ward ihr zusammen oder was?“ Weil Meike ihrer besten Freundin immer noch so sehr vertraut, erzählt sie ihr alles.

„...und als wir im Frühsommer da am Strand waren, da hat es plötzlich gefunkt. Er war so lieb zu mir. Wir haben uns gegenseitig massiert und eingecremt. Er sieht das alles natürlich ganz locker, bin ja schließlich seine beste Kumpeline!“, erzählt sie traurig.

„Hat er das gesagt?“

„Er weiß doch gar nicht, wie sehr ich ihn anhimmle. Ich traue mich nicht, ihm das zu sagen. Er hat schon so viele Probleme, wegen der Band und seinen Eltern!“, meint Meike.

„Aber das ist doch was anderes. Das sind deine Gefühle, wie hältst du das nur aus?“

„Gar nicht!“ Meike lehnt sich an Nele´ s Schulter und kämpft mit den Tränen.

„Mensch Süße!“, sagt sie besorgt und nimmt sie in den Arm.

„Ich will ihn vergessen, aber es geht nicht. Und jetzt habe ich ihn auch noch ziemlich angemacht, weil er mir helfen will... er kann mir nicht helfen, aber ich kann ihm auch nicht sagen, warum!“, jault Meike und löst sich aus Nele´ s Armen.

Die beiden erzählen noch eine Weile und auch Nele kommt mal zu Wort und erzählt von Deutschland. Sie bringt Meike ein paar Beleidigungen und Liebeserklärungen auf deutsch bei.

Nach der Pause stellt sich raus, dass der Lehrer krank ist, mit denen sie die letzten beiden Stunden gehabt hätten und so verbringen die beiden ihren Nachmittag bei McDonald´ s.

 

„Ich bin froh, dass du wieder da bist. Aber das mit Lauri bleibt unter uns!“

„Wie? Deine Schwester weiß nichts davon?“, fragt Nele überrascht.

„Nee, sie würde es rumschreien, überall. Es ist nicht mehr so wie vor einem Jahr. Wir beide haben uns total auseinander gelebt. Ich kann kaum noch was mit ihr anfangen!“

„Aha... ist ja komisch!“, meint Nele. „Sag mal, soll ich vielleicht mal mit Lauri reden?“

„Nein, bloß nicht. Er soll es nicht wissen!“

„Ich hatte auch nicht vor, ihm alles auf die Nase zu binden. Ich will ihm nur sagen, dass er dir nun mal nicht helfen kann. Und selbst wenn, wer sagt, dass er nicht auch mit dir zusammen sein will? Jungs zeigen das nicht so, habe ich in Deutschland auch gemerkt!“, sagt Nele.

„Hier ticken die Typen aber auch anders!“ Meike verdreht die Augen. „Okay, rede mit ihm, aber keine Andeutungen, okay?“ Nele nickt grinsend und umarmt Meike dann.

„Versprochen, bis morgen!“

„Ja, tschau!“ Die beiden gehen in verschiedene Richtungen und zu Hause trifft Meike nur auf Marco, der mit seiner neuen Freundin auf dem Sofa liegt. Sie räuspert sich laut, erst dann bemerken die beiden sie.

„Kannst du das nicht in deinem Zimmer machen?“, fragt sie an Marco gerichtet.

„Ja, klar. Aber ich mag die Couch so!“, grinst er frech.

„Schön und ich mag gleich was anderes.“, sagt sie und hebt ihr Knie zur Andeutung, dass sie ihn wohin treten will.

„Die is ja ganz schön frech!“, kichert diese blonde Kuh, die vom Sofa aufsteht und auch Marco hochzieht.

„Die ist nur total eifersüchtig und neidisch, weil sie keinen Freund hat!“, lacht Marco. Doch das vergeht ihm schnell, als Meike auf ihn zustürzt und ihre Andeutung wahr macht.

„Du bist so ein Arsch!“, schreit sie mit Tränen in den Augen. Er krümmt sich vor Schmerzen und Meike rennt in ihr Zimmer. Wie kann er es nur wagen, ihr so was an den Kopf zu werfen?

 

Beim gemeinsamen Abendessen herrscht Stille. Der Vater ist noch auf Arbeit und seit der Standpauke ihrer Mutter hat Meike kein einziges Wort mehr gesagt. Natürlich ist Marco petzen gegangen. Dafür, dass er 16 ist, benimmt er sich ziemlich kindisch.

„Nele ist ja wieder da!“, sagt Tina dann freudestrahlend. Meike nickt ihr nur zu und steht dann auf.

„Ich habe keinen Hunger mehr!“, bekommt sie nur mühsam raus und geht dann auf ihr Zimmer. Sie setzt sich an ihren Schreibtisch und macht Hausaufgaben.

Sie schreckt hoch, als es an ihrer Tür klopft. Doch anstatt jemand eintritt, wird ein Zettel unter die Tür geschoben. Sie hebt ihn auf und faltet ihn auseinander.

„Ich habe die Anmecker gehört, geschieht dir Recht!“, steht dort drauf. Meike lächelt nur, als hätte ihr das was ausgemacht. Ihre Mutter interessiert sich nicht für das, was sie macht und irgendwie gefällt ihr das.

 

(1 Woche später)

 

Meike steht mit Tina vor dem kleinen Club. Noch keiner ist hier, außer der beiden.

„Eigentlich müsste Lauri schon da sein und die anderen drei auch!“, stellt Meike fest beim Blick auf die Uhr und klopft dann an der Tür. Wenig später öffnet jemand diese.

„Hei!“ Eero begrüßt die beiden und lässt sie rein. Meike fand ihn von Anfang an nett. Janne und Pauli kennt sie noch nicht so gut, aber sie scheinen auch nett zu sein.

„Hei Jungs!“ Sie tritt in den Raum ein und begrüßt alle. Lauri umarmt sie stürmisch.

„Hallo. Schön, dass du... äh, dass ihr gekommen seid!“, grinst er und begrüßt auch Tina.

„Ja, hallo, ich bin auch da!“, grinst sie ihn dann auch an und Meike sieht abwechselnd Lauri und Tina an. Sie lassen sich gar nicht mehr aus den Augen und Meike verspürt Wut.

„Wann kommen denn die anderen?“, fragt sie dann an Pauli gewandt und versucht, von Tina und Lauri Abstand zu nehmen.

„Die müssten bald...“ In dem Moment geht die Tür auf und ein paar Leute kommen herein geströmt. Einige, die meisten, kennt Meike vom sehen her und sie begrüßen sich lieb.

„Wie kann man euch beide denn auseinander halten?“, fragt der eine, Timo sein Name. Meike sieht zu Tina, die sich ziemlich mit Lauri beschäftigt. Dann dreht sie sich schnell wieder zu Timo um.

„Sie hat ein Zungenpiercing. Außerdem tragen wir verschiedene Klamotten!“, antwortet sie dann. „Okay, das mit dem Piercing war jetzt überflüssig!“, lächelt sie dann.

„Ja okay, aber dein Style entspricht eher meinem Typ. Darf ich heute an deiner Seite stehen?“ Meike wird dank dieser Frage rot und nickt nur schüchtern. „Nicht so schüchtern!“, sagt Timo dann zu ihr und legt ihr einen Arm um die Schulter.

 

Am Abend ist der Raum ziemlich gefüllt und Lauri sagt endlich durch das Mikro, warum hier eigentlich gefeiert wird. Die Band hat sich zu „Rasmus“ umgenannt und wird Demotapes aufnehmen. Alle klatschen und sind total begeistert.

Doch wie versprochen weicht Timo nicht mehr von Meike´ s Seite. Nicht, dass es ihr unangenehm ist, oder sie ihn nicht süß findet, aber sie liebt doch schließlich Lauri, der plötzlich auf die beiden zu kommt.

„Lass Meike in Ruhe!“, macht er Timo an.

„Hey, was soll das?“, fragt Meike und schubst Lauri ein Stück weg von ihm.

„Merkst du nicht, wie der dich anmacht?“

„Ja und? Was machst du denn mit Tina?“ Meike ist auf 180, denkt, sie hätte sich verhört. „Du kannst nicht über mich bestimmen, sonst ist es dir doch auch egal, was ich mache und wie ich fühle!“, schreit sie und übertönt die Musik damit. Die Leute sehen abwechselnd von ihr zu Lauri. „Und Tina nimmt sich auch alles, was sie nur bekommt!“ Meike nimmt sich ihre volle Flasche Bier und setzt sich in der Nähe des Clubs auf einen Baumstumpf. Sie trinkt ihre Flasche in wenigen Zügen aus. Schwankend geht sie zurück zum Club und tanzt wie eine Irre. Natürlich wird sie von den anderen beobachtet, doch sie lässt sich einfach gehen und geniest diesen Rausch...

...den sie wenig später verdoppelt hat. Ihr ist plötzlich total übel und sie rennt zur Toilette.

 

Am nächsten Morgen wacht sie völlig perplex auf. Sie sieht sich im Raum um. Sie liegt mit einem Schlafsack auf dem Boden. Vor ihr stehen leere Flaschen und es sieht aus wie Sau. Sie will sich gerade auf die andere Seite drehen, als sich etwas auf ihrem Bauch bewegt. Eine Hand, aber nicht irgendeine. Es ist Lauri´ s. Sie sieht es einfach und jetzt riecht sie ihn auch. Er liegt eng angekuschelt an ihrem Körper und umarmt sie. Nur langsam dreht sie sich um und sieht genau in sein Gesicht. Doch er scheint noch tief im Schlaf zu sein. Sie ergreift die Initiative und nähert sich mit ihrem Gesicht seinem. Nur sacht legt sie ihre Lippen auf seine, als er plötzlich seine Augen öffnet und sie weit aufreißt.

„Was soll das?“, fragt er und Meike fährt hoch.

„Sorry!“, stammelt sie und steht auf. Ein Stechen durchfährt ihren Kopf. Sie schnappt sich ihre Sachen und stolpert über die ganzen leeren Flaschen aus dem Raum. Was hat sie sich nur dabei gedacht? Sie hat die Situation schamlos ausgenutzt, ohne, dass Lauri es wollte.

 

„Aber wie er da so lag und schlief, das sah so süß aus!“, erzählt sie am nächsten Tag ihrer Freundin, Nele. „Ich hätte es nicht machen sollen!“ Doch sie hatte den Entschluss gefasst, Lauri einen Brief zu schreiben.

Nach ihrer Begrüßung hält sie ihm den Brief hin.

Erst in der großen Pause liest Lauri den Brief.

 

Hei Lauri!

Erst mal muss ich mich bei dir entschuldigen. Das mit dem Kuss war echt falsch von mir. Doch ich muss dir auch sagen, dass du wirklich sehr süß beim Schlafen aussiehst und irgendwie sind da bei mir die Sicherungen durchgebrannt.

Schon seit langem geht es mir jetzt schon so, dass ich bei deinem Anblick super dolles Herzpochen bekomme, obwohl du sonst immer nur ein guter Kumpel für mich warst. Natürlich bist du das immer noch, aber wir werden ja alle älter und irgendwie hat das meine Gefühle für dich verstärkt.

Ich wusste nicht, wie ich dir das sagen sollte und deshalb habe ich es dir verschwiegen. Ich dachte, es würde einfach so nach einer Weile nachlassen. Doch das ist nicht der Fall.

Ich möchte dich als Kumpel nicht verlieren und dieser Brief wird entweder was verändern oder nicht. Ich mache es dir bestimmt nicht leicht, oder? Tut mir leid, aber mir geht es einfach nicht gut, wenn ich sehe, wie du mit meiner Schwester flirtest und mich dabei links liegen lässt. Ich weiß, sie und viele andere Mädchen sind nicht so schüchtern wie ich. Aber ich kann nicht anders, ich bin nun mal so.

Ich hoffe, dass du mich wenigstens ein bisschen verstehst und vielleicht können wir auch mal darüber reden. Was ich dir jetzt schreibe, kann ich dir noch nicht ins Gesicht sagen.

ICH HABE MICH WAHNSINNIG IN DICH VERLIEBT UND ICH MUSS STÄNDIG AN DICH DENKEN!!!

 

Meike

 

Sein Herz schlägt schnell, macht einige Hüpfer und er hat Tränen in den Augen. Er versteht gerade selbst nicht, was mit ihm passiert. Eigentlich ist er doch so sehr in Lenna verliebt. Aber andererseits hat er noch nie einen so wunderschönen Brief bekommen.

Er sucht auf dem ganzen Schulhof nach Meike. In der hintersten Ecke findet er sie und Meike könnte sterben vor Aufregung, als er auf sie zukommt.

Lauri räuspert sich und lächelt dann leicht.

„Wann hast du heute Schulschluss?“, fragt er dann, sieht Meike genau an.

„Ich habe jetzt noch zwei Stunden!“ Meike sieht ihn nicht direkt an und versucht, seinen Blicken so gut wie möglich auszuweichen.

„Gut, dann warte ich am Schultor auf dich!“, lächelt er dann und Meike sieht ihn kurz an.

„Okay, bis dann!“, lächelt auch sie und dann geht er wieder.

„Boah Mädchen, das war ein Volltreffer!“, jubelt Nele.

„Quatsch. Er will mit mir reden, um mir zu sagen, wie blöd und kitschig ich doch bin!“ Nach dem Klingelzeichen gehen die beiden in den Klassenraum und die beiden Stunden kommen Meike wie eine halbe Ewigkeit vor.

„Ich wünsche dir viel Glück. Rufe mich doch bitte an, wenn du zu Hause bist. Ich bin so neugierig. Die beiden verabschieden sich voneinander und geben sich ein Küsschen.

 

„Gehen wir in den Park?“, fragt Lauri und reißt somit Meike aus ihren Gedanken. Sie nickt und beide laufen schweigend nebeneinander her. Im Park nehmen sie auf einer Bank Platz.

„Du kannst gut Briefe schreiben!“, sagt Lauri dann leise und erinnert sich an den Brief.

„Danke!“ Meike sieht ihn von der Seite an, mustert ihn. Seine Gesichtszüge sind selten bei Jungs in seinem Alter. Doch Meike findet nicht, dass er ein Babyface hat.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll...“, fängt Lauri dann an. Als er sie ansieht, guckt Meike weg. „...als ich dir neulich was erzählen wollte, so unter vier Augen, das hat genau mit dem Thema zu tun, warum wir hier sitzen!“ Meike sieht ihn fragend an, versteht ihn irgendwie nicht. „Meike, ich habe eigentlich eine Freundin!“ Meike merkt, wie Wut in ihr aufsteigt, wie ihr die Tränen kommen.

„Warum verheimlichst du mir so was?“, fragt sie und schluchzt dann.

„Du warst die ganze Zeit so komisch, ich wollte dir doch nicht noch mehr Probleme bereiten. Ich habe doch geahnt, dass da mehr ist... als nur noch Freundschaft.“

„Du wusstest die ganze Zeit, dass ich mich in dich verliebt habe?“, fragt sie entsetzt.

„Ja!“, gibt Lauri nur leise von sich.

„Du machst es dir ja echt verdammt einfach. Weißt du was, vergess das einfach alles und streich mich aus deinem Leben. Unsere Freundschaft hat dir wohl noch nie viel bedeutet!“ Sie steht auf und rennt weg. Weg von Lauri, weg aus diesem Park. Weg von ihren Gefühlen und vor allem weg von sich selbst!

Als sie zu Hause ankommt, ist sie verheult. Sie schließt die Tür auf. Auf dem Weg in ihr Zimmer schmeißt sie ihre Schuhe in eine Ecke des Flurs.

„Hey Mei... was ist denn los?“ Tina steht vor ihr, nimmt sie fest in die Arme und drückt sie.

„Ich hasse ihn so sehr!“, schluchzt Meike.

„Wen hasst du? Doch nicht etwa Lauri?“ Meike nickt und löst sich aus der Umarmung.

„Woher wisst ihr das alle?“, fragt sie. Die beiden gehen in Tina´ s Zimmer.

„Als ich gesehen habe, wie du reagierst, wenn ein Mädchen ihn auch nur anspricht, dann ist echt schon alles klar! Auf der Party warst du extrem. Und was du zu ihm gesagt hast, da wusste jeder gleich bescheid. Aber die meisten waren zu voll, um sich jetzt noch daran zu erinnern!“ Meike bekommt ihren Mund schon gar nicht mehr zu.

„Aber... aber er hat es schon viel früher geahnt...“, schluchzt sie. „...und mir deswegen verheimlicht, dass er ja eine Freundin hat. Obwohl er mein bester Kumpel war!“

„Hey, wir wollen hier nicht von WAR reden. Wer sagt denn, dass das mit seiner Freundin gut geht. Vielleicht merkt er bald, dass du die Beste bist!“ Tina versucht, auf Meike einzureden. Sie möchte, dass er ihr Kumpel bleibt und dass Meike das erst mal so akzeptieren soll. Er hat schließlich ziemlich auf sie geachtet, in dem er ihr nichts von einer Freundin erzählt hat.

 

Ein paar Tage vergehen und jetzt, wo auch Meike von der Beziehung zwischen Lauri und Lenna weiß, halten sie auf dem Schulhof Händchen.

„Er ist einfach nur blöd!“, sagt Nele zu Meike, weil sie sieht, wie ihre beste Freundin die beiden beobachtet.

„Ach na ja, wenn er meint. Ich bin nicht blond und sehe auch nicht gut aus. Außerdem habe ich was im Kopf!“ Dann seufzt Meike.

„Rede nicht so nen Scheiß. Suche dir einen Anderen und mache ihn eifersüchtig!“

„Ich kann ihn nicht eifersüchtig machen, er hat schließlich Lenna. Ich dachte, ich könnte noch mit ihm befreundet sein, aber nein!“ Sie sieht Nele verzweifelt an. „Ich habe Angst, dass er mich ausnützen könnte, wenn es mit Lenna nicht klappt. Ich will aber nicht so was wie ein Ersatzreifen sein!“ Nele lächelt sie an.

„Du bist echt cool. Von wegen, Liebe macht blind!“ Die beiden kichern ein bisschen.

„Meinst du, er hält es lange mit ihr aus?“, fragt Meike dann unsicher.

