reflections

Soooodala, hier wieder was neues, eigentlich altes, aba muss ja keiner wissen :D

Diese FF ist in meinem Kopf entstanden, die Personen gehören nicht mir, vor allem the Rasmus (leider) nicht und die Geschichte ist frei erfunden.

Sie ist aus der Sicht der Maggie geschrieben, die mit einer Freundin aus Deutschland nach Finnland gezogen ist.

Dort suchen sie ihr neues Glück und dabei passiert ziemlich viel, aber lest selbst. Viel Spaß und ich freue mich immer über Kritik !!!

Ich verdiene hiermit auch kein Geld!

 

Confusing Feelings (War of Love)
 
„Sag mal, wo hast du denn die schicken Tassen hingetan?“, frage ich und sehe Melanie fragend an. Sie überlegt einen Moment und zeigt dann auf den Schrank, der über der Spüle hängt. Ich öffne ihn und tatsächlich, ganz hinten finde ich die Tassen.
Seit 3 Wochen wohnen wir jetzt hier in dieser riesigen Wohnung in Helsinki. Ich bin so froh, dass alles geklappt hat und dass Mellie mitkommen konnte. Wir beide hoffen, dass unser Leben hier anders wird, denn bisher hatten wir in vielen Dingen nicht viel Glück.
„Wieso machst du so einen Aufstand, nur weil deine Mama uns besuchen kommt?“, fragt sie lachend.
„So bin ich eben!“, meine ich und widme mich dann den Tassen. Ich muss sie noch abspülen und überhaupt muss alles schick und ordentlich sein, wenn meine Mutter kommt. Sie soll begeistert sein und sehen, dass ich ordentlicher geworden bin. Oder bin ich das gar nicht, hm?
„Ja ja, ist ja gut. Ich helfe dir!“ Sie seufzt und nimmt sich ein Geschirrtuch, um abzutrocknen.
„Was macht denn der Friseurladen?“, frage ich neugierig. „Sind da auch manchmal so ganz süße Typen?“ Ich grinse über beide Ohren.
„Du würdest dich ja gleich in alle verlieben!“, sagt sie ernst und ich sehe sie beleidigt an.
„Das stimmt ja gar nicht. Aber sag doch mal, sind da welche, die so meinem Geschmack entsprechen?“
„Ach weiß ich doch nicht. Da war mal einer, der war mit seinem Kumpel da und ja, der gefällt dir vielleicht!“ Ich lächele und spüle weiter ab.
„Kommt der bald wieder mit seinem Kumpel?“ Sie nickt und grinst.
„Sagst du mir dann bescheid?“, frage ich.
„Mann ja und jetzt wasche weiter ab.“
„Ui, Dankeschön. Den werde ich mir ansehen und wehe der gefällt mir nicht!“ Beide kichern wir. „Oh scheiße, schon so spät?“ Ich müsste mal langsam zum Flughafen.
„Soll ich mitkommen?“ Ich schüttele den Kopf und ziehe mir schnell ein anderes T-Shirt an, ehe ich aus der Wohnung verschwinde. Hoffentlich bereitet Mellie alles soweit vor.
 
Am Flughafen sehe ich mich um, doch ich kann niemanden sehen, also jedenfalls nicht meine Mum. Ich laufe also orientierungslos rum und weil ich nicht nach vorne gucke, knalle ich volle Kanne mit einem Kerl zusammen.
„Entschuldigung!“, murmele ich in meinen nicht vorhandenen Bart und der Typ grinst mich nur an.
„Nichts passiert. Suchst du auch jemanden?“ Zum Glück labert der nicht so schnell. Ich habe zwar finnisch gelernt, aber wenn jemand zu schnell redet, verstehe ich das nicht.
„Ja meine Mutter. Aber sie ist hier nirgends!“, antworte ich ihm.
„Du kommst nicht von hier, oder?“, fragt er und lächelt. Boah, ist der süß. Warum haben Finnen nur so geile Augen?
„Ich bin vor ein paar Wochen hergezogen. Ich komme ursprünglich aus Deutschland!“ Super, jetzt quatsche ich hier rum, anstatt meine Mutter zu suchen. Aber dieser Typ verwirrt mich.
„Darf ich dich auf einen Kaffee einladen?“ Ich überlege, aber nicht lange.
„Ja klar, meine Mama wird sich hier schon zurecht finden!“, sage ich und meine es eigentlich ironisch, doch dieser Typ scheint es ernst zu nehmen. „Ich bin allerdings Maggie!“
„Oh, ich bin Jonni!“, grinst er. „Tut mir leid, ich bin ein bisschen schusselig!“
„Schon okay, wer ist das nicht?“ Beide lachen wir und gehen gemeinsam nach draußen.
„Warum bist du hergezogen, wenn ich fragen darf?“
„Es war in Deutschland kein Leben mehr und ich wollte einfach alles verändern und somit war auswandern das beste. Mir gefällt es hier zu gut und ich habe noch eine Menge zu entdecken hier!“ Er biegt ab und geht dann in ein Gebäude, ich folge ihm.
„Das klingt interessant. Ich kann dir ja auch ein bisschen zeigen, wenn du willst!“ Ich nicke. „Das hier ist mein Lieblingscafé!“ Er zeigt von weitem auf den Eingang, in den wir wenig später gehen. Ich sehe mich um und es sieht echt gemütlich aus.
„Cool, das gefällt mir hier!“ Wir setzen uns an einen Tisch und bestellen unsere Getränke.
„Heute Abend ist hier wieder Disco angesagt, hättest du Lust?“ Er sieht mich fragend an.
„Ähm, Lust schon, aber wie gesagt, meine Mutter... oh Gott, meine Mutter. Sie wird mich umbringen!“
„Ach Quatsch, so eine schöne Frau bringt man nicht um!“ Er funkelt mich an und ich könnte dahinschmelzen.
„Danke, aber wenn ich den Kaffe ausgetrunken habe, dann muss ich wirklich gehen.“
„Aber nur, wenn du mir deine Nummer gibst!“, meint er und sieht mich wieder süß an.
„Wenn du dich wirklich meldest, gerne.“
 