„Ich denke nicht. Man kriegt schnell raus, dass sie eine verdammte Hexe und Zicke ist... Ich gebe den beiden keine Woche mehr!“, grinst Nele dann. „Aber lass ihn zappeln, wenn er angekrochen kommt!“, grinst sie dann teuflisch.

„Na hoffentlich tut er das auch!“ Es klingelt und die beiden gehen zum Raum. Als Meike schon in den Raum geht, bleibt Nele kurz draußen und interviewt Lenna und Lauri.

„Na, bist du jetzt glücklich?“, fragt sie sauer. Er sieht sie verdutzt an.

„Ja, warum?“, fragt er unsicher.

„Du merkst noch nicht mal, wie egoistisch du bist. Es war ja echt toll von dir, dass du Meike das verheimlicht hast, aber es war auch verdammt feige. Ihr geht es echt beschissen und du turtelst mit dieser dummen Blondine rum, als hättest du von Meike so was wie eine Erlaubnis bekommen!“, rattert sie runter und sieht ihn dabei fies an. Er versucht, etwas zu sagen, doch Nele lässt ihn nicht. „Jetzt weißt du nicht, was du sagen sollst, he? Aber musst du auch nicht. Aber eins sage ich dir, so ein Typ... nein Arschloch wie du, hat Meike nicht verdient!“ Und schon lässt sie ihn stehen und geht in den Raum. Meike sieht sie fragend an.

„Warum bist du so rot?“

„Weil ich mich grad ausgelassen habe. Lauri ist mit dieser Schnepfe gerade an mir vorbei gegangen und da habe ich ihm erst mal was erzählt!“, sagt Nele immer noch sauer. „Ich habe zu ihm gesagt, dass er dich nicht verdient hat und dass er ein Arschloch ist!“

Meike sagt die ganze Stunde nichts zu Nele. Ist das jetzt irgendwie ein Plan, oder ist Nele wirklich so sauer auf Lauri? Oder nervt es sie bloß, dass Meike ihm jetzt hinterher trauert?

 

Am nächsten Tag sitzt Meike Abends alleine zu Hause. Sie hat gerade ihre Hausaufgaben fertig, als es an der Tür klingelt. Sie geht zur Tür und öffnet sie.

„Hei!“ Sie sieht Lauri abwertend an.

„Hallo, was willst du hier?“, fragt sie dann.

„Mit dir reden. Darf ich reinkommen?“

„Nein, hier können wir auch reden!“ Sie ist sauer, was fällt ihm ein, einfach hier aufzukreuzen, nach dieser ganzen Aktion?

„Okay, ich will mich bei dir entschuldigen. Es tut mir leid, dass ich unsere Freundschaft einfach so wegwerfe und dass ich dir Lenna verheimlicht habe!“

„Okay, ich werde sie sofort anrufen und sie zu meiner besten Freundin benennen!“, sagt sie übertrieben. Daraufhin stemmt Lauri seine Hände in die Seiten und guckt böse.

„Hast du noch nie Fehler gemacht?“, fragt er dann leise und hat Tränen in den Augen.

„Ja klar. Aber nicht solche.“ Und schon schlägt sie ihm die Tür vor der Nase zu. Sie kann sich denken, dass er nicht mehr mit Lenna zusammen ist, doch sie hat keine Lust, sich das Gejaule anzuhören. Sie lehnt sich an die Tür und lässt sich dann auf den Boden sinken. Sie ist unendlich traurig, dass sie wieder einmal so sehr ausgenutzt wurde. Doch dass sie ihn jetzt so eiskalt abblitzen ließ, wundert sie selber und doch bereitet es ihr ein starkes Gefühl.

 

Es vergeht wieder einmal ein Monat und die Ferien haben gerade begonnen. Es steigt eine Party. Doch Meike ist sich nicht sicher, ob sie hingehen soll. Denn sie findet bei Lauri statt.

„Und, gehst du nun hin? Timo ist auch wieder da!“, grinst Tina.

„Ich weiß nicht!“, meint Meike und beschließt, einfach so aufzutauchen.

„Nein, ich komme nicht mit!“, meint sie wenig später zu Tina.

„Schade!“, sagt diese und verlässt dann das Haus. Sofort rennt Meike in ihr Zimmer und sucht sich Schminksachen zusammen. Sie wird einfach so aufkreuzen. Lauri hat sie ja schließlich eingeladen und die beiden haben in den letzten Wochen auch wieder sehr nett miteinander geredet.

Sie schminkt sich sehr hübsch und sucht auch ihre schicksten Klamotten raus. Ein schwarzer Rock, der in den Falten ein Karomuster hat. Dazu zieht sie eine dünne Bluse an, die lange und weite Ärmel hat. Als sie so aufgedonnert vor dem Spiegel steht, traut sie selbst kaum ihren Augen.

Als sie aus dem Haus geht, ist sie unsicher, ob sie wirklich das richtige tut. Doch sie geht einfach in Richtung Lauri´ s Haus und als sie dort ankommt, ist sie sich sicher, dass es ein schöner Abend wird. Wie oft war sie schon hier, eine Zeit lang war es ihr zweites zu Hause. So oft und lange war sie immer bei ihm und sie haben die verrücktesten Sachen angestellt.

Sie betätigt die Klingel und Pauli öffnet ihr die Tür. Sie begrüßt ihn kurz und geht dann ins Wohnzimmer, an ein paar Leuten vorbei.

Lauri sitzt währenddessen mit seiner Flasche Bier auf der Couch. Er träumt vor sich hin. Doch als er zur Tür guckt und dort plötzlich Meike steht, richten sich seine Mundwinkel auf und er lächelt von einem Ohr zum anderen. Er geht auf sie zu.

„Hei!“, grinst er, als er vor ihr steht. Sie umarmt ihn zur Begrüßung und er erwidert die Umarmung. „Schön, dass du doch noch gekommen bist!“ Er mustert sie kurz von unten nach oben und kann nur denken, wie schön sie nur ist.

Als die beiden ein paar Schlücke Schnaps und Unmengen von Bier verdrückt haben, kichern sie nur noch vor sich hin.

„Komma mit, isch mussir wasch zeign!“, lallt Lauri und nimmt Meike an die Hand. Er führt sie zur Terrassentür und öffnet sie. Er führt sie runter zum See. Dort setzen sie sich auf einen umgefallenen Baum. „Schön hier, wa?“, grinst er. Meike nickt nur und ihr wird um einiges klarer, wo sie gerade ist und dass sie mit Lauri alleine ist.

„Ja, ist es. Genau richtig, für solche verlorenen Mädchen wie mich!“, meint sie spöttisch.

„Hey, hör auf, so was zu sagen!“ Auch Lauri scheint plötzlich wieder bei sich zu sein.

„Darf ich dich mal was fragen?“

„Ja, klar!“, antwortet er und rückt noch näher zu ihr. Dann streicht er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und klemmt sie hinter ihr Ohr. „Darf ich dich erst was fragen?“ Sie nickt und sieht ihn kurz an. „warum hast du dich so hübsch gemacht, wenn du erst gar nicht kommen wolltest?“

„Nur so.“, sagt sie schnell. „Und jetzt meine Frage. Wie fühlt es sich an... wenn man...wenn man jemanden...?“

„...küsst?“, beendet Lauri ihre Frage. Meike nickt schüchtern, dann sieht sie ihm direkt in die Augen. Sie sieht, wie dieses grün funkelt. Dann sieht sie auf seinen Mund, er lächelt.

„Komm her, ich zeig es dir.“ Er legt ihr eine Hand in den Nacken und zieht sie zu sich. Meike schließt ihre Augen, sie will es wissen. Sie spürt, wie seine Lippen sacht ihre berühren. Sie fühlen sich weich an. Sie spürt seine Zunge an ihren Lippen, öffnet leicht ihren Mund, bis sich ihre Zungen finden. In ihrem ganzen Körper kribbelt es, vor Aufregung. Ihre Gefühle überschlagen sich. Sie legt ihre Hände auf seinen Rücken, währenddessen ihre Zungen ein gefühlvolles Spiel spielen. Nach einiger Zeit jedoch lösen sie sich voneinander.

„Und?“, fragt er flüsternd.

„Wunderschön!“, lächelt sie. Doch plötzlich ist ihr klar, dass das gerade alles eine ziemliche Bedeutung für ihr weiteres Leben hatte. Sie hat Lauri geküsst und damit hat sie ihre Gefühle für ihn noch mehr verstärkt!

Völlig durcheinander steht sie auf und verabschiedet sich mit einem „tschüß“. Sie geht durch das Gartentor, sieht nur noch einmal zu Lauri und macht sich dann auf den Weg nach Hause.

„Warum kommst du erst jetzt nach Hause?“ Tina steht im Flur plötzlich vor ihr.

„Weil ich es schön fand auf der Party!“

„Du warst doch da?“, fragt Tina ungläubig.

„Ja, ich habe es mir noch mal anders überlegt. Ich dachte, du hättest mich gesehen!“, meint Meike und geht dann in ihr Zimmer. Sie zieht sich ihre Schlafsachen an und legt sich ins Bett.

„Bist du noch wach?“, fragt Tina, die sich ins Zimmer geschlichen hat und nun auf der Bettkante sitzt.

„Ja, jetzt wieder!“, murrt Meike und lässt Tina mit unter die Bettdecke schlüpfen. „Gibt es irgendwas besonderes, oder warum machst du mich mitten in der Nacht wach?“

„Ich bin total verliebt!“, flüstert Tina dann und kichert. Weil Meike nicht weiß, was sie daraufhin sagen soll, schweigt sie. „In Timo. Der ist einfach so süß und der kann so geil küssen. Ich war mit ihm oben in dem Zimmer für die Pärchen, das hat Lauri ja echt schön gemacht!“ Meike´ s Herz pocht plötzlich wieder schneller, sie muss wieder an den Kuss mit Lauri denken und sie könnte sich jetzt selber dafür in den Arsch beißen, dass sie einfach abgehauen ist. Sie hätte ihm alles sagen können, noch mehr, als schon in dem Brief stand.

„Ist ja echt schön, hoffentlich meint er es ernst!“, sagt sie dann, um nicht ganz wegzutreten.

„Ja, ich denke schon. Und was ging bei dir so?“

„Nichts. Ich habe halt nur getanzt und ein bisschen mit Lauri und seinen Kumpels getrunken!“

„Und wie verstehst du dich jetzt mit ihm?“, fragt Tina dann.

„Er ist mein bester Kumpel und er hat mir versprochen, mich nie wieder so anzulügen. Ich glaube ihm und er ist einfach nur ein Kumpel für mich!“ Meike denkt sich irgendwelche Dinge aus. Zum Glück ist es dunkel und Tina kann nicht sehen, wie rot Meike ist.

„Na dann ist doch gut. Ich wünsche dir eine gute Nacht!“ Tina huscht aus dem Bett. „Ich werde Timo noch mal schnell anrufen!“

„Mach das. Gute Nacht!“ Und schon schließt Meike ihre Augen und versinkt in ihren Träumen.

 

Am nächsten Morgen wacht sie ziemlich früh auf, doch sie ist noch müde. Aber ihr gehen so viele Dinge durch den Kopf, dass sie es nicht schafft, noch einmal einzuschlafen.

Sie nimmt sich ein Buch und schaltet ihr Radio an. Vielleicht hilft ihr ein bisschen Ablenkung. Sie merkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht und so steht um kurz vor 12 Uhr Tina in ihrem Zimmer.

„Guten Morgen Süße!“, lächelt sie und schmeißt sich neben Meike auf das Bett.

„Morgen. Was ist denn mit dir los?“, fragt Meike skeptisch.

„Würdest du mir einen Gefallen tun?“, fragt Tina. „Würdest du heute Nacht auswandern?“

„Hä? Du meinst, ich soll woanders pennen.“ Tina nickt grinsend. „Damit du mit Timo ungestört sein kannst!?“

„Ja genau, du kannst ja bei Lauri pennen oder so!“, schlägt Tina vor und Meike spürt regelrecht, wie die Hitze in ihr Gesicht strömt.

„Bei Lauri? Darf ich das bitte noch alleine entscheiden, wo ich übernachte?“, sagt sie wütend und steht dann auf. Sie geht ins Bad, wo ihr mal wieder Tränen über die Wangen rollen.

Beim Klingeln des Telefons wird sie aus ihren Gedanken gerissen.

„Meike? Komm mal bitte, hier ist Lauri am Telefon!“, brüllt ihre Schwester. Meike geht aus dem Bad und nimmt mit zittrigen Händen den Telefonhörer entgegen.

„Hallo?“

„Hi, ich bins Lauri!“, hört sie am anderen Ende der Leitung und sie beginnt, zu lächeln.

„Ja, ich weiß. Ich kann es hören!“, grinst sie dann. „Was gibt es denn?“ Sie wundert sich selber, wie locker sie doch gegenüber ihm ist.

„Ich wollte fragen, ob du heute Zeit hättest...für mich!?“ Meike überlegt einen Moment.

„Hm...ja klar. Könnte ich zu dir kommen?“, fragt sie.

„Ja, geht klar. Meine Schwester ist ja im Urlaub und meine Eltern...na ja, sie sind ja unten und nicht in meinem Reich. Sie werden uns also nicht stören!“ Meike überlegt einen Moment, was er mit diesem „stören“ meint.

„Okay, wann soll ich bei dir sein?“

„Du könntest jetzt herkommen, ich koche gerade was leckeres!“ Meike hört, wie Lauri grinst.

„Okay, dann bis in einer halbe Stunde!“, meint sie dann und legt grinsend auf.

„Danke, du bist ein Schatz!“ Tina kommt in ihr Zimmer gestürmt und umarmt sie fest.

„Ich habe das nur dir zur Liebe getan. Aber wer sagt denn, dass ich bei ihm übernachte? Ich bin spätestens um 1 Uhr wieder hier. Bis dahin werdet ihr es wohl hinbekommen haben!“ Meike denkt über ihre Worte nach, währenddessen Tina vor sich hinträumt. Meike kann es nicht wirklich glauben, dass Tina schon jetzt mit Timo schlafen will. Aber vielleicht möchte sie sich auch nur einen gemütlichen Abend mit ihm machen. „Ich werde mich dann mal anziehen und fertig machen!“, sagt sie verträumt.

„Mach das, ich wünsche dir viel Spaß bei Lauri,  oder mit Lauri?“, kichert sie.

„Hör auf zu spinnen. Wovon träumst du?“, gibt Meike ihr giftig zurück.

 

Eine halbe Stunde später steht sie vor Lauri´ s Haustür und mit zittrigen Fingern betätigt sie die Klingel. Ihr ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass sie ihm gleich wieder ins Gesicht sehen wird, in seine wunderschönen Augen...

„Hei. Willst du weiter vor dich hinträumen oder möchtest du reinkommen?“ Sie erschreckt sich, dann wird sie aber auch schon umarmt.

„Hei!“, bekommt sie dann nur raus und spürt, wie sich Lauri´ s Lippen auf ihre Wange pressen. „Alles klar?“, fragt sie und betritt dann die Wohnung.

„Jetzt schon!“, meint er lieb, aber irgendwie auch traurig.

„Was ist denn los?“, fragt Meike besorgt und drückt ihm ihre Jacke in die Hände.

„Meine Mutter mal wieder. Ich soll lernen, ich soll mein Zimmer aufräumen, ich soll dies und ich soll das!“, meckert er vor sich hin.

„Geht mir auch so... Wo kann ich meine Schuhe...?“ Doch Lauri hat sie ihr schon abgenommen. „Danke Lauri!“, lächelt sie.

„Na dann komm mal mit, ich habe gekocht und es schmeckt richtig gut, ausnahmsweise!“

Als beide mit dem Essen fertig sind, lächeln sie sich abwechselnd an.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll!“, meint Lauri plötzlich und Meike nickt nur. Ja, sie stimmt ihm zu. Sie weiß nicht, was ihre Gefühle mit ihr anstellen, aber ihr Herz pocht so laut, dass sie Angst haben muss, dass Lauri es hört. „Gehen wir in mein Zimmer?“

„Ja, können wir machen!“, lächelt Meike. Lauri schnappt sich ihre rechte Hand und zieht sie hinter sich her. Hoch in sein Zimmer. Meike sieht sich um. Er hat ziemlich viel verändert. Aber das Fenster zum See ist geblieben und so starrt sie raus auf das kleine Gewässer.

„Möchtest du meine Hand nicht loslassen?“ Sie erschreckt mal wieder und lässt auf der Stelle seine Hand los. Sie hatte sie richtig fest umklammert.

„Sorry!“, stammelt sie. Dann beginnt Lauri, sie zu kitzeln und so schäkern die beiden rum. Danach setzen sie sich auf den Fußboden und erzählen sich bis zum Abend die verschiedensten Geschichten.

Meike fällt plötzlich die mit ihrem Bruder ein.

„Als mein Bruder zu mir total dumm war, da habe ich ihm einfach in seine Eier getreten!“, erzählt sie locker und Lauri sieht sie geschockt an. „Was? Er hatte es verdient. Das ist gar nicht mal so lange her!“

„Bin ich auch in dieser Gefahr, dass du mir so etwas antust?“ Meike kann sich kaum halten vor lachen. Lauri´ s entsetzter Blick war zu geil.

„Nein, bist du nicht!“, meint sie dann ernst.

„Was hat dein Bruder denn gesagt, dass du so reagiert hast... wenn ich fragen darf?“ Meike überlegt. Es war ein guter Grund, doch vielleicht versteht Lauri das nicht.

„Er meinte, ich sei neidisch auf ihn und seine Freundin, weil ich ja keinen Freund habe!“ Dann herrscht Stille. Lauri mustert sie eindringlich. Meike sieht ihn nur immer kurz an.

„Warum bist du nicht mal ein bisschen selbstbewusst? Du kannst es doch sein, das hast du mir schon so oft gezeigt. Immer wenn wir mit den anderen Jungs unterwegs waren, da hast du immer gezeigt, wie du wirklich bist und trotzdem bist du nicht so schnell ausgerastet!“ Er streicht ihr eine Träne weg, die über ihre Wange läuft. Sie tut ihm wahnsinnig leid. Er fragt sich, was bei ihr passiert ist im Leben, dass sie sich so verändert hat. „Was ist los?“

„Lauri, seitdem ich mehr für dich empfinde fühle ich mich nicht mehr so beschützt. Ich weine schneller los und raste bei jeder Kleinigkeit aus. Ich kann nicht mehr!“ Immer mehr Tränen rollen ihr über das Gesicht und Lauri schließt sie in seine Arme. „Es ist so schwer für mich!“

„Warum? Wer sagt denn, dass da nicht ein Funken Hoffnung ist?“, flüstert er ihr dann ins Ohr und sie hört auf zu schluchzen. „Es wird komisch, wenn wir wirklich ein Paar werden, aber damit würden wir fertig werden. Dieser Kuss war mehr für mich, als du wahrscheinlich denkst. Ich kann dir gar nicht glauben, dass es dein erster war!“ Meike löst sich aus seinen Armen und wischt sich ihre Tränen weg, dann lächelt sie.

„Wenn du das ernst meinst, dann küsse mich jetzt einfach!“, flüstert sie und guckt ihn ernst an. Dann nähert sie ihr Gesicht seinem und beide können das knistern zwischen ihnen hören. Als sich ihre Lippen immer wieder berühren, spüren die beiden Schmetterlinge im Bauch. Sie küssen sich lange und innig. Meike lässt sich auf dem Boden nieder und Lauri stützt sich über ihr. Dann lässt er sich neben ihr nieder.

„Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit zwischen uns kommen wird!“, sagt er nach dem langen Kuss. „Aber es ist ein wunderschönes Gefühl!“

„Das finde ich auch. Du bist einfach der Beste und Liebste. Danke für alles!“ Meike stützt sich auf und küsst ihn kurz.

„Du auch und deshalb will ich noch mehr von deinen Küssen!“ Er drückt Meike wieder auf den Boden und küsst sie stürmisch. Beide kommen gar nicht mehr voneinander weg und können vom anderen nicht genug bekommen.

„Du bist so süß!“, flüstert Lauri und sieht ihr ins Gesicht. Er kann das alles noch gar nicht so richtig fassen. „Und ich weiß, warum ich so lange in dich verliebt war... und es jetzt wieder bin!“, fügt er hinzu und schlagartig sitzt Meike neben ihm.

„Wann warst du in mich verliebt?“, fragt sie und sieht ihn ernst an.

„Hm... ist schon ne Weile her. Nur du hast immer gesagt, ich sei dein bester Kumpel und du könntest noch gar nicht mal dran denken, jemanden zu küssen, geschweige denn mich!“

„Oh mein Gott, das habe ich gesagt?“, fragt Meike mit aufgerissenen Augen. Lauri nickt. „Das tut mir voll leid. Vor allem, ich war so verletzt, als du das in der letzten Zeit zu mir gesagt hast und ich habe es nicht anders gemacht!“ Lauri setzt sich neben sie auf das Bett und küsst sie auf die Wange.

„Schon gut, Süße. Jeder macht Fehler und doch sind wir jetzt so weit gegangen!“, lächelt er.

„Ja, das ist schön. Und ich gehe auch noch viel weiter mit dir!“, grinst sie dann.

„Meike!“, meint er empört, lächelt dann aber. „Okay!“ Wieder fällt er über sie her.

„Hey, so war das nun auch wieder nicht gemeint!“, kichert und quiekt sie vor sich hin. Lauri lässt sie los und legt sich dann neben sie.

„Es ist ja schon fast 23 Uhr!“, sagt er dann und sieht Meike gespannt an. Doch diese sieht in sein Gesicht und träumt vor sich hin. „Meike, bist du noch anwesend?“ Sie lächelt ihn an und nickt leicht.

„Ist mir doch egal, wie spät es ist. Ich habe meiner Schwester gesagt, ich bin um spätestens 1 Uhr wieder zu Hause!“

„Morgen Mittag?“

„Nein, heute in der Nacht!“, antwortet Meike.

„Das muss ich ja nicht verstehen, oder?“

„Und wenn ich es dir erkläre?“ Lauri nickt. „Meine Schwester will mit Timo alleine sein. Ich weiß nicht, was sie anstellen wollen, aber ich habe halt dann gesagt, dass ich bis 1 Uhr wegsein werde!“, erklärt sie und Lauri schüttelt verständnislos den Kopf.

„Die beiden gehen ja schon ganz schön weit. Aber trotz allem, ich möchte dich so spät nicht alleine losschicken... Was hältst du davon, wenn du hier übernachtest?“ Meike sieht ihn skeptisch an.

„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist!“, sagt sie schüchtern.

„Ich lasse dich doch in Ruhe. Ich mache nichts, was du nicht auch willst!“ Er beugt sich über sie und küsst sie sacht auf ihre Lippen. Dann werden sie fordernder.

„Aber ich habe keine Sachen!“, meint sie dann und drückt Lauri leicht weg.

„Warum bist du so komisch?“, fragt Lauri dann sauer und setzt sich. „Ich dachte, du bist in mich verliebt und du vertraust mir. Ich tue dir doch nichts und Sachen kann ich dir auch geben!“, meint er dann.

„Sorry!“, lächelt Meike. „Das ist alles so neu. Wenn ich früher bei dir geschlafen habe, dann...“

„Pssst, früher ist jetzt nicht mehr!“, meint er und legt sich wieder neben sie. „Für mich ist doch auch alles so neu, aber wenn wir total verklemmt sind und noch nicht mal gemeinsam in einem Bett schlafen können, was soll das denn werden?“ Er legt eine Hand auf ihre Wange, wie sie es auch bei ihm tut.

„Du hast ja Recht. Okay, ich bleibe.“ Lauri lächelt sie süß an und sie küsst ihn.

 

Am nächsten Morgen sind beide ziemlich müde. Sie wurden von Lauri´ s Eltern geweckt, die extra nur für die beiden ein schönes Frühstück gemacht haben.

„Das ist ja echt lieb von den beiden!“, meint Meike zu Lauri, der nicht sehr begeistert davon ist. Sie fragt sich, was er gegen seine Eltern hat. Sie sind immer nett zu ihm und er gibt ihnen immer was blödes zur Antwort oder macht sie einfach nur fertig.

„Was hast du heute eigentlich vor?“, fragt er und greift nach ihrer Hand, die auf dem Tisch liegt.

„Bis jetzt gar nichts, aber heute Abend kommen meine Eltern wieder!“

„Wir könnten doch ein bisschen über den Markt laufen, oder so!“ Meike sieht ihn komisch an und überlegt, wie sie ihren Satz jetzt formulieren soll.

„Lauri, ich möchte, dass von uns beiden keiner was weiß. Ich möchte nicht ein Thema der ganzen Schule sein!“, sagt sie dann leise.

„Aber...“

„Bitte verstehe mich mal. Ich, das hässliche Entlein mit einem schönen Schwan. Das kommt nicht gut und ich will nicht, dass dadurch alles wieder zerstört wird.“

„Okay, wenn du meinst. Aber wie soll ich das aushalten?“, fragt er traurig. Dann überlegt er einen Moment. „Warum kannst du nicht jetzt mal selbstbewusst sein? Jetzt bist du doch wieder beschützt, durch mich. Außerdem bin ich jawohl kein schöner Schwan und du bist auch nicht hässlich. Du redest dir einfach zu viel ein. Mensch Mädel, wie soll ich dich toll, süß und gut finden, wenn du es selber nicht tust?“, sagt er wütend und nimmt seine Hand von ihrer.

„Lauri, ich hatte noch nie einen Freund. Hatte gerade mal jetzt meinen ersten Kuss und auch so bin ich einfach nicht so wie die anderen. Ich finde es abenteuerlicher und einfach cooler, wenn man so eine frische... ja, Liebe erst mal verheimlicht!“ Sie hat Tränen in den Augen. „Ich glaube, ich gehe jetzt lieber. Du kannst dich ja melden und mir sagen, ob du einverstanden bist mit dem ganzen. Ansonsten können wir es ja gleich vergessen!“ Sie lässt Lauri geschockt in der Küche sitzen und stürzt aus dem Haus. Ihre Schuhe zieht sie sich erst eine Straße weiter an und ihre Jacke hält sie den ganzen Weg nur fest.

Schon von einiger Entfernung erkennt sie, dass Tina und Timo im Türrahmen stehen. Sie huscht an den beiden vorbei und rennt in ihr Zimmer. Sie ist so froh, dass es endlich zwischen Lauri und ihr gefunkt hat, aber es ist auch so verwirrend und er hat ihr Leben jetzt endgültig durcheinander gebracht. Sie legt sich auf ihr Bett und starrt aus dem Fenster. Es sieht trüb draußen aus, so, wie sie sich gerade fühlt. Es war hart, was sie zu ihm gesagt hat, aber sie denkt wirklich so. Aber sie fragt sich auch, ob Lauri sie überhaupt versteht, denn so benommen hat er sich nicht.

 

„Meike?“ Nur leise dringt die Stimme ihrer Schwester in ihr Ohr.

„Hm?“, gibt sie nur von sich und blinzelt dann.

„Was ist los mit dir?“ Meike ist schlagartig hellwach. Nein, auch Tina soll nichts davon wissen.

„Nichts, ich bin nur müde!“, meint sie gespielt verschlafen.

„Hast du dich mit Lauri gestritten?“ Meike nickt. Auch als Freunde kann man sich streiten. „Was denn nun schon wieder?“

„Ach, nur ne Kleinigkeit. Ist nicht so wichtig.“ Beide schweigen, dann grinst Tina. „Wie war es eigentlich mit Timo?“

„Ich bin so froh, dass ich es endlich hinter mir habe. So gehöre ich auch zu den Durchschnittsjugendlichen!“, gibt Tina stolz von sich.

„Was? Wie dumm bist du denn? Du hast mit ihm geschlafen, nur um mitzureden?“ Tina nickt. „Weißt du, wie dumm und rücksichtslos so was ist?“ Meike ist völlig in Extase. „Habt ihr wenigstens verhütet oder besteht jetzt auch noch die Gefahr, dass du schwanger wirst?“

„Ich habe nicht verhütet. Meine Pille habe ich nicht regelmäßig genommen!“, schreit auch Tina. „Aber ich kann dich beruhigen. Vom ersten Mal kann man nicht schwanger werden!“ Mit diesen Worten verschwindet Tina und Meike fasst sich nur an den Kopf. Wie dumm muss man eigentlich sein? Und das soll ihre Zwillingsschwester sein.

 

Es ist wieder eine Woche vergangen und heute geht die Schule wieder los. Die restlichen Ferien hat Meike mit Lauri verbracht, immer haben sie sich heimlich getroffen. Doch sie hat sich dazu überreden lassen, dass sie auch öffentlich dazu stehen.

Meike steht alleine am Schultor als Lauri plötzlich auf sie zukommt. Sie küssen sich kurz innig. Dann sieht Meike traurig auf den Boden und scheint in Gedanken versunken zu sein.

„Ist was, Süße?“, fragt er und sie schüttelt nur den Kopf. „Und warum warst du auch in den Ferien manchmal so komisch, seitdem du bei mir gepennt hast?“

„Es hat nichts mit dir zu tun!“, lächelt sie dann und küsst ihn kurz. Dann verschwindet er im Schulgebäude. Als aber Nele dann plötzlich vor Meike steht, vergisst sie schnell ihre Sorgen und die beiden umarmen sich.

„Habe ich das gerade richtig gesehen?“, fragt Nele und Meike grinst nur.

„Ja, wir sind jetzt zusammen und du hast alles verpasst!“, grinst Meike.

„Ich freue mich so für dich und für ihn natürlich auch. Und wie lange?“

„Seit letzter Woche, also psst, noch nicht weitersagen!“

„Als würde man das nicht sehen, dass ihr euch liebt!“, witzelt Nele rum und die beiden verschwinden im Schulgebäude.

 

Am Nachmittag ist Meike mit Lauri verabredet und er steht pünktlich um 15 Uhr vor der Tür.

„Hei!“ Auch sie begrüßt ihn. Dann folgt ein kleiner Kuss.

„Ich bin alleine, also, wir sind alleine!“, murmelt sie vor sich hin und geht mit ihm im Schlepptau ins Zimmer.

„Willst du mir nicht endlich sagen, was dir auf dem Herzen liegt. Sonst kann ich dir langsam nicht mehr glauben, dass es nichts mit mir zu tun haben soll!“, sagt er ernst und setzt sich zu ihr auf das Bett. Meike steht aber wieder auf und setzt sich ihm gegenüber auf ihre Couch.

„Es ist wegen meiner Schwester!“, beginnt sie. Lauri hört ihr aufmerksam zu. „Sie hat wirklich mit Timo rumgevögelt!“

„Ja und?“, grinst Lauri.

„Das ist nicht lustig, sie haben nicht verhütet. Und sie erzählt mir dann auch noch, dass man vom ersten Mal ja nicht schwanger werden kann. Sie ist so dumm!“ Lauri bekommt seinen Mund nicht mehr zu, dann geht er zu Meike und setzt sich zu ihr, legt seine Hand auf ihren Oberschenkel.

„Das tut mir leid für dich. Und deine Schwester tut mir auch leid, ihre Dummheit ist ja nicht zum Aushalten!“, regt er sich auf.

„Bitte sage mir, dass wir damit noch warten werden!“, sagt Meike flehend.

„Na klar. Schön zu wissen, dass es auch DEIN erstes Mal ist!“, lächelt er dann und atmet auf.

„Ich dachte, du hättest schon mal Sex gehabt!“, sagt Meike dann. Sie rutscht auf seinen Schoß und beginnt, an seinen Lippen zu knabbern.

„Nein, hatte ich noch nie und jetzt hör auf, mich so wild zu machen!“ Sie legt ihre Lippen auf seine und fährt mit ihrer Zunge über seine Lippen, über seine Zähne, bis sie sich mit seiner Zunge vereint und sie ein leidenschaftliches Spiel spielen.

Doch als plötzlich die Tür aufgeht erschrecken die beiden. Tina steht mit weit aufgerissenem Mund vor den beiden.

„Ihr...ihr seid zusammen?“, fragt sie geschockt.

„Ja, was dagegen?“, fragt Meike und schmiegt sich an Lauri.

„Ihr seid ja echt dumm!“

„Und du bist noch viel dümmer, weil du nämlich mit nem Typen in die Kiste steigst, den du gerade mal einen Tag kennst. Und dann hast du noch nicht mal verhütet. Hast du schon mal was von Aids gehört? Das ist nur eine der ansteckenden Krankheiten und du  stirbst davon.“, brüllt Meike dann ihre Schwester an, springt von der Couch und schmeißt sie aus dem Zimmer. Dann schließt sie die Tür ab. Sie setzt sich wieder zu Lauri und bricht dann in Tränen aus.

„Wir waren mal wie ein Herz und eine Seele. Jetzt hasse ich sie. Guck sie dir an, sie hat sich äußerlich so verändert, absichtlich, damit sie nicht mehr so aussieht wie ich.“, schluchzt Meike.

„Ja, da hast du Recht, sie ist total anders geworden. Aber sie will ihr eigenes Leben leben. Lass sie doch einfach, du machst doch auch dein Ding. Allerdings danke, dass wir uns öffentlich doch so zeigen. Einige Leute aus meiner Klasse meinten, dass wir gut zusammen passen!“, grinst er über beide Ohren.

„Ach, das macht mich so glücklich. Du machst mich so glücklich!“, lächelt sie ihn dann an. Er wischt ihr über ihre nassen Wangen.

„Dann hör auf zu weinen und komm her!“ Lauri legt ihr den Arm um die Schulter und sie kuschelt sich an ihn. „Was hältst du davon, wenn du ein paar Tage bei mir schläfst. Vielleicht tut es dir ja mal gut, von deiner Familie wegzusein?!“

„Ich weiß nicht, ob meine Eltern das erlauben würden. Aber ich frage sie auf jeden Fall, denn so ein Angebot lasse ich mir nicht entgehen... Aber, was ist mit deinen Eltern?“

„Die sind da ziemlich locker drauf. Solange ich mein eigenes Reich habe und Hanna kaum zu Hause ist, stört es weder sie noch mich.“ Meike gibt ihm einen zarten Kuss auf die Wange, dann nimmt er seinen Arm von ihrer Schulter, damit sie aufstehen kann.

„Ich gehe mal gleich fragen!“, meint sie zu Lauri und verlässt das Zimmer. Schon im Flur hört sie das Gemecker ihrer Mutter.

„...Ich frage mich, was da oben in deinem Kopf vorgeht. Was ist nur mit dir los?“ Meike betritt die Küche und sieht, wie ihre Mutter mit Tina meckert. „Ich meine, als hätten wir euch nicht aufgeklärt. Wie lange kennst du den denn schon, wirklich nur einen Tag?“ Erst jetzt checkt Meike, dass ihre Mutter alles gehört hat.

„Nur weil du blöde Schlampe nicht deine Klappe halten konntest!“

„Ach, wer hat mir das denn alles voller Stolz erzählt, dass er jetzt mitreden kann, wenn die anderen übers Fi*ken reden?“, schreit jetzt auch Meike ihre Schwester an.

„JETZT IST SCHLUSS IHR BEIDEN!“ Alle drei schweigen und sehen sich gegenseitig an.

„Darf ich bei Lauri schlafen, für ein paar Tage? Ich halte es hier nicht mehr länger aus!“, sagt Meike leise. Ihre Mutter nickt nur.

„Na klar, sie darf rumpoppen!“, schreit Tina wütend.

„Hör auf, das ist was ganz anderes. Sie ist doch nur mit ihm befreundet!“, versucht die Mutter zu erklären.

„Ist es gar nicht, die beiden sind zusammen. Wie lange auch immer. Sie haben sich geküsst, als ich eben ins Zimmer kam!“ Meike sieht ihre Mutter nur lächelnd an und nickt zur Bestätigung.

„Das freut mich für dich. Ich wünsche euch viel Spaß und melde dich mal!“, meint ihre Mutter freundlich, dann wendet sie sich an Tina. „Und wir gehen jetzt einkaufen, denn du hast erst mal Ausgehverbot.“

 

Am Abend haben Meike und Lauri gerade gegessen, als die Eltern nach Hause kommen. Sofort erklärt Lauri ihnen die Situation und sie sind einverstanden, dass Meike erst mal bis Freitag bleibt.