Nachdem ich ihm die Nummer hingelegt habe und den Zettel mit seiner Nummer eingesteckt habe, verlasse ich das Café und rase mit dem Auto nach Hause. Doch irgendwie ist keiner da. Also schalte ich den Fernseher an. Natürlich glotzen mich gleich wieder Stars an, die versuchen, singen zu können. Dass Mellie auch immer so was gucken muss. Ich lasse es aber trotzdem laufen und versuche, sie zu verstehen. Doch irgendwie kann ich das nicht.
Ich höre, wie die Tür ziemlich laut ins Schloss knallt und springe von der Couch auf.
„Sag mal, geht’s dir noch gut oder was?“, schreit mich eine sehr wütende Mellie an. „Deine Mutter ist so sauer. Warum hast du sie nicht abgeholt?“
„Sie war nicht da!“, sage ich leise.
„Dann nimmt man sein Handy mit, damit man erreichbar ist. Ich habe sie jetzt ins Hotel gefahren und morgen kommt sie vorbei!“ Sie schreit nicht mehr, klingt aber trotzdem sauer.
„Entschuldigung, mir ist da was dazwischen gekommen!“, flüstere ich fast und merke, wie Hitze in mir aufsteigt.
„Du hast nen Typen kennen gelernt!“ Ich nicke zustimmend. „Und dafür lässt du deine Mutter stehen. Was ist bloß los mit dir?“
„Es hat so heftig gefunkt bei mir und bei ihm wahrscheinlich auch!“ Sie gibt mir keine Antwort, sondern starrt auf den Fernseher. „Was ist denn los?“
„Da- das ist der Typ, von dem ich dir erzählt habe!“ Ich sehe genauer hin und breche dann in schallendes Gelächter aus.
„Seit wann stehe ich auf Typen oder Kerle, die einen auf düster machen? Der Kerl ist so eingebildet!“ Ich rutsche von der Couch und kringele mich weiter.
„Du kennst den?“, fragt Mellie und sieht mich erwartungsvoll an.
„Ja leider. War keine schöne Begegnung. Der war neulich in der Arztpraxis und ich habe seinen Namen falsch ausgesprochen und da hat der mich so dermaßen angemacht!“
„Und du findest den echt nicht gut?“ Ich breche wieder in schallendes Gelächter aus und beruhige mich nur langsam. „Ich finde den jetzt nicht total toll, aber irgendwas hat der!“
„Na dann hole ihn dir!“
„Nein, auf keinen Fall. Wenn der berühmt ist...“
„...dann hat er viel Geld und wie ich so mitbekomme, singt der!“ Ich muss mir das Lachen verkneifen. „Aber na ja, ist ja deine Sache, wen du dir angelst. Vielleicht steht er ja gar nicht auf Frauen, sondern ist schwul und hat schon längst geheiratet!“, spinne ich rum. Obwohl, man weiß ja nie, ob es nicht wirklich so ist.
„Du bist echt gemein, das sind auch nur Menschen. Die haben Gefühle, so wie wir!“
„Aber die ticken anders. Die vögeln jede Woche ne andere und fühlen sich dadurch total stark. Ich kann diese Vögel nicht ab!“ Oh, der hat ja sogar Federn in den Haaren, fällt mir gerade auf. „Der ist schwul!“ Kichernd gehe ich in die Küche, um einen Schluck zu trinken. Das gelingt mir aber auch kaum, weil ich dabei immer wieder an diesen Typen denken muss. Da ist Jonni aber echt tausend mal hübscher und bestimmt auch viel lieber und netter.
„Also ich rede kein Wort mehr mit dir!“, darf ich mir anhören, als ich zurück ins Wohnzimmer komme.
„Machst du jetzt einen auf Beschützer für düstere Millionäre?“, keife ich sie an und setze mich wieder auf die Couch. Mellie verschränkt ihre Arme und schenkt mir keinen Blick.
 