„Gehen wir in dein Zimmer?“, fragt Meike und trocknet sich die Hände ab, weil sie das Geschirr abgewaschen hat. Lauri nickt und nimmt sie an die Hand.

„Ich bin doch kein kleines Kind mehr!“, beschwert sie sich im Zimmer. Doch er zieht sie näher zu sich und die beiden küssen sich. Sie legen sich auf das Bett und schmusen rum.

„Meike? Das mit deiner Familie und so, das tut mir echt leid. Wenn du darüber reden möchtest, oder du mich brauchst, dann komm einfach zu mir, okay?“

„Danke mein Schatz!“, lächelt sie und küsst ihn kurz. „Warum hast du eigentlich so ein riesiges Bett?“, fragt sie dann.

„Weil hier Platz für zwei ist und ich wusste, dass ich es irgendwann mal gebrauchen könnte!“

„Du Spinner!“, grinst Meike und kitzelt ihn an den Rippen. Er quiekt und versucht sich zu wehren, doch er muss einfach zu viel lachen. „Na, genug?“ Er nickt und atmet schwer.

„Scheiß Raucherei, die macht einem die Puste weg!“, meint er ernst. Doch Meike lacht ihn einfach nur aus.

„Ach, du bist schon ein Süßer!“, sagt sie dann und sieht ihn verträumt an.

 

Am Wochenende hat sich Meike Zeit für Nele genommen. Sie hat selber eingesehen, dass ihre beste Freundin durch Lauri in letzter Zeit den Kürzeren gezogen hat und so kommt sie erst wieder am Sonntag Abend bei ihm an.

„Na du? Ich habe dich vermisst!“, flüstert Lauri ihr ins Ohr.

„Ich dich auch!“, flüstert auch sie und legt ihre Hände in seinen Nacken. Dann beginnt er, ihren Hals zu küssen. „Was wird das?“, fragt sie grinsend.

„Komm mit, dann zeige ich es dir!“ Er führt sie in sein Zimmer. Immer wieder machen sie eine Knutschpause und nur deshalb scheint der Weg bis zum Zimmer eine Ewigkeit zu dauern. Langsam und geheimnisvoll öffnet Lauri die Zimmertür und führt Meike herein.

„Wow!“ Sie sieht sich im Zimmer um. Alles ist in Kerzenlicht getaucht. Tücher liegen auf dem Boden, manche sind aber auch an der Wand angemacht. „Das ist wunderschön!“

„Gefällt es dir?“, fragt Lauri und seine Augen funkeln Meike an.

„Ja und wie. Du bist einfach der Beste!“ Sie umarmt ihn fest, dann sehen sie sich beide in die Augen. Beide funkeln sich an. Sie spüren die Anziehungskräfte, die zwischen ihnen wirken. Immer wieder küssen sie sich, dann arbeitet er sich wieder runter bis zu ihrem Hals. Er spielt an dem Reißverschluss ihrer Strickjacke, dann zieht Meike den Reißverschluss nach unten und Lauri zieht ihr die Jacke aus. Einen Moment lang starrt er nur auf ihre Brüste, die noch von ihrem BH verdeckt werden...aber alles ganz langsam, sagt er sich dann selber.

„Willst du das überhaupt?“, fragt er dann leise in ihr Ohr und knabbert daran.

„Und wie ich das will!“, sagt sie mit feuriger Stimme. Beide stehen im Kerzenlicht, in der Mitte des Raumes. Nur langsam ziehen sie sich aus. Meike spielt am Bund von seinen Boxershorts. „Hast du daran gedacht?“, fragt sie dann. Lauri deutet nur auf den Nachtschrank. Meike sieht zwei Kondome dort liegen und lächelt leicht. Gleich zwei Stück?, denkt sie sich. Dann lässt sie sich gemeinsam mit Lauri auf das Bett fallen. Beide sind so überwältigt von ihren Gefühlen, dass sie im Moment keinen klaren Gedanken fassen können. Doch sie geben sich ihrer Leidenschaft hin und erleben somit gemeinsam ihr erstes Mal.

Am nächsten Morgen wacht Lauri alleine in seinem Bett auf. Er sieht sich im Raum um, keine Meike, doch dann hört er die Dusche rauschen und lächelt vor sich hin. Er steht schwungvoll auf und muss sich beherrschen, sein Gleichgewicht zu behalten. Er grinst wie ein Honigkuchenpferd vor sich hin und sucht sich frische Sachen zusammen.

„Guten Morgen!“, trällert Meike, als sie zur Tür reinkommt und lächelt ihn an.

„Morgen meine Süße!“, lächelt auch er und es folgt ein sehr romantischer Kuss. „Das war echt schön!“, flüstert er ihr dann ins Ohr und sie streicht mit ihren Händen über seinen Oberkörper.

„Da bin ich voll und ganz deiner Meinung, du solltest dich jetzt aber beeilen. Wir müssen schließlich in die Schule!“, meint sie dann und löst sich von ihm.

„So eine Scheiße aber auch!“, meckert Lauri leise und verschwindet dann im Bad.

 

Nachdem die beiden gefrühstückt haben, gehen sie händchenhaltend die Straßen entlang, um einige Minuten später an der Schule anzukommen.

„Ich will jetzt nicht, dass wir wieder eigene Wege gehen!“, sagt Lauri vor dem Eingang zu Meike und sieht sie traurig an.

„Lauri, jeder muss auch seine eigenen Wege gehen. Um so schöner ist es, dich in der Pause wieder zu sehen!“

„Okay!“ Die bedien küssen sich kurz.

„Und Lauri...!“ Sie macht eine Pause, sieht ihm direkt in die Augen. „...ich liebe dich!“, flüstert sie dann. Sie ist sich sicher, dass es wirklich so ist und egal, ob er es jetzt erwidert, oder nicht... sie empfindet einfach so viel für ihn.

„Ich dich auch, Süße. Ich liebe dich auch!“, flüstert er mit Tränen in den Augen. Für einen Moment vergessen sie alles um sich herum und küssen sich leidenschaftlich. Doch die Klingel reißt sie aus ihrer Zweisamkeit und sie fahren erschrocken auseinander.

„Mist, der Unterricht hat gerade angefangen!“, sagen beide durcheinander und kichern dann. Sie gehen lachend zu ihren Klassenräumen. Beide haben Glück, die Lehrer lassen sie noch rein.

 

„Und, wie ist der Neue in deiner Klasse so drauf?“, fragt Lauri mit einem seltsamen Unterton. Es ist schon wieder eine ganze Weile vergangen und Meike hatte ihren 15. Geburtstag. Sie war als Geburtstagskind das einzige Mädchen. Nele war nur schnell zum Gratulieren vorbei gekommen. Doch trotzdem war es eine recht schöne Party.

„Ich finde ihn ganz nett!“, lächelt Meike und wartet auf Lauri´ s Reaktion. Sie weiß, dass er auf Aron eifersüchtig ist, doch dazu hat er keinen Grund. „Und jetzt hör auf, mich so anzusehen. Ich will doch nur dich!“

„Aber er sieht so verdammt gut aus!“, meint Lauri schüchtern.

„Wie? Stehst du auch auf Kerle?“, fragt Meike ernst.

„Quatsch, aber die Weiber schwärmen voll von dem, jedenfalls die aus meiner Klasse!“

„Lauri, jetzt hör auf. Du bist für mich der gutaussehenste, süßeste und beste Junge. Und die Weiber aus deiner Klasse sind einfach nur dumm!“ Meike lächelt und streicht ihm dann übers Gesicht.

„Und warum sehe ich so gut aus für dich?“, fragt er dann und Meike seufzt.

„Du stellst Fragen, Junge!“ Sie mustert ihn. „Du hast eine total süße Nase, nein, dein ganzes Gesicht ist einfach süß!“

„Ja genau, Babyface eben!“, redet er ihr dazwischen.

„Ey hallo. Du hast jawohl nicht nur ein Gesicht!“, meckert sie ihn an. „Du bist einfach mal anders. Ich will dich ja nicht mit den anderen Typen vergleichen, aber die sind einfach mal hässlich und du als so ein kleiner, süßer fällst da einfach mehr auf. Außerdem hast du einen wunderschönen Körper!“ Er sieht sie ungläubig an. „Außerdem ist an deinem Körper alles perfekt!“, sagt sie ernst. Doch dann sieht sie zu seinem Schritt und lächelt ihn dann an.

„Aha! So ist das also!“, grinst auch er und fällt über sie her. Nun liegen sie knutschend auf der Couch.

„Nein, ganz ehrlich. Das stimmt alles, was ich eben gesagt habe. Außerdem, was würdest du sagen, wenn ich dich frage, warum gerade ich deine Freundin bin?“ Sie sieht ihn fragend an.

„Wer sagt denn, dass du meine Freundin bist?“ Meike schubst ihn von sich runter, so, dass er auf dem Boden liegt.

„Du bist so ein Arsch!“ Dann lacht sie aber und setzt sich auf seine Oberschenkel, um ihn an den Rippen zu kitzeln.

„Hör auf, das war nicht so gemeint!“, schreit er nur mühsam. „Du bist mehr als meine Freundin!“ Sie beugt sich zu ihm, lässt ihre Hände auf seinem Oberkörper liegen. In diesem Moment verflucht sie das T- Shirt, das er trägt.

„Dann ist ja gut!“, haucht sie und küsst sanft seinen Hals. Auf seinem ganzen Körper verbreitet sich Gänsehaut. Lauri legt ihr seine Hände in den Nacken, als sich ihre Lippen mit seinen vereinen. Immer wieder beißt Meike in seine Unterlippe, knabbert daran.

„Du weißt, dass mich das heiß macht!“, nuschelt Lauri und streicht dann mit seiner Zunge über ihre Lippen. Beide spielen miteinander. Lauri liebt es, wenn Meike ihn so behandelt. Sie ist für einen Moment kalt zu ihm und das turnt ihn an.

„Lass uns in mein Zimmer gehen!“, haucht sie dann und nimmt ihn an die Hand.

Oben im Zimmer schließt sie Tür hinter sich ab. dann führt sie Lauri zum Bett. Er setzt sich, doch Meike schaltet Musik an und tänzelt dann langsam auf ihn zu. Dabei öffnet sie den Reißverschluss ihrer Strickjacke. Nur langsam lässt sie die Jacke zu Boden gleiten und setzt sich dann breitbeinig auf Lauri´ s Schoß.

„Oh yeah baby!“, grinst er und umfasst ihre Taille. Er küsst sanft ihr Dekolleté, währenddessen sie am Bund seines T- Shirts spielt. Sie zieht es ihm langsam aus. Dann drückt sie ihn auf das Bett. „Sind wir alleine?“, fragt er leise. Meike nickt und wirft das Shirt auf den Boden. Dann küssen sie sich wieder, immer fordernder. Sie streicht ihm über seinen Oberkörper und kann spüren, wie sehr sein Herz pocht. Es rast regelrecht und sie muss lächeln, weil es ihr nicht anders geht. Sie leckt an seinem Hals, arbeitet sich bis zu seiner Brust, umkreist seine Brustwarzen mit ihrer Zunge. Sie hört, wie er dabei leise ihren Namen stöhnt. Sie wandert noch tiefer, erforscht mit ihrer Zunge seinen Bauch. Kurz vor seiner Hose macht sie Halt und öffnet sie hastig. Doch sie zieht ihm die Hose nur langsam aus, mit Lauri´ s Hilfe. Dann nutzt er die Chance und drückt sie auf das Bett. Dabei zieht er ihr geschickt den BH aus. Er liebkost ihre Brüste, mit den Händen und mit der Zunge. Auch sie atmet immer schwerer und spielt am Bund seiner Boxershorts. Dann zieht sie ihm das lästige Teil einfach runter. Auch Lauri zieht ihr den Rest der Sachen aus und nachdem die restlichen Klamotten den Weg auf den Boden gefunden haben, vereinen sie sich so leidenschaftlich wie sie nur können. Immer wieder küssen und liebkosen sie sich. Immer wieder dringt er in sie ein und beide spüren den anderen so nah wie sonst nie. Sie verfallen regelrecht in eine Extase. Draußen ist es schon lange dunkel, doch die Straßenlaternen erhellen das Zimmer auf eine geheimnisvolle Weise.

„Ich liebe dich, Liebling!“, haucht Meike ihm leise ins Ohr, als sie sich für das letzte Mal vereinen.

„Ich dich auch!“ Er atmet schwer, haucht ihr diese Worte ins Ohr und kuschelt sich dann neben sie in die Decke.

„Du tust mir so gut und ich bin dir dafür so dankbar!“, lächelt Meike. Lauri bewundert sie, ihre grünen Augen strahlen eine solche wunderschöne Aura aus und doch haben sie was trauriges an sich. Vielleicht, weil sie gerade Tränen in den Augen hat?

„Hey, nicht weinen mein Schatz. Ich bin doch dafür da, um dich glücklich zu machen. Außerdem gibst du es mir doch zurück!“ Sie sieht, wie seine Augen sie anfunkeln.

„Aber bitte tu mir den Gefallen und sei nicht so eifersüchtig, was neue Jungs in meiner Klasse angeht!“, lächelt sie dann. Sie meint es zwar ernst, aber irgendwie hat es ja auch was Gutes, wenn er so eifersüchtig ist.

„Okay, dann schließe deine Augen!“ Erst sieht sie Lauri fragend an, dann tut sie, was er ihr gesagt hat. Erst merkt sie nur seinen Atem an ihrer Wange, dann spürt sie seine Lippen auf ihrem Augenlied, dann auf dem anderen. Er bedeckt jede einzelne Stelle ihres Gesichts mit einem zarten Kuss. Als er dann ihre Lippen mit seinen berührt, können sich beide nicht mehr halten und küssen sich wild. Nach einer Weile kuscheln sie sich aneinander.

„Entschuldigung, ich werde mich mit meiner Eifersucht zusammen reißen!“, meint er dann.

„Okay, danke. Und jetzt schlafschön, my darling!“, kichert sie.

„Ja du auch, mein kleines wildes Baby!“, meint er machomäßig. „Äh...baby?“

„Hm?“

„I love ya!“, sagt er und legt einen Arm um sie.

„Ich dich auch!“, antwortet sie noch und beide schlafen ein.

 

„Oh mein Gott Lauri, ich habe solche Scheiße geträumt heute Nacht!“, stellt Meike am Frühstückstisch fest.

„Ich bin nicht dein Gott!“, meint Lauri ernst und kichert dann los.

„Ach Mann, du bist doof.“

„Bin ich nicht, aber gut, wenn du meinst... Was haste denn geträumt?“, fragt er dann neugierig. Meike lehnt sich über den Tisch, so, dass sie ihm ins Ohr flüstern kann.

„Wir haben es total wild getrieben!“, grinst sie und setzt sich dann wieder auf ihren Stuhl.

„Ja und?“, fragt Lauri entgeistert. „Was ist daran jetzt so besonders?“

„Es war auf einer Toilette!“, meint sie dann entsetzt und Lauri bricht in schallendes Gelächter aus. Er lacht so sehr, dass er sich nicht mehr auf dem Stuhl halten kann und plötzlich halb unter dem Tisch sitzt.

„Das ist nicht lustig. Auf der Toilette ist so was verboten!“, meckert sie rum.

„Was ist auf Toiletten verboten?“ Tina steht plötzlich in der Küche und sieht abwechselnd von Lauri, der auf dem Boden sitzt, zu Meike, die ihn sauer ansieht.

„Äh nichts!“, meint sie zu Tina. „Komm da hoch!“, flüstert sie dann zu Lauri.

„Jaja, ich weiß schon, was da verboten ist!“, grinst Tina und macht eine deutliche Geste mit ihren Fingern. „Aber ihr habt es ja nicht nötig, dass auf der Toilette zu treiben!“ Lauri, der es geschafft hat, wieder gerade auf dem Stuhl zu sitzen, sieht Tina genauso geschockt an, wie auch Meike es tut. „Jetzt guckt nicht so, ich war zwar gestern dicht, aber nicht so, dass ich eure komischen Geräusche überhört habe!“, grinst sie wieder.

„Schön für dich. Warum warst du eigentlich zu? Hatte jemand Geburtstag?“

„Nein, aber ich bin nicht schwanger!“, trällert Tina.

„Oh, Lauri, wir müssen eine Party feiern, ich bin auch nicht schwanger.“, äfft Meike ihre Schwester nach und geht dann auf sie zu. „Weil ich nämlich nicht so dämlich bin und mit einem Typen in die Kiste steige ohne zu verhüten!“

„Halt die Klappe. Ich werde Mama mal von deinen Sexorgien mit Lauri erzählen, das wird ihr bestimmt gefallen!“, prahlt Tina und bekommt glatt eine von Meike geklatscht.

„Ich bin immerhin 15 und da ist es jawohl erlaubt, ohne dass man zu Mami rennen muss und um eine Erlaubnis bitten muss. Du weißt gar nicht, wie bescheuert du eigentlich geworden bist, seitdem du mit jedem Jungen vögelst, der dir nur so in den Weg kommt.“, schreit Meike.

„Schätzchen, so was nennt man LEBEN. Wenn du dir die Zeit nur mit einem vertreibst ist das nicht mein Ding. Außerdem habe ich jetzt einen Freund, bloß wir führen eine lockere Beziehung. Du hast doch echt keine Ahnung!“ Mit diesen Worten lässt Tina ihre Schwester stehen, die ihr nur kopfschütteln hinterher sieht.

„Ich werde ausziehen!“, brüllt sie.

„Oh, zu mir?“, fragt Lauri.

„Ach, hör auf. Ich finde das alles nicht mehr lustig. Es ist einfach keine Kinderkacke mehr, worüber wir uns streiten!“

„Beruhig dich mal, Tina kriegt sich schon wieder ein!“, meint er genervt.

„Ja und zwar dann, wenn es zu spät ist. Entweder wird sie schwanger, oder...“ Meike bricht plötzlich in Tränen aus und Lauri steht auf, um sie zu trösten.

„Sorry, ich wollte dich nicht so anmachen!“

„Ist schon gut. Halte mich einfach fest!“ Meike krallt sich an ihn, weil sie merkt, dass ihre Beine immer schwächer werden.

„Lass uns in dein Zimmer gehen!“

„Nein Lauri!“ Sie löst sich aus seiner Umarmung und sieht ihn verweint an. „Ich glaube, du gehst jetzt lieber nach Hause. Kümmere dich mal ein bisschen um dich!“ Dann geht sie alleine in ihr Zimmer und hört, wie die Haustür ins Schloss fällt.

Sie fragt sich, ob er jetzt sauer sein könnte. Doch stattdessen sie sich weiter darüber den Kopf zerbricht, überlegt sie, wie man Tina wieder zur Besinnung bekommen könnte. Sie beschließt, ganz ernsthaft, mit ihr darüber zu reden.

„Tina?“ Sie klopft an der Tür ihrer Schwester.

„Ja?“ Meike öffnet einen Spalt die Tür und sieht Tina auf ihrem Bett liegen. Schlagartig richtet diese sich auf und wischt sich Tränen aus dem Gesicht.

„Was ist los?“, fragt Meike besorgt und setzt sich zu Tina auf das Bett.

„Ich weiß nicht. Es ist alles so scheiße. Alle sind total glücklich, haben einen Freund und ich? Ich bin nur noch alleine. Ich fühle mich so leer!“ Dann schluchzt sie und fällt Meike um den Hals. Weil diese ihrer Schwester helfen will, nimmt sie in ihre Arme und drückt sie.

„Aber du hast doch auch einen Freund!“

„Ja, aber nicht so einen, wie... wie zum Beispiel Lauri.“

„Tina, was soll das?“, fragt Meike entsetzt. „Du hast es doch nicht etwa auf ihn abgesehen?“ Tina sagt nichts. Sie sieht verschämt auf den Boden und Meike schüttelt verständnislos den Kopf.

„Ich sehne mich doch nur nach einem Freund wie ihn!“

„Woher willst du wissen, wie er so ist?“, fragt Meike dann mit Tränen in den Augen.

„Wenn du ihm schon so sehr vertraust, dass du mit ihm schläfst, dann kann er nur toll sein!“

„Tina, hör auf. Du verrennst dich da in etwas!“ Meike sieht ihre Schwester immer noch ungläubig an.

„Es ist schon zu spät. Ich habe mich in was verrannt und ich bin mir sicher, dass ich es schaffe!“ Meike fragt sich, was Tina mit diesem Schaffen meint, doch egal was, sie fühlt sich nicht wohl bei dem Gedanken. Wie oft war ihre Schwester ihr schon überlegen? Sie hat die besseren Freunde, die besseren Kontakte. Sie ist attraktiver, stylt sich mehr und auch so strahlt sie mehr Positives aus als Meike.

 

Am nächsten Tag heißt es wieder Schule und Meike hat gestern mit Nele telefoniert. Sie darf heute bei ihr schlafen und so ist es schon um einiges leichter für Meike.

„Guten Morgen Süße!“ Lauri steht neben ihr. Meike sieht ihn gedankenlos an.

„Hei!“, bekommt sie nur raus und sieht dann Nele. „Hallo!“

„Hallo Meike. Gehen wir?“, fragt Nele und Meike nickt. Die beiden gehen, ohne, dass Meike sich noch einmal zu Lauri umdreht. Er fühlt sich verletzt, verarscht und leer. Wie kann sie ihm das antun?

In der Pause will er sie zur Rede stellen, doch Meike blockt ab.

„Lass mich Lauri, ich will nicht reden!“, keift sie ihn an und schubst ihn von sich. „Ich kann einfach nicht!“ Ihr läuft dabei eine Träne über die Wange.

 

(2 Monate später)

 

Weinend steht Meike auf dem Friedhof. Nur verschwommen sieht sie die Buchstaben auf dem Grab. Aber sie weiß, welcher Name dort drauf steht.

„Warum hast du das getan?“ Sie hockt sich vor das Grab, vergräbt ihr Gesicht in ihren Händen. „Du warst doch immer so stark und jetzt?“ Sie flüstert vor sich hin, sieht vor sich, wie Tina sie anlächelt. „Meine große Schwester, ich vermisse dich so sehr!“

Nach einer Weile steht sie auf, schmeißt sie Rose, die sie mitgebracht hat, auf den noch frischen Sandhügel. Ihre Tränen auf ihren Wangen sind kalt wie Eiswürfel. Genauso wie sich ihr Herz anfühlt. Sie kann es immer noch nicht glauben, dass sich ihre Schwester das Leben genommen hat. In kürzester Zeit hat sie sich so sehr mit Drogen vollgepumpt, dass sie nicht mehr bei klarem Verstand war. Als sie dann in die Psychiatrie gekommen ist, wollte sie nicht mehr. Den Abschiedsbrief hat Meike in ihrer Hosentasche.

„Na dann, ich werde jetzt wieder gehen. Auch wenn ich es nie verstehen werde! Bis bald!“ Nur schleichend geht Meike die Straßen bis zu ihrem Haus entlang. Sie ist durchgefroren, aber sie möchte so nah wie möglich bei ihrer Schwester sein und so geht sie jeden Tag zu ihr.

„Ich bin wieder da!“, sagt sie und sofort stehen Marco und ihre Mutter im Flur. „Ihr braucht nicht auf Tina zu warten, sie hat ein neues zu Hause gefunden. Ihr wolltet es ihr ja nicht glauben!“, meint sie leise und geht dann in ihr Zimmer. Sofort schnappt sie sich dort ihr neues Buch, in dem sie Tina schreibt. Sie schreibt wieder 2 Seiten voll und legt es anschließend unter ihr Kopfkissen.

Als sie am späten Abend im Bett liegt, denkt sie an Lauri. Eigentlich sind sie noch zusammen, nur sie machen gerade eine Pause, weil er ja sowieso auf Tour ist. Doch jetzt, wo Tina tot ist, ist Meike klar, dass es keine Pausen in solchen Beziehungen gibt. Lauri weiß nichts davon, dass ihre geliebte Schwester sich das Leben genommen hat. Sie hat auch nicht vor, ihm das am Telefon zu sagen. Dazu ist es etwas zu trauriges. Wieder rinnen Meike die Tränen über ihre Wangen. Sie fragt sich, wie sie jemals mit dieser Situation fertig werden soll. Fast alle Freunde von Tina haben Drogen genommen und der Tod von Tina hat alle aufgeweckt. Dass aber auch immer erst etwas passieren muss, denkt sie sich und schläft ein.

 

„Guten Morgen!“ Jemand rüttelt leicht an ihrer Schulter. Sie blinzelt leicht und erkennt Marco. „Darf ich mich ein bisschen zu dir gesellen?“ Meike nickt leicht zur Antwort und hebt die Decke so, dass er mit unter schlüpfen kann.

„Wie geht es dir?“, fragt sie leise und sieht, wie ihm Tränen in die Augen schießen.

„Es geht!“, schluchzt er dann. „Und dir? Warst du gestern bei ihr?“ Meike nickt.

„Ich vermisse sie. Aber gestern war sie für eine Stunde wieder bei mir. Ich habe ihr so viel erzählt, bis ich nicht mehr konnte. Ich habe sie lächeln sehen!“ Auch sie lächelt verweint.

„Das ist schön.“, meint Marco und wischt Meike eine Träne weg. „Ich vermisse sie auch und ich werde nie damit aufhören. Ich stelle mir ständig die Frage, warum. Wie hat es denn keiner von uns gemerkt?“

„Marco, gewusst haben wir es alle. Am besten wir beiden, doch ohne Mama und Papa konnten wir wenig unternehmen. Sie wollten es einfach nicht sehen!“

 

„Meike? Kommst du mal bitte an die Tür?“, ruft ihre Mutter von unten. Nur langsam geht sie die Treppen runter. An der Tür bleibt ihr fast der Atem stehen.

„Hallo Meike!“ Sie starrt ihn nur an, tritt keinen Schritt weiter zur Tür. Ihr steigen Tränen in die Augen, die sich wenig später auf ihren Wangen verteilen. „Hey, ist doch gut!“ Lauri geht auf sie zu und nimmt sie in seine Arme. Sie hat seine Wärme vermisst, seine Nähe und seine Gesten, die ihr zeigen, wie sehr er sie doch liebt.

„Hallo!“, meint sie dann doch schon und löst sich wieder sanft aus der Umarmung. „Ich habe dich vermisst!“, schluchzt sie und sieht ihm in die Augen.

„Ich dich auch, Süße. So unendlich. Vor allem, als ich das mit deiner Schwester erfahren habe. Das tut mir so leid!“ Auch seine Augen sind feucht. „Ich bin jetzt wieder für dich da. Wenn auch nicht lange, aber ich bin für dich da!“

„Danke Lauri. Ich liebe dich!“

„Ich dich auch, so sehr!“, flüstert er und legt seine Lippen auf ihre. Vorsichtig küssen sie sich.

„Warum hast du nicht bescheid gesagt, dass du wiederkommst? Dann hätte ich echt anders ausgesehen!“, scherzt sie und lächelt ihn an.

„Ach Quatsch, du bist auch so immer noch die Schönste. Schön, dass du dein Lächeln nicht verloren hast!“ Sie umarmen sich wieder und gehen dann in ihr Zimmer.

Bis in die Nacht reden sie über alles mögliche. Lauri erzählt Meike von der ganzen Tour und dass es zwar schön ist. Aber dass es als Teenager schwer ist, weil man sein zu Hause vermisst. Meike erzählt wiederum von der Schule und dass sie fleißig am Bewerbungen schreiben ist.

 

Genau so vergehen zwei Wochen wie im Flug und Lauri hat gestern erfahren, dass er heute wieder mit der Band losfährt, um einen Gig zu spielen. Am Bus verabschiedet er sich von Meike. Sie lernt langsam, damit umzugehen, dass er ab und zu gehen muss. Sie weiß, dass er wiederkommt und schon das alleine lässt sie die Sehnsucht nach ihm fast vergessen.

„Und bleib weiterhin so stark!“, meint er zu ihr und Meike sieht ihn fragend an.

„Nun tu mal nicht so, als wärst du ewig weg!“, lächelt sie. „Darling, ich liebe dich!“

„Ich dich auch!“, sagt er ihr direkt in die Augen. Dann küssen sie sich leidenschaftlich. „Und Süße, man weiß nie, was kommt. Also, bleib stark, tschüß!“

„Tschüß!“, sagt sie ihm nur noch ziemlich verwirrt und geht dann vom Bus weg.

 
 

Es ist mal wieder ein sonniger Tag. Meike liegt auf ihrer Sonnenliege im Garten und liest ein Buch. Wenn da nicht Marco wäre, der ihr ständig irgendwelche Geschichten erzählt.

„Halt doch mal deine Klappe!“, meint sie und sofort hält er sich den Mund zu.

„Sorry.“, meint er und verschwindet dann im Haus. Das Haus ist ein Gewinn. Meike hat es gewonnen und beschlossen, dass die zweite Hälfte Marco gehört. Seit zwei Jahren wohnen sie jetzt hier. Vorher haben sie in einer WG gewohnt. Doch jetzt, wo sie 25 ist und Marco 27 fanden sie die Idee mit dem Haus nicht schlecht.

Meike legt das Buch beiseite und sieht zum See. Ständig erinnert sie sich, wie sie am See von Lauri´ s Haus sich das erste mal geküsst haben.

„Was ist denn Schwesterherz?“, fragt Marco und sieht Meike an.

„Ach nichts, ich musste nur gerade an Lauri denken.“, lächelt sie.

„Aha, was ist eigentlich mit ihm?“ Meike zuckt mit den Schultern.

„Ich habe ihn damals aus den Augen verloren. Er hatte nur noch die Band im Kopf und ich wollte nicht mehr. Guck mal, als Tina gestorben ist...“ Sie schluckt ihre Tränen runter, zu tief ist die Wunde immer noch. „...da war er mit der band unterwegs und ich war ihm egal. Okay, er wusste erst nichts davon, aber selbst da, wo er es dann wusste, hat es ihn nicht wirklich interessiert.“

„Und dann hat er die Schule abgebrochen!“

„Ja, genau und das war es dann. Und doch vermisse ich ihn!“, lacht Meike dann. Sie kommt sich vor, als lacht sie sich selber aus.

„Das ist doch nich lächerlich!“, meint er ernst. „Vielleicht liebst du ihn ja noch!“

„So ein Quatsch, ich weiß doch gar nicht, wie er aussieht und wie er jetzt so drauf ist!“

„Aber du hast viel mit ihm erlebt!“, grinst Marco dann.

„Wie meinst du das?“

„Na ja, es hat sich so einiges rumgesprochen!“ Meike seufzt nur und sieht dann wieder zum See. „Genau das meine ich und noch andere Sachen!“

„Du meinst die Sache mit der Toilette?“, fragt Meike unsicher und als Marco nickt lachen beide los.

„Wie ist denn das passiert?“, fragt Marco.

„Wir waren einfach mal total betrunken und wir hatten uns eine Weile nich gesehen. Da ist mir wieder mein Traum eingefallen, den ich damals mal hatte und da haben wir diesen heißen Traum halt wahrgemacht. Und weil wir halt nicht zu überhören waren...!“ Sie räuspert sich und läuft dann rot an.

„Du bist mir schon so eine. Ich wüsste aber auch zu gerne, was aus dem kleinen Lauri geworden ist!“ Marco stellt sich vor, wie alle vier aussehen könnten. „Wenn sie berühmt sind, dann müsste man sie ja eigentlich im TV sehen oder im Radio hören.“

„Ich interessiere mich aber nicht so für Musik und außerdem... ach hör jetzt auf. Außerdem bin ich gerade dabei, einen neuen Freund zu bekommen!“ Marco sieht sie fragend an. „Du kennst ihn nicht. Aber er ist echt total süß und nett!“, lächelt Meike und geht dann ins Haus.

Marco überlegt noch eine Weile, was er tun könnte, dass Meike ihr Interesse an Lauri zugibt. Er merkt doch, wie sehr sie noch an ihm hängt. Sie hatten eine zu schöne Zeit gemeinsam und vielleicht kann man die fortsetzen. Wenn da doch nur nicht der andere Typ wäre.

 

Am nächsten Tag kann sie sich bei der Arbeit kaum konzentrieren. Seit ihrer Ausbildung arbeitet sie in der Kurklinik außerhalb Helsinkis. Sie braucht gerade mal eine viertel Stunde mit dem Auto hierher.

Ständig geht ihr das Gespräch zwischen ihr und Marco durch den Kopf. Er hatte es garantiert gemerkt, dass sie Lauri noch lange nicht vergessen hat. Es ist wirklich zu schwer, die beiden verbindet etwas. Sogar mehr als nur ein bisschen, das ist ihr klar. Doch er hat sie damals fallen lassen wie eine heiße Kartoffel und das, obwohl er wusste, dass sie einen harten Schicksalsschlag hinter sich hatte. Sie weiß nicht, ob sie ihm das jemals verzeihen kann.

„Frau Teiklonen, hallo!“, begrüßt sie ihre Patientin, die schon auf der Pritsche liegt, um von ihr massiert zu werden. Sie lässt sich von der alten Dame die Ohren abkauen, dann muss sie vielleicht nicht so viel nachdenken.

 

Vor ihrem Feierabend geht sie noch mal schnell in die Cafeteria, um noch einen Kaffee zu trinken. Dort steht plötzlich ein Mann hinter ihr. Sie sieht sich nur kurz um. Denkt nur kurz, dass er ihr bekannt vorkommt, doch dann nimmt sie sich ihren Kaffee und geht nach draußen, um sich dort zu einer Kollegin zu setzen. Sie unterhalten sich einen Moment.

Als sie ihren Kaffee ausgetrunken hat, geht sie in die Umkleide, um anschließend nach Hause zu fahren.

 

Bis zu ihrem Urlaub vergeht so jeder Tag und der Mann, den sie dort gesehen hatte, geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie erzählt Marco nicht von der Begegnung. Sie lässt ihn glauben, dass sie einen Freund hat. Ja, sie wünscht sich einen, doch bisher hatte sie kein Glück mehr gehabt in Sachen Liebe. Dafür aber in anderen Dingen.

„Guten Morgen!“ Als sie gerade frühstückt, kommt Marco zur Tür rein.

„Morgen. Hast du eigentlich überhaupt Arbeit?“, fragt sie.

„Ja, habe ich. Nur nicht heute. Wir machen nämlich heute was schönes!“, grinst er.

„Oh nee, du weißt, dass ich so was hasse!“, meint sie und rollt mit den Augen.

„Ja, weil du wie ein kleines Kind bist.“, sagt er genervt und rollt ebenfalls mit den Augen. „Ich werde dich entführen, aber erst heute Abend. Mach dich hübsch, denn wir sind Ehrengäste!“

„Ehrengäste? Ich kapier gar nichts, aber ich habe ja auch Urlaub und es ist früh am Morgen!“

„Du, ich hole dich um 19 Uhr ab. Ich fahre jetzt noch zu Sina und dann komme ich ganz schick hier an!“

„Wie? Sina kommt nicht mit?“ Meike sieht ihn misstrauisch an.

„Nein, sie ist nämlich ein bisschen krank!“, stammelt er. Dann verschwindet er auch schon wieder und Meike frühstückt gemütlich weiter.

 

Umso später es wird, desto aufgeregter wird sie. Sie liebt Überraschungen, andererseits hasst sie Überraschungen.

Nachdem sie geduscht hat, steht sie verzweifelt vor ihrem Schrank. Fast alles schwarz. Seitdem sie auf Arbeit nur noch in weiß rumrennt, braucht sie diesen gewissen Ausgleich.

„Ah, das Kleid ist schön!“, plappert sie vor sich hin. Sie nimmt eins von den schwarzen Kleidern und zieht es sich über. Ihr kleiner Bauchansatz ist darin ein bisschen getarnt. Sie schminkt sich noch ein bisschen und kämmt ihre Haare noch einmal. Sie beschließt sie offen zu lassen.

 

Zu der gleichen Zeit sitzen Lauri, Pauli, Aki und Eero schon im Partyraum. Sie bereiten alles vor. Nur Lauri träumt vor sich hin. Er weiß, dass er Meike heute Abend wiedersehen wird. Er freut sich und doch hat er andererseits Angst vor dieser Begegnung. Schließlich weiß sie es nicht. Er fragt sich, wie sie wohl jetzt aussieht. Ob sie immer noch so zierlich klein ist, was ja damals ein echter Vorteil für ihn war.

„Hilfst du mir nun?“, schreit Pauli ihn an. Er steht vom Sofa auf und packt mit an. Die anderen wissen nichts davon, dass Meike heute herkommt. Er ist so aufgeregt.

 

„Können wir?“

„Ja!“, schreit Meike durch das halbe Haus und geht die Treppen runter zu Marco. „Ich will echt nicht wissen, wo du mich hinführst!“, sagt sie ernst und klingt ein bisschen beleidigt.

Um kurz nach halb acht betreten sie das Haus und gehen in den Keller. Sie hört aus den Boxen eine Stimme. Als sie den Partyraum betreten sieht sie, wie ein schwarz gekleideter Mann eine Rede hält durch das Mikro. Sie geht immer wieder Stück für Stück weiter. Doch dann erkennt sie ihn plötzlich, als sich ihre Blicke treffen.

„Lauri.“, flüstert sie leise, mit Tränen in den Augen. Dann rennt sie so schnell sie kann aus dem Gebäude an die frische Luft. Sie setzt sich auf eine Bank und lässt ihren Tränen freien Lauf. Was hat sich Marco nur dabei gedacht? Er hätte es ihr wenigstens sagen können, dass sie bei dieser Party oder was es darstellen soll, auf Lauri treffen wird.

„Meike?“

„Marco, du bist so unfair!“, schreit sie ihn an. „Was soll das? Warum hast du mir nicht wenigstens gesagt, dass er hier ist. Dann hätte ich alleine entscheiden können, ob ich herkomme!“, schreit sie wieder und läuft weiter. Sie merkt, dass er ihr nicht folgt und so hält sie im Park an und setzt sich dort wieder auf eine Bank. Wie lange ist sie schon nicht mehr hier gewesen? Einfach viel zu lange nicht mehr. Sie fühlt sich, als würde die Zeit vor ihr wegrennen. Es ist so lange her, als sie ihn das letzte mal gesehen hat. Er hat sich kaum verändert. Er ist kräftiger geworden und vielleicht auch ein Stückchen größer. Sein Gesicht ist so geblieben und genau jetzt fällt ihr ein, dass er der Mann in der Cafeteria war. Er hat sich die Haare schwarz gefärbt und er kleidet sich ein bisschen anders. Sie muss plötzlich lächeln. Endlich sieht sie ihn wieder und sie rennt vor ihm weg. Ja, er hat ihr wehgetan, aber für sie gab es nach ihm auch wichtigere Dinge. Sie wischt sich ihre Tränen weg.

„Meike?“ Sie spürt eine Hand auf ihrer Schulter liegen. „Hallo!“ Sie dreht sich um und sieht Lauri hinter sich stehen.

„Hallo Lauri!“ Sie steht auf und stellt sich vor ihn. Was macht sie hier bloß? Beide brechen in Tränen aus und liegen sich plötzlich in den Armen.

„Wo warst du nur? Ich habe dich so sehr vermisst!“, schluchzt er.

„Ich war nie da, wo du warst. Lauri, du hast mir so sehr weh getan!“

„Ich weiß und es tut mir schrecklich leid!“, flüstert er. „Wie geht es dir denn so?“

„Eigentlich ganz gut, ich habe im Moment Urlaub!“

„Ich auch!“, meint er und lässt sie dann los. „Es ist so wahnsinnig schön, dich wieder zusehen und mit dir zu reden!“, lächelt er.

„Aber das kam jetzt alles so plötzlich!“ Sie setzen sich auf die Bank und sehen sich sehr lange an.

„Du bist richtig hübsch geworden... also nicht, dass du das früher nicht warst, aber jetzt bist du eine sehr attraktive Frau!“, sagt er und schmeichelt ihr damit.

„Danke, aber warum hast du mich damals so fallen lassen?“

„Mir war einfach alles egal, nur die Band hat gezählt. Aber nun weiß ich, wie es ist, jemanden zu verlieren, der einem sehr nahe stand!“, meint er dann traurig. Weil Meike nachfragt, erzählt Lauri ihr die ganze Geschichte mit seinem Kumpel. Auch Meike kennt, kannte ihn. Deshalb laufen ihr genauso die Tränen über die Wangen wie bei ihm.

„Das ist so traurig. Warum haben wir diese Zeit nicht miteinander verbracht?“

„Ich weiß es nicht!“, schluchzt er dann. „Meinst du, es könnte wieder so werden wie früher?“, fragt er dann und mustert Meike. Sie antwortet ihm nicht und weicht seinen Blicken aus. Nach einer Weile steht sie auf und beschließt, nach Hause zu fahren.

Lauri ist ihr nicht gefolgt. Weder vom Park aus, noch irgendwann.

 

„Hey Meike, ist alles klar?“ Sie liegt weinend auf der Couch und Marco ist gerade von der Party gekommen. „Sorry, dumme Frage. Wenn alles okay wäre, dann würdest du nicht um kurz nach Mitternacht weinend auf der Couch liegen!“

„Halt einfach deine Klappe!“, meint sie dann sauer und geht ins Bad.

„Meike, ich wollte doch nur...“ Er seufzt und setzt sich. Meike verschwindet sofort in ihrem Schlafzimmer, nachdem sie im Bad war.

 

Es vergehen ein paar Tage und heute ist schon der vierte Tag, an dem Lauri vergeblich versucht, Meike zu erreichen. Er ist so froh, sie wieder getroffen zu haben. Er vertraut ihr noch immer wie damals und das ist schon genug für ihn, um wieder eine Beziehung mit ihr haben zu wollen. Doch wie es aussieht, geht es Meike nicht so.

„Vielleicht solltest du einfach zu ihr fahren!“, gibt Aki ihm als Rat, doch Lauri schüttelt den Kopf und ist den Tränen nahe.

„Du solltest dich bei ihr entschuldigen und zwar richtig. Und nicht, wie du es sonst immer machst. Ich dachte, sie ist was Besonderes für dich!“, meint Pauli.

„Ach, lasst mich doch alle. Hat euch jemand gefragt? NEIN! Ich denke, ihr habt eure eigenen Probleme! Ihr kotzt mich so an!“, brüllt er die beiden an und verschwindet dann aus dem Proberaum. Zu Hause lässt er seinen Gefühlen freien Lauf und somit rollen ihm unzählige Tränen über die Wangen.

 

„Meike?“

„Hm.“

„Können wir mal bitte reden?“, fragt Marco.

„Wenn es nicht um Lauri geht!“, sagt sie leise.

„Nein, ist ein bisschen was anderes!“, lächelt er. Und auch sie lächelt ihn an und kuschelt sich dann auf der Couch an ihn. „Ich werde wahrscheinlich nicht mehr lange hier wohnen!“

„Hm.“, gibt sie nur von sich. Ihr ist klar, dass sie irgendwann hier alleine vor sich hin vegetieren wird.

„Weil ich nämlich bald eine kleine Familie habe!“

„Was? Sina ist schwanger?“ Meike sieht ihren Bruder freudestrahlend an. Dieser nickt nur und wird von Meike halb erdrückt. „Ich freue mich so für euch beide!“

„Ich mich auch, aber ich würde gerne noch leben!“ Sie lässt ihn schlagartig los.

„Sorry!“

„Schon gut, aber weißt du...“

„Ich wusste, dass du noch was zu Lauri sagst!“, redet sie ihm dazwischen, weil sich sein Ton schnell verändert hat.

„Bitte hör mir zu. Ich weiß, es war ein Fehler, dir nicht zu sagen, dass er auf dieser Party sein wird. Und ich weiß, dass es wahrscheinlich nie wieder so wird wie früher. Aber meinst du nicht, du könntest es wenigstens versuchen. Was kannst du dabei schon verlieren? Außerdem ist es für ihn bestimmt auch nicht leicht. Er hat sich einfach viel früher als andere alleine für dieses Leben als Star entschieden, warum kannst du das nicht akzeptieren?“ Meike rollen nur so die Tränen über die Wangen, sie ist sprachlos, nickt nur zur Zustimmung.

„Weil daran soviel hängt. Wir haben so viel verpasst.“, schluchzt sie dann.

„Aber im Leben kommt doch noch mehr. Ich finde, ihr wärt auch jetzt noch ein tolles Paar.“

„Echt?“, lächelt sie dann. Marco nickt nur und reicht ihr das Telefon.

„Rufe ihn an, er hat es wohl oft genug versucht!“, grinst Marco. „Ich werde jetzt zu Sina fahren. Ich wünsche dir einen schönen Abend, was auch immer passiert!“

„Haha, tschüß!“

Meike spielt mit dem Telefon. Sie ist so unsicher, wie schon lange nicht mehr. Wie wird er reagieren? Ob er nicht schon wieder genug von ihr hat? Sie wählt die Nummer von ihm, die dank Marco eingespeichert ist. Nach einigen Malen Tuten geht er ran.

„Ja?“ Sie atmet tief durch, wieder läuft ihr eine einzelne Träne über die Wange.

„Hallo, ich bin’s Meike!“, sagt sie kurz, dann hört sie ein Geräusch.

„Schön, dass du dich meldest!“ Er hört sich komisch an, denkt sie sich.

„Ich wollte dich fragen... hast du heute Abend schon was vor?“, fragt sie unsicher.

„Nein und du?“

„Auch nicht. Logischerweise. Würdest du zu mir kommen wollen?“ Lauri tut so, als würde er überlegen.

„Na klar. Machst du was zu Essen oder so?“, fragt er grinsend. Er ist froh, dass sie nicht hören kann, wie laut sein Herz pocht. Obwohl er das schon fast bezweifelt, dass sie es wirklich nicht hört.

„Auch noch Ansprüche der Herr!“, lacht sie. „Natürlich mache ich was leckeres. Komme du mal lieber heil hier an!“, lacht sie dann wieder. Sie spürt, wie locker sie plötzlich wieder ist. Doch in ihr kribbelt alles. Sie weiß ganz genau, was das für ein Gefühl ist, doch noch will sie es ignorieren.

„Ich weiß, wie ich zu dir komme. Marco hat mir erzählt, wo ihr wohnt und so weit von meiner Wohnung ist das gar nicht entfernt!“

„Gut, dann sei um 19 Uhr hier und dann können wir quatschen, bis wir schwarz sind!“ Beide lachen los und kriegen sich gar nicht mehr ein.

„Eher, bis wir weis sind. Jedenfalls kann man das bei mir sagen!“ Beide lachen wieder kurz.

„Okay, tschau!“ Auch Lauri verabschiedet sich und beide legen auf.

Nach zehn Minuten sitzt Meike immer noch wie versteinert auf der Couch und grinst vor sich hin. Doch dann beschließt sie sich dazu, eine leckere Lasagne zu machen.

 

Um viertel vor sieben steigt Lauri aus dem Bus aus. Er braucht nur eine Minute bis zu dem Haus von Meike. Er betrachtet es ganz genau. Es ist zwar irgendwie klein, aber ihm gefällt es. Er sieht auf seine Handyuhr und überlegt, ob er schon klingeln soll. Weil er es nicht länger aushält, klingelt er mit zittrigen Fingern.

„Hallo!“ Meike öffnet schwungvoll die Tür und beide stehen unschlüssig voreinander.

„Hei!“ Lauri geht einen Schritt auf sie zu und beide strecken ihre Arme gleichzeitig aus, dann umarmen sie sich kurz.

„Komm rein!“ Er zieht seine Schuhe aus und stellt sie ordentlich zu den anderen im Flur.

„Das Haus gefällt mir, ich habe von Marco gehört, dass du es gewonnen hast!“ Meike nickt grinsend.

„Was hat er dir denn noch so alles erzählt, wenn ich fragen darf?“ Lauri lacht kurz, dann geht er zu ihr in die Küche, nachdem er sich das Wohnzimmer genauer angesehen hat.

„Ach, das sage ich dir nicht... ne ne, ich weiß nur, dass du Physiotherapeutin bist!“

„Na dann ist ja gut!“ Beide sehen sich sehr lange an. Meike kann spüren, wie sich ihr Herzschlag verschnellt. Wie sehr hat sie sich das gewünscht. „Ich glaube, die Lasagne ist auch gut!“, meint sie und holt das Essen aus dem Ofen.

 

„Das war wirklich lecker!“, lächelt Lauri, als er fertig ist. „Du konntest schon immer gut kochen!“

„Danke!“ Meike lächelt ihn an. Sie findet es total schön, dass er ihr gerade gegenüber sitzt. Sie hat eine Kerze auf den Tisch gestellt. Doch jetzt merkt sie, dass diese Kerze bei ihr Wirkung zeigt, denn ihre Augen füllen sich mit Tränen.

„Hey, was ist los?“ Lauri legt seine Hand auf ihre. Streicht mit seinem Daumen über ihren Handrücken.

„Ich musste gerade an Tina denken. Hätte ich damals gewusst, dass sie nur so ein kurzes Leben hat, dann wäre ich anders mit ihr umgegangen!“

„Sie hat es dir aber wirklich nicht leicht gemacht!“, meint er dann lächelnd und nimmt ihre Hand in seine. Sie lächelt ihn dankbar an.

„Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurück drehen. Dann wäre ich für dich da gewesen und hätte dich nie aus den Augen verloren!“

„Aber vielleicht ist es auch besser so. Dann könnten wir jetzt noch mal neu anfangen... mit was auch immer!“ Meike schluckt ihre Tränen runter. Sie möchte ihm zeigen, dass sie nicht mehr so schwach ist. Sie ist stark geworden mit der Zeit.

„Ähm...wo ist denn die Toilette?“, fragt Lauri. Meike zeigt ihm schnell das Bad. Und währenddessen er im Bad ist, räumt sie ein bisschen den Küchentisch ab und macht dann das Wohnzimmer gemütlich. Sie stellt ein paar Teelichter auf den Tisch und am Ende des Raumes macht sie eine kleine Lampe an.

„Hey, das ist ja schön!“, staunt Lauri, als er den Raum betritt. „Aber weißt du was, mein Rücken tut ziemlich weh!“, jammert er nun.

„Was hast du denn so gemacht, wenn ich fragen darf?“

„Ich weiß nicht, bestimmt zu schwer gearbeitet.“

„Na klar, beim Singen, ne?“, lacht Meike. „Na dann komm her. Ich massiere dich ein bisschen!“ Er setzt sich neben Meike auf die Couch, dreht ihr den Rücken zu und beide quatschen, während sie ihn massiert. Es fällt ihr schwer, weil er sein T-Shirt angelassen hat, doch sie traut sich nicht, was zu sagen. Nach einer Weile hört sie auf und er dreht sich wieder zu ihr um.

Um kurz vor elf guckt Meike auf die Uhr und erschreckt ein bisschen.

„Oh sorry, ich glaube, ich sollte langsam wieder nach Hause!“, meint Lauri und will gerade aufstehen, als Meike ihn am Handgelenk festhält.

„Jetzt fährt aber kein Bus mehr!“, lächelt sie und lässt ihn wieder los. Sie weiß gerade selber nicht, was das jetzt sollte, aber irgendwas in ihr, sagt ihr, dass Lauri bei ihr bleiben soll.

„Okay und jetzt?“, fragt er unsicher.

„Du kannst hier bleiben. Mein Bruder ist bei seiner kleinen Familie!“, antwortet sie. Er lässt sich wieder neben ihr auf der Couch nieder.

„Würdest du mich noch mal massieren, das wäre echt toll?!“ Meike nickt grinsend. „Ich ziehe auch mein Shirt aus. Das lässt sich bestimmt besser machen!“ Wieder grinst sie.

„Leg dich schon mal hin, ich hole nur schnell was!“ Sie verschwindet kurz im Bad. Sie fragt sich wieder, was sie hier eigentlich tut. Und ob es richtig ist. Sie fühlt sich ihm so hingezogen und doch ist sie sich unsicher. Er ist nicht mehr so wie früher, er ist erfahrener und hat sich auch so verändert. Doch nicht ins negative. Sie nimmt sich ihr bestes Massagegel und geht wieder zurück ins Wohnzimmer.

„Das machst du echt schön!“, flüstert Lauri. Sie spürt seinen durchtrainierten Körper unter ihren Händen und sie könnte dahinschmelzen.

„Ist nun mal mein Beruf. Du singst bestimmt auch gut!“, sagt sie dann.

„Wie? Hast du mich noch nie singen gehört?“ Er gibt sich sofort selber die Antwort. „Doch, früher und jetzt?“

„Ich habe nie wieder was von euch gehört. Ich habe mich mit anderen Dingen beschäftigt, als mit Musik und so was!“, meint sie und aus ihrem massieren wird langsam ein streicheln. „Du kannst mir ja was vorsingen!“

„Okay!“ Meike setzt sich neben die Couch, sie lehnt sich gegen sie und ihr Kopf lehnt an Lauris Rippen.

„I wish you were here tonight with me to see the northern lights, I wish you were here tonight with me...“ Meike schließt ihre Augen. Seine Stimme geht tief in ihr Inneres. „I wish I could have you by my side, tonight when the sky is burning, I wish I could have you by my side.“ Sie weiß, dass dieses Lied eine besondere Bedeutung hat. Für sie und auch für Lauri. Erst jetzt fällt ihr auf, wie sehr sie ihn doch vermisst hat. Und sie merkt, dass er ihr nicht mehr fremd ist. Was er auch noch nie so richtig für sie war. „Cause I´ ve been down and I´ ve been crawling, won´ t back down no more. Can´ t you stop the lies falling from the skies, down on me, I´ m still standing…” Er singt den Refrain zu Ende, dann setzt er sich neben Meike auf den Boden und legt ihr einen Arm um die Schultern.

„Du singst nicht nur gut, sondern fantastisch!“, schwärmt sie und wischt sich die Tränen weg. Dann schmiegt sie sich an ihn. Erst jetzt sieht sie, dass er immer noch oberkörperfrei ist. Sie legt ihre Hand auf seinen Bauch, dann streicht sie über ihn, bis hoch zu seiner Brust. Sie fühlt kleine Härchen und lächelt. Dann sieht sie ihn an. Ihre Blicke treffen sich mit seinen. Er legt ihr eine Hand auf die Wange und zieht ihr Gesicht näher zu seinem. Sie schließt die Augen und geniest, wie er an ihren Lippen knabbert, mit seiner Zunge über diese fährt und dann seine Lippen auf ihre legt. Sie küssen sich zärtlich, dann leidenschaftlich und dann werden sie fordernder. Er lässt kurz von ihr ab, sieht, wie ihre Augen ihn anfunkeln.

„Lauri, ich will dich!“, haucht Meike ihm ins Ohr. Er spürt, wie sich jedes einzelne Härchen aufstellt und wie auch seine Lust auf mehr verstärkt wird. Er lässt seine Hände unter ihren Pullover gleiten, küsst sie kurz und zieht ihn ihr dann aus. Nur quälend langsam ziehen sie sich gegenseitig aus, streicheln sich und küssen sich so innig wie wohl noch nie. Beide finden gemeinsam den Weg ins Schlafzimmer. Meike steht vor Lauri und spielt am Gummizug seiner Short. Wie damals macht es ihn immer noch rasend. Sie zieht sie ihm langsam aus und schubst ihn dann auf das Bett. Sie setzt sich auf ihn und ist sich ganz sicher, dass sie nur ihn will. Langsam werden beide eins und brennen voller Leidenschaft. Immer wieder beginnen sie von vorn und verbringen somit eine wunderschöne, leidenschaftliche Nacht miteinander.

 

Am nächsten Morgen erwacht Meike mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Ihr schießen Bruchteile der letzten Nacht durch den Kopf und sie ist einfach nur glücklich.

„Lauri?“, fragt sie leise und dreht sich dann um, doch das einzige, was neben ihr liegt ist ein kleiner Zettel.

„Guten Morgen Süße. Sorry, dass ich schon wieder los musste, aber ich hatte einen wichtigen Termin. Der Abend und auch die Nacht mit dir waren wunderschön, Lauri!“ Sie wischt sich über ihre Augen und lächelt wieder.

„Das finde ich auch!“ Mit einem Schwung steht sie neben dem Bett und überlegt, was sie jetzt machen könnte. Als sie in die Küche geht, sitzen dort Sina und Marco.

„Hallo ihr beiden!“, grinst sie und nimmt auch am Tisch Platz. „Guten Morgen!“

„Guten Morgen. Was ist denn mit dir los?“, fragt Marco und Meike sieht nur verträumt vor sich hin. „Ich kann es mir denken!“, grinst er dann, doch Meike reagiert nicht.

„Also so habe ich geguckt, als wir frisch zusammen gekommen sind!“, meint Sina. Marco piekt Meike in die Rippen und dann grinst sie ihn an.

„Erzähl doch mal!“, quengelt er.

„Wir hatten einen schönen Abend. Gemeinsam!“ Sie steht wieder auf vom Tisch, kurz wird ihr schwarz vor Augen, doch sie hält sich am Tisch fest und holt sich dann eine Tasse, um Kaffee reinzufüllen. „Da gibt es nichts weiter zu erzählen!“

„Das glaube ich dir nicht!“, gibt Marco beleidigt zurück.

„Mensch Marco, da muss sich erst wieder ne Menge aufbauen zwischen uns!“ Ihr ist klar, dass sie es nicht lange für sich behalten kann, dass sie wieder zusammen sind. Aber sieht Lauri es überhaupt genau so?

„Na okay, wenn du meinst!“ Beleidigt steht Marco von seinem Platz auf und räumt seinen Teller und sein Messer in den Geschirrspüler. Meike lehnt an der Arbeitsplatte und beobachtet ihn. Auch Sina steht auf.

„Hey, da ist ja noch gar nichts zu sehen!“, sagt Meike zu ihr und nimmt ihr das Geschirr ab.

„Naja, wenn ich was enges anhabe, dann schon!“, grinst sie. „Aber ich freue mich wahnsinnig und zum Glück bin ich schon über dem dritten Monat!“

„Ich freue mich auch für euch. Dann werde ich Tante!“ In Gedanken sagt sie aber WIR, denn sie wünscht sich so sehr, dass Tina das alles miterleben dürfte.

„Schatz, wir müssen los!“, gibt Marco von sich und Meike und Sina umarmen sich kurz.

„Tschüß!“, ruft sie den bedien hinterher, was auch immer sie jetzt vorhaben.

Meike setzt sich auf die Couch und nach ein bisschen rumschalten schaltet sie den Fernseher wieder aus. „Nur Mist!“, schimpft sie und versinkt wieder in Tagträume.

Durch das Telefonklingeln wird sie aber schnell wieder rausgerissen.

„Ja hallo?“, meldet sie sich, weil sie die Handynummer, die auf dem Display erscheint, nicht kennt.

„Hei, ich bin’s Lauri. Alles klar?“

„Jetzt schon!“, grinst Meike und er kann es deutlich hören. „Und bei dir so?“

„Ich denke, jetzt wo ich deine Stimme höre, ist alles wieder okay. Der Termin war langweilig. Wieder so ein Interview. Aber ich will mich nicht beschweren!“, meint er dann.

„Ich langweile mich hier zu Tode. Jetzt habe ich schon Urlaub und es passiert einfach nichts!“

„Hast du heute Abend was vor?“, fragt er.

„Nein, aber ich denke, jetzt schon!“ Dann lacht sie kurz.

„Ja, wenn du zu mir kommen möchtest. Ich mache eine kleine Party mit Kumpels. Ein paar bringen ihre Freundinnen mit. Also ich würde mich freuen!“

„Okay, ich komme gerne. Ich bringe eine Flasche Wein mit, hm, noch irgendwas?“, fragt sie.

„Nein, lass das mal meine Sorge sein!“, lacht er. Die beiden quatschen noch einige Minuten und legen dann auf. Na super, jetzt hat Meike eine Beschäftigung für Abends, aber was sie so am Tag machen soll, weiß sie nicht.

Nachdem sie Mittag gegessen hat, geht sie einkaufen.

Sie schlendert über den Marktplatz Helsinkis und setzt sich dann in ein gemütliches Cafe. Sie hat zwei Tüten voller Lebensmittel gekauft. Sie muss jetzt gerade daran denken, wie es wohl sein wird, wenn sie alleine in dem Haus wohnt. Kein Marco, keine witzigen Sprüche, wenn sie schlecht drauf ist. Plötzlich schießt ihr Lauri durch den Kopf, doch sie würde es etwas voreilig finden. Außerdem scheint er nicht gerade auf der gleichen Bahn zu schwimmen, wie sie es tut. Er wirkte locker am Telefon, vielleicht ist Meike für ihn nur wieder die gute Freundin und weil sie jetzt reifer ist, kann ein bisschen Techtelmechtel mit im Spiel sein.

„Hallo. Was machst du denn hier?“ Sie sieht schreckhaft auf und vor ihr steht Lauri.

„Hei, das gleiche kann ich dich auch fragen!“, lächelt sie. „Also ich trinke hier einen schönen Tee!“

„Ich denke, das mache ich jetzt auch! Darf ich mich setzen?“ Wie in Trance nickt Meike. Ihre Gedanken spielen ja total verrückt, denkt sie sich und lächelt Lauri an.

„Wo kommst du denn her?“, fragt Meike, um nicht mehr so viel träumen zu müssen.

„Von zu Hause. Mir fällt da noch die Decke auf den Kopf. Eero, Pauli und Aki haben auch keine Zeit!“, meint er genervt.

„Wer ist Aki?“, fragt Meike dann. „Und was ist mit Janne?“ Lauri lacht kurz, weil sie ja noch gar nichts davon weiß. Doch er erzählt ihr die ganze Geschichte.

„Aber nun mal zu dir. Was ist mit Nele?“ Meike sieht ihn traurig an.

„Sie ist damals nach Deutschland gegangen. Dieser eine Typ hat nicht locker gelassen und sie wollte ihn auch. Sie hat ihn ständig besucht und hat dann beschlossen, zu ihm zu ziehen!“

„Krass. Sind sie noch zusammen?“, fragt Lauri und Meike schüttelt den Kopf.

„Sie ist jetzt mit einem anderen verheiratet. Das ging alles ziemlich schnell, aber ich freue mich für sie und ich müsste sie mal wieder anrufen!“ Lauri, der inzwischen auch seinen Tee hat, starrt in seine Tasse und scheint nicht richtig anwesend zu sein. „Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragt Meike besorgt. Er sieht sie kurz an, fixiert seinen Blick dann aber wieder auf die Tasse.

„Nichts ist in Ordnung. Ich habe dich einfach alleine gelassen, das war so feige von mir!“

„Hör auf Lauri. Du hast dich für dein Leben entschieden, frühzeitig!“

„So ein Quatsch. Ich kann einfach keine Beziehung führen. Ich werde mir das nie verzeihen.“ Er trinkt den letzten Schluck aus seiner Tasse und verlässt dann das Cafe. Meike sitzt mit Tränen in den Augen am Tisch und ist am verzweifeln. Also sieht er es nicht so, dass sie wieder zusammen sind. Ihr kullert eine Träne über die Wange. Sie legt ein bisschen Geld auf den Tisch und geht dann so schnell wie nur möglich zu ihrem Auto. Sie lässt sich auf ihren Sitz plumpsen und ihren Tränen freien Lauf. In ihr krampft sich alles zusammen und ihr ist plötzlich total schlecht. Sie startet das Auto und fährt nach Hause.

Dort rennt sie sofort zur Toilette und übergibt sich. Mit einem tränenüberströmten Gesicht setzt sie sich auf ihre Couch und fühlt sich einfach verletzt. Warum hat er mit ihr geschlafen, wenn er sich selber noch nicht verziehen hat? Ob das seine neue Masche ist?

 

(Oktober)

Weil Meike frühzeitig aus ihrem Urlaub im August geholt wurde, hat sie heute frei. Sie hatte jetzt wieder vier Wochen keinen Kontakt zu Lauri. Auch so geht es ihr überhaupt nicht gut. Heute geht es ihr wieder total schlecht.

„Bist du dir sicher, dass ich zu Sina gehen soll und nicht bei dir bleiben soll?“, fragt Marco, der schon total in seinem Umzug verwickelt ist.

„Ja, gehe ruhig. Ich komme alleine klar. Muss ich in Zukunft jawohl auch!“, grinst sie.

„Aber trotzdem. Meinst du nicht, du solltest mal zum Arzt gehen oder so? Das geht jetzt schon so lange!“

„Ach, mir fehlt nichts!“ Außer Lauri, denkt sie sich. Doch das kann sie wohl vergessen.

„Na okay, dann schlaf noch ein bisschen!“ Ihr Bruder verabschiedet sich von ihr und als er aus der Tür raus ist, rennt sie sofort wieder zur Toilette und übergibt sich.

 

Am nächsten Tag geht sie gegen Abend durch Helsinki spazieren. Sie hat einfach nur Langeweile. Sie beschließt, bei Lauri zu klingeln. Sie will endlich wissen, warum er mit ihr geschlafen hat und was der wirkliche Grund dafür ist, dass er sich das alles nicht verzeihen kann. Meike ist sauer auf ihn und sie hätte nie gedacht, dass er so ist. Sie klingelt bei ihm und er betätigt den Türöffner ohne zu fragen, wer da ist.

Sie geht die Treppen hoch und steht dann vor seiner Tür.

„Oh...hei, mit dir hätte ich jetzt nicht gerechnet. Aki wollte... er wollte eigentlich herkommen...“, stammelt Lauri vor sich hin und steht nur in Boxershorts gekleidet vor Meike.

„Hallo. Ich möchte mal gerne mit dir reden!“ Nachdem sie ausgesprochen hat, taucht hinter Lauri ein Mädchen auf und grinst Meike an. „Ach so ist das also!“, sagt sie wütend.

„Meike, nein...“

„Ich wüsste gerne, warum du diese Nacht mit mir verbracht hast. Weißt du eigentlich, wie weh das tut? Ich hätte nie gedacht, dass du mal so ein Arschloch wirst!“, schreit sie und krampft sich dann zusammen.

„Meike, was hast du?“, fragt Lauri besorgt.

„Fass mich nicht an, gib mir lieber eine Antwort!“ Mit Tränen in den Augen sieht sie ihn an. „Du hast mir damals so weh getan. Ich dachte, ich werde dich bald wiedersehen und du hast dich einfach nicht mehr gemeldet. Wahrscheinlich hattest du eine andere, so wie jetzt!“ Sie läuft die Treppen runter, raus an die frische Luft. Schlagartig sind ihre Tränen eiskalt, es weht ein starker Wind und Meike krampft sich wieder zusammen. Sie kann sich nicht mehr halten.

 

„Raus du blöde Schlampe!“, schreit er das Mädchen an. Ihm ist klar, dass sie nichts dafür kann, aber er ist einfach nur sauer. Auf sich selbst und auf die ganze Welt. Total wütend nimmt er ein Glas vom Tisch und schmeißt es gegen die Wand. Ihm laufen Tränen über die Wangen. Er lehnt sich an den Türrahmen seiner Küche und sinkt zu Boden. Er fragt sich, warum er sich so sehr verändert hat. Dieser ganze Erfolg hat ihn zu einem anderen Menschen gemacht und gerade Meike ist die einzige weibliche Person, die ihn nur als den alten Lauri kennt. Ihm ist klar, dass es ein Fehler war, mit ihr zu schlafen. Doch es lässt sich nicht mehr rückgängig machen und das will er auch gar nicht. Aber mit wie vielen Weibern hat er jetzt schon wieder rumgemacht, seitdem er mit ihr geschlafen hatte? Viel zu viele denkt er sich und schluchzt wieder laut auf.

Es klingelt wieder an der Tür, Sturmklingeln.

„Ist ja gut!“, murmelt er genervt und wischt sich noch schnell über das Gesicht, bevor er die Tür öffnet und Aki davor steht.

„Bitte komme schnell mit runter, Meike liegt da!“, schreit er Lauri an. Er schnappt sich noch schnell ein T-Shirt und zieht es sich auf den Weg nach unten an. „Ich habe schon einen Rettungswagen gerufen. Aber was macht sie hier?“

„Sie war bei mir... Aki, lass mich einfach, ich habe Scheiße gebaut, okay?“ Aki, der überhaupt nicht weiß, was Lauri überhaupt mit ihr zu tun hat, hockt sich hin und legt eine Hand auf Meike´ s Wange.

„Du bist unmöglich. Ich hoffe, du erklärst mir alles!“ Lauri nickt nur total abwesend und sieht zu Meike runter. Sie kommt langsam zu sich und redet leise mit gebrochener Stimme. Das einzige, was Lauri versteht, ist sein Name. Er sieht sich hilfesuchend um, rennt dann aber ins Treppenhaus und verschwindet mit einem lauten Türknall in der Wohnung. Im Wohnzimmer lehnt er sich an die Wand und starrt zum Fenster. Er kann das Blaulicht sehen und auch die Sirenen kann er hören. Wieder beginnt er zu weinen, sieht sich selber als Heulsuse und Verlierer.

 

Aki steht total hilflos neben dem Krankenwagen. Ein Sanitäter stellt ihm fragen, die er nicht beantworten kann. Er weiß doch nur, dass Meike was mit Lauri zu tun hat. Schade eigentlich, dass er ihm kaum noch was erzählt und wie es scheint, war es zwischen den beiden was ernsteres.

„Ich kann nicht mit ins Krankenhaus!“, meint er zu dem Sanitäter und sieht ihn entschuldigend an. Da fällt ihm aber doch noch was ein. „Sie hat einen Bruder, der heißt Marco. Sie hat bestimmt ein Handy bei sich oder so was!“ Und schon verschwindet er.

Nach einer halbe Stunden klingeln gibt es Aki auf und macht sich auf den Weg nach Hause. Mit Lauri scheint nicht zu sprechen sein.

 

Langsam schlägt Meike ihre Augenlider nach oben, sieht sich fragend um. Sie liegt alleine in einem weisen Zimmer. An ihr sind einige Schläuche befestigt und sie hat Schmerzen. Ihre Knie tun ihr weh und auch ihr Rücken brennt höllisch. Sie kann sich jetzt wieder erinnern, dass sie zusammen gebrochen ist. Der Grund für das ganze lässt ihr Tränen in die Augen schießen. Ihr Herz krampft sich zusammen und eine einzelne Träne rollt über ihre Wange.

Am nächsten Tag erwacht sie erst gegen Mittag. Und jetzt hat sie sogar einen Bettnachbarn.

„Oh hallo!“, lächelt sie.

„Hallo!“ Auch er lächelt sie an und sofort schießen ihr tausend Gedanken durch den Kopf. In ihrem Bauch tausend Schmetterlinge. „Ich bin Kai!“

„Ich bin Meike. Schön, dass ich jetzt nicht mehr alleine bin!“ Sie fühlt sich immer noch schwach, aber deutlich besser als in der Nacht, wo sie kurz aufgewacht ist.

Die beiden unterhalten sich eine Weile, bis Meike zum Arzt gebeten wird. Er kann nicht viel feststellen, außer ein paar blaue Flecke und so darf Meike schon morgen früh wieder raus aus dem Krankenhaus.

Meike träumt gerade vor sich hin, als es an der Zimmertür klopft. Ihr Bettnachbar hat gerade seine Operation und so ist sie nun mit Lauri alleine im Zimmer.

„Was willst du hier?“, fragt sie giftig.

„Ich wünsche dir auch einen schönen Tag. Ich will wissen, wie es dir geht!“

„Oh, hat der Herr Schuldgefühle, oder was? Keine Angst, ich zieh dich da nicht mit rein!“ Sie redet laut und am liebsten würde sie ihm noch einige solcher Sprüche an den Kopf schmeißen, aber es tut ihr weh. Sie kann einfach nicht. Zu lange war er ihr so vertraut und jetzt?

„Wie geht es dir? Ich mache mir Sorgen!“, sagt er leise und geht weiter an ihr Bett ran. „Es tut mir leid. Ich hätte das nicht machen dürfen!“

„Was? Mit mir schlafen? Finde ich auch. Da hättest du mir so einiges erspart. Aber wahrscheinlich macht es dir Spaß, auf den Gefühlen anderer rumzutrampeln!“, sagt sie sauer.

„Du weißt ganz genau, dass ich so nicht bin!“, meint er wieder leise.

„Das weiß ich eben nicht. Du hast dich total verändert und früher hättest du so was vielleicht nicht gemacht, aber jetzt sieht man ja, dass du alle haben kannst und das ziemlich geniest!“ Sie sieht ihn böse an. In ihr brennt Wut. „Und jetzt gehe bitte, denn selbstmitleidige Menschen kann ich nicht ab!“

„Okay, wenn du meinst. Dann vögle ich halt weiter rum!“

„Das würdest du auch so machen!“, brüllt sie ihm noch hinterher, bevor die Tür zuknallt.

 

Auch noch bei ihrer Entlassung am nächsten Morgen ist sie wütend. Sie dachte, dass Lauri mal anders mit ihr umgehen würde, wenn er sie so fertig sieht, aber das scheint ihm am Arsch vorbei zu gehen.

Sie schreibt ihre Handynummer auf einen kleinen Zettel und legt ihn ihrem Bettnachbarn hin. Sie findet Kai sehr nett und wer weiß, was daraus werden könnte. Sie schleicht leise aus ihrem Zimmer.

Draußen erwartet sie schon der Taxifahrer. Bei der Fahrt nach Hause denkt sie viel nach. Sie wird gleich alleine sein, Marco ist bei Sina und so schnell wird er sie nicht besuchen kommen.

Sie stellt ihre Tasche in den Flur und legt sich auf ihre Couch.

Von dem Klingeln ihres Handys wird sie geweckt.

„Ja hallo?“, meint sie verschlafen.

„Hey, hier ist Kai!“

„Wie geht es dir?“, fragt sie und setzt sich hin.

„Schon deutlich besser, die OP hat echt geholfen!“, antwortet er.

„Das ist doch schön. Wann wirst du entlassen?“, fragt sie neugierig.

„In drei Tagen. Du kannst mich ja besuchen kommen. Du weißt ja, wo ich bin!“, grinst er.

„Na klar. Wie wäre es mit morgen? Darfst du schon aufstehen?“

„Na morgen auf jeden Fall. Kommst du nach dem Mittag?“

„Ja klar. Ich wünsche dir gute Besserung und dann bis morgen!“, sagt sie grinsend und nachdem auch er sich von ihr verabschiedet hat, legen sie auf.

 

Drei Tage später wacht Meike in seinen Armen auf. Sie ist verwirrt und ihre Gefühle spielen verrückt.

„Das war echt wunderschön!“, haucht Kai ihr ins Ohr und sie lächelt gequält. Ihr schießen Tränen in die Augen. Sie hat den Fehler gemacht und mit ihm geschlafen. Und dann ist er auch noch so, dass er sich darauf jetzt was einbildet, so, wie sie bei Lauri den Fehler gemacht hat.

„Ich glaube, du gehst jetzt lieber ganz schnell!“, sagt sie. Er sieht sie fragend an. „Bitte Kai!“

„Okay!“, sagt er wütend, steigt aus dem Bett und zieht sich seine Sachen an. Dann verlässt er das Schlafzimmer und wenig später das Haus. Über Meikes Wangen verbreiten sich Tränen, sie brennen auf ihrer Haut und gleichzeitig fühlen sie sich eiskalt an.

 

Am späten Nachmittag steht sie auf. Sie fühlt sich krank, schwach und leer. Doch sie möchte endlich wissen, was sie noch für Lauri empfindet, deshalb ruft sie ihn an und schlägt ein Treffen vor.

Am Abend kommt er zu ihr. Schnell wird aus dem Gespräch eine Knutscherei, dann beginnt er, sie auszuziehen. Alles geschieht langsam. Erst verwöhnt er sie, dann Meike ihn. Ihr laufen Tränen über das Gesicht, sie muss es ihm sagen, doch sie fragt sich, wann. Sie kann nicht. Es wird ihm egal sein, so kalt wie er mit ihr umgeht und doch braucht sie ihn. Er gibt ihr Halt, so wie früher. Warum denkt er nicht auch so, warum ist er so anders als damals? Fragen, die sie sich nicht beantworten kann. Fragen, die nur er beantworten kann.

Nachdem sie miteinander geschlafen haben, zieht sich Lauri seine Sachen über und lächelt Meike an.

„Bitte bleib noch!“, flüstert sie. Lauri nickt ihr zu, sieht sie dann fragend an. „Ich muss mit dir reden!“

„Über was?“, fragt er leise und setzt sich neben sie auf das Sofa.

„Über eben!“ Wieder sieht er sie fragend an. „Lauri, was hast du eben gefühlt?“ Er schweigt. „Bitte sag es mir einfach!“, flüstert sie und mustert ihn von der Seite. Sie findet ihn wunderschön und sie könnte sich mit ihm alles vorstellen. Aber sie fühlt sich im Moment wie eine kleine Schlampe, noch gestern Abend hat sie mit Kai geschlafen, obwohl sie es längst wusste...

„Ich weiß nicht, es ist schwer... überhaupt was zu fühlen!“, redet er leise. Er klingt traurig. „Ich würde so gerne mit jemanden glücklich sein. Und auch mit dir könnte ich es mir vorstellen, aber... du bist so wunderschön und ich finde, ich habe dich nicht verdient!“

„Hör auf. Wenn du es willst, dann schaffen wir das auch. Ich würde dir gerne helfen, aber du musst mir eins sagen...!“ Er sieht sie kurz an, wartend auf die Frage. „...Können wir wieder glücklich werden?“

„Was ist mit dir? Du verheimlichst mir was!“ Sie beißt auf ihre Unterlippe. Immer noch weiß er, wann ihr was auf dem Herzen liegt.

„Unsere gemeinsame Nacht damals war nicht ohne Folgen!“, murmelt sie und doch freut sie sich innerlich.

„Du bist schwanger, von mir?“, fragt er geschockt und springt vom Sofa auf. Sie nickt nur. „Das darf nicht wahr sein.“

„Lauri, ich will dieses Kind. Seitdem ich es weiß, liebe ich dieses Wesen in meinem Bauch und wenn du es nicht willst, dann geh einfach und lass mich in Ruhe!“, schreit sie ihn an.

„Ich will aber nicht, dass du es bekommst. Schließlich darf ich dann zahlen!“

„Verschwinde aus meinem Haus du Arschloch. Du wirst nie der richtige Vater des Kindes sein. Du bist verantwortungslos, arrogant und egoistisch. Für dich bedeuten Frauen nur Spaß. Ich hasse dich!“

 

Als sie ein paar Tage später von der Arbeit kommt, steht jemand vor ihrem Haus. Der Typ kommt ihr bekannt vor und doch sieht sie ihn fragend an.

„Hei, ich bins Pauli!“ Sie lächelt erleichtert und umarmt ihn kurz.

„Hei Pauli, Mann, hast du dich verändert!“, grinst sie ihn an.

„Haha, ich denke, dass hat sich jeder mit der Zeit!“ Sie nickt nur seufzend. „Ja und das ist es, worüber ich mit dir reden möchte!“

„Na dann komme doch mit rein, ich koche uns einen Tee oder Kaffee!“, lächelt sie wieder freundlich.

„Das ist nett!“

Zehn Minuten später sitzen sie in der Küche. Pauli hat einen Tasse Kaffee vor sich und Meike hat sich einen Tee gekocht.

„Weiß er davon, dass du hier bist?“, fragt sie leise. Pauli schüttelt mit dem Kopf.

„Nein, dann würde er mich umbringen!“, lacht er spöttisch und trinkt dann einen Schluck. „Wir wissen alle, dass er sich so negativ entwickelt hat. Und wir können es ihm noch so oft sagen!“

„Wisst ihr auch, dass ich... dass ich von ihm ein Kind erwarte, was er aber nicht will?“ Pauli nickt nachdenklich.

„Wir würden uns total für ihn freuen, wenn er es selber machen würde. Aber er schaltet auf stur. Das kotzt mich so an. Ich meine, er hätte ja auch mal daran denken können!“ Pauli klingt wütend und Meike entgeht es nicht.

„Ihr seid in einer ziemlichen Krise, kann das sein?“

„Ja, aber es hat wenig mit dir zu tun und selbst wenn... Lauri ist einfach so egoistisch. Früher war er doch auch so glücklich mit dir und jetzt verletzt er dich nur noch!“ Er legt seine Hand auf Meikes.

„er sagt, er kann sich selber nicht mehr verzeihen... aber warum macht er dann noch mehr so ne Scheiße, die mich langsam kaputt machen. Ich weiß nicht, ob ich das alleine schaffe, mit einem Kind. Weißt du, wie viele Gedanken mir durch den Kopf geschossen sind, als das Krankenhaus hier angerufen hat und als sie es mir gesagt haben? Er ist ja noch nicht mal mit dort hin gekommen, als ich eingeliefert wurde, obwohl ich vor seiner Tür umgekippt bin!“ Ihr laufen immer mehr Tränen übers Gesicht. Pauli sieht sie verzweifelt an. „Bis jetzt könnte ich ihm alles verzeihen. Er müsste es nur zurücknehmen, was er zu dem Kind gesagt hat. Pauli, ich würde ihm wirklich alles verzeihen!“

„Hey, ist ja gut!“ Sie steht von ihrem Stuhl auf und stellt ihre Tasse in die Spüle.

„Ich liebe dieses Arschloch noch immer, weil ich weiß, dass er anders ist, als er sich gibt. Ich weiß nur nicht weiter!“

„Ich werde dir helfen!“, lächelt Pauli, obwohl er sich jetzt schon fast sicher ist, dass er das nicht kann. Denn Lauri ist ein Sturkopf und als er sich damals in den Kopf gesetzt hat, dass er sich nicht mehr bei Meike meldet, da hat er es auch wirklich nicht mehr gemacht. Die anderen konnten noch so auf ihn einreden. So wird es jetzt wohl wieder sein.

 

Weil er am nächsten Tag lange weile hat, trifft er sich mit Eero und Aki in einer Kneipe. Lauri hat wohl keine Lust. Doch das lässt er nicht auf sich sitzen. Er will ihm helfen, auch wenn er es eigentlich nicht verdient hat, so, wie er mit Meike umgeht und vor allem, wie er über das gemeinsame Kind der beiden spricht.

Er steht vor Lauri´ s Tür und klingelt Sturm.

„Verdammt Lauri. Ich weiß, dass du zu Hause bist.“, brüllt er und hämmert gegen die Tür. „Und wenn du grad wieder mit einer diesen Tussen beschäftigt bist, dann... dann mache trotzdem die Tür auf. Ich muss mit dir reden!“ Wenig später hört er Schritte, dann öffnet sich die Tür.

„Sag mal Alter, hast du lange weile?“, keift Lauri ihn an.

„Mein Gott, wie siehst du aus?“, fragt Pauli geschockt und mustert ihn nochmals von oben bis unten und wieder zurück.

„Ach, lass mich doch einfach. Ist doch eh egal, wie ich aussehe. Was willst du denn mit mir reden?“

„Ähm... dürfte ich reinkommen? Hier auf dem Flur könnten es Leute mitbekommen!“, meint Pauli leise und fühlt sich leicht verarscht.

„Also, um was geht es?“, fragt Lauri genervt und zündet sich eine Kippe an.

„Um dein Kind!“, sagt Pauli in einem lauten, saueren Ton. Lauri´ s Miene verändert sich schlagartig und er hustet los. „Ich wüsste gerne, warum du so scheiße darüber redest!“

„Weil ich kein Kind habe und auch keins bekommen werde, geschweige denn Meike bekommt eines!“ Pauli sieht seinen Kumpel fragend an. „Das ist doch nur so ne Masche. Sie will mich zurück und weil sie nicht kämpfen kann, kommt sie mir mit so was. Ich bin doch nicht blöd!“

„Lauri und wie blöd du bist. Ich habe Ultraschallbilder gesehen, aber jetzt sage mir noch, die waren von ihrer Freundin oder so!“ Lauri tut so, als würde es ihn locker lassen.

„Ja, klar. Siehste, du weißt es doch.“

„Jetzt hör mir mal zu. Meike freut sich auf dieses Kind und sie wird es bekommen. Ob es dir passt oder nicht. Ich werde sie unterstützen und wenn du meinst, weiter behaupten zu müssen, dass es eine Masche ist, dann bitte. Aber ich sage dir eins, so eine Freundin wie sie wirst du nie wieder finden, nie wieder. Hörst du? Außerdem hast du sie selbst mal so sehr geliebt. Was ist nur aus dir geworden?“ Verdutzt lässt er ihn stehen und verlässt die Wohnung mit einem lauten Knall, der durch das ganze Haus hallt.

 

„Hey Pauli!“ In der Kneipe wird er von Aki und Eero begrüßt. „Wo warst du so lange?“

„Bei Lauri, der so bescheuert ist, dass es nicht mehr menschlich ist!“, gibt Pauli giftig zur Antwort.

„Ist ja auch unser Vöglein!“, grinst er, doch als er einen bösen Blick von Pauli erntet, wird er sofort ernst.

„Was ist denn mit Lintu?“, fragt Eero gelangweilt.

„Auch wenn ich es nicht sagen darf, oder soll. Aber Meike ist schwanger von ihm und er sagt, dass es nur ne Show ist, um ihn wieder zu bekommen. Als hätte sie so was nötig.“

„Das ist ja echt krass. Ich wusste gar nicht, dass die wieder im Bett waren!“

„AKI!“, schreit Pauli ihn an.

„Ist ja schon gut. Aber jetzt weiß ich auch, warum sie vor seiner Tür zusammen gebrochen ist. Lauri hat sich nicht um sie gekümmert. Ich habe zwar bei ihm geklingelt und er war kurz unten, bevor der Krankenwagen kam. Aber dann ist er einfach wieder hoch gerannt in seine Wohnung!“, erzählt Aki.

„Was mischt ihr euch bei den beiden eigentlich ein? Wir haben doch alle unsere Probleme und die bei...!“

„Mensch Eero, sei doch nicht immer so egoistisch. Meike war früher auch eine gute Freundin von dir. Mir hat sie so viel bedeutet und das tut sie immer noch. Außerdem, hättest du genau so reagiert wie Lauri jetzt an seiner Stelle?“ Eero schüttelt den Kopf. „Siehst du. Aber wie es aussieht können wir ihr mit Lauri nicht weiterhelfen. Also bin ich für sie da.“

„Bist du in sie verliebt?“, fragt Aki und grinst.

„Hast du heute was genommen oder warum laberst du so viel Scheiße? Ich habe gerade gesagt, dass ich sie wahnsinnig mag!“ Er schüttelt mit dem Kopf und alle drei schweigen sich jetzt an.

 

Meike ist jetzt bereits im vierten Monat schwanger. Sie sitzt auf ihrer Couch und kuschelt sich an ihn. Er streicht über ihren Bauch und küsst Meike auf die Stirn. Sie fühlt sich wohl bei ihm, er hat ihr so sehr geholfen in der letzten Zeit und er hat ihr versprochen, das Kind zu akzeptieren, auch wenn es nicht sein eigenes ist. Er ist trotzdem glücklich und freut sich, dass Meike die erst mal schlimmste Zeit überstanden hat.

„Kai?“

„Hm.“

„Es ist langsam ungemütlich hier zu liegen!“ Sie richtet sich auf und sieht ihn dann an.

„Dann lass uns ins Bett gehen!“, sagt er verführerisch und nimmt sie auf den Arm. Seine leicht muskulösen Arme tragen sie ins Schlafzimmer und legen sie sanft auf dem Bett ab. er küsst sie leicht, leidenschaftlich und dann fordernder. Schließlich schlafen sie miteinander und schlafen danach eng aneinander gekuschelt ein.

 

Die Zeit vergeht schnell und Meike geniest jede freie Minute bis zu ihrer Schwangerschaft. Sie findet es schon seltsam, dass Lauri der richtige Vater ist und dass Kai das Baby doch so gut akzeptiert. Es hat ihre Liebe gleich am Anfang auf eine harte Probe gestellt und diese haben sie bestanden.

Dank dieser Liebe zu Kai bringt sie ihre Tochter zur Welt. Auch Kai ist mit dabei und hält ihre Hand.

 

Als sie fast ein Jahr später zu Hause ist mit ihrer Tochter, die sie Tiina genannt hat, klingelt es an der Tür. Wie verabredet. Sie hält Tiina auf dem Arm und öffnet vorsichtig die Tür. Lauri lächelt die beiden an. Auch Tiina grinst ihn an.

„Hallo ihr beiden!“ Er streicht über die Wangen der Kleinen.

„Hallo!“ Meike hat gelernt damit zu leben, dass sie mit ihm nichts mehr anfangen kann in Sachen Liebe und doch merkt sie, wie es ihm gut tut, die Kleine öfter mal zu sehen. Meike wird ihm das nicht verbieten.

„Ich habe wohl schon ziemlich viel verpasst!“, meint er zu Meike, währenddessen er Tiina im Arm hält und sie mustert.

„Sieht wohl ganz so aus!“, lächelt Meike. „Aber trotzdem ist es schön, dass du dich ab und zu sehen lässt. So wie du halt kommst, bitte gebe das nich irgendwann auf.“ Er schüttelt den Kopf.

„Auf keinen Fall. Ich liebe Tiina!“

„Ich auch, aber auch Kai ist mir wichtig und neuerdings auch noch ein Wesen!“, lächelt sie mit feuchten Augen. Lauri sieht sie grinsend an.

„Du bist wieder schwanger? Diesmal von Kai?“ Meike nickt nur und Lauri umarmt sie so gut wie er kann. „Das freut mich ja so für euch. Ich wünsche euch echt alles Gute!“ Er sieht gerade, was er alles in seinem Leben durch die Musik verpasst. Doch vielleicht ist die Musik ja besser für ihn, als irgendwelche schreienden Kinder.

„Danke Lauri, aber weißt du was? Du bist mir sehr wichtig, denn du bist im laufe des Jahres wieder mein bester Kumpel geworden und diesmal weiß ich, dass es so bleiben wird!“ Die beiden umarmen sich so gut wie es geht und zwischen ihnen lacht Tiina. Die jenige, die sie für immer verbindet.

 

ENDE




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