„Ich gehe jetzt ins Bett!“, meine ich nach einer weile. Mit ihr ist heute nicht mehr zu reden.
„Gute Nacht!“, wünscht sie mir aber trotzdem.
„Danke, dir auch!“, lächele ich. Irgendwas stimmt nicht mit ihr, aber ich möchte sie jetzt nicht ausquetschen. Als ich im Bett liege, höre ich, wie das Telefon klingelt. Ich höre, wie Mellie ´s Stimme immer lauter wird, bis meine Zimmertür aufgeht und sie mir wortlos das Telefon in die Hand drückt.
„Hallo?“ Ich warte gespannt auf eine Antwort.
„Hei, ich bins Jonni!“ Mein Herz beginnt plötzlich ganz doll zu schlagen.
„Warum rufst du so spät noch an?“, frage ich dann, um diese Stille zu vernichten.
„Entschuldigung, aber ich wollte so gerne noch mal deine Stimme hören, bevor ich schlafen gehe. Tut mir echt leid, wenn ich dich geweckt habe oder so!“ Ich muss grinsen.
„Ich habe noch nicht geschlafen, aber ist doch schön, dass du anrufst.“
„Dann ist ja gut. Machst du morgen nach deiner Arbeit irgendwas?“ Mir fällt sofort meine Mum ein und ich sage ihm, dass ich vorerst keine Zeit für ihn haben werde.
„Aber wenn sie weg ist, dann treffen wir uns, okay?“ Es kommt keine Antwort. „Alles klar?“, frage ich.
„Ja, natürlich, dann melde dich bitte. Oder können wir wegen deiner Mama auch nicht telefonieren?“, fragt er und klingt ein bisschen sauer.
„Klar, ich melde mich morgen oder so, bis dann!“
„Ja, bis dann. Tschau!“ Beide legen wir auf. Warum muss immer alles auf einmal kommen? Jonni und meine Mutter, das passt beides nicht gleichzeitig.
„Fuck!“, schimpfe ich und lege mich dann in mein Bett.
 
Am nächsten Tag komme ich zu spät zur Arbeit. Ich sehe jetzt schon, dass dieser Tag nicht schön werden kann.
„Könntest du nach hinten gehen? Da bräuchte ein Patient einen neuen Verband!“ Ich nicke Tanja zu und gehe ins hintere Zimmer. Mich trifft fast ein Schlag, als ich sehe, wer da sitzt.
„Hallo!“, sage ich zu ihm.
„Hei!“, grinst er und beobachtet mich, wie ich mir sein Knie ansehe. Echt toll. Am liebsten würde ich jetzt lachen, aber mir ist nicht danach zu Mute.
„Na dann wollen wir mal.“ Ich mache seinen alten Verband ab und sehe mir dann die Wunde an. Ich lache kurz laut auf. „Was ist das?“ Ich sehe ihn fragend an.
„Eine Wunde, die ziemlich weh tut!“ Jammerlappen, denke ich mir und mache die neue Binde um sein Knie.
„Wurde Ihr Name heute richtig gesagt?“, frage ich und er grinst. Dann nickt er und humpelt aus dem Zimmer. So ein arrogantes Arschloch. Total wütend schmeiße ich das Verbandszeug in den Mülleimer. Nur leider auch neue Binden, die ich sofort wieder raushole.
„Tanja, lass mich nach Hause gehen!“, sage ich zu ihr und lasse mich seufzend auf den Stuhl fallen. „Ich kann nicht mehr, dieser Tag ist beschissen!“
„Wir haben heute aber noch einiges zu tun, Abrechnungen sind angesagt und so was alles. Die Patienten sind heute nicht so sehr viel!“
„Bitte rede langsamer, sonst verstehe ich dich bald nicht mehr. Außerdem, wenn heute noch mehr solche Patienten kommen, wie meiner eben. Na dann vielen Dank!“, maule ich rum.
„Hat er dich wieder angemacht?“, fragt mich Tanja und ich nicke.
„Der ist so dämlich, denkt, er wäre sonst wer!“
„So gesehen ist er es!“, grinst sie und ich weiß genau, was sie meint.
„Das gibt ihm aber kein Recht, hier Sonderwünsche zu haben und mich so dermaßen anzumachen, dass ich rot anlaufe, weil es alle mitbekommen. Außerdem ist er ein Weichei. Hast du dir seine Wunde angesehen?“ Tanja nickt und beide lachen wir leise. Und dann kommt auch schon wieder einer zur Tür rein, um sich einen Termin von mir geben zu lassen.
 
Nachdem wir den ganzen Kram erledigt haben, verabschiede ich mich von ihr.
„Den Herrn Yldnen mache ich morgen, okay?“ Ich nicke grinsend.
„Das ö sah nun mal wie ein d aus!“ Beide lachen wir und ich verlasse die Praxis immer noch mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Wenn Tanja da ist, dann geht es mir echt gut.
Ich fahre zu meiner Mutter ins Hotel und treffe da sofort auf sie. Wir umarmen uns lange.
„Mama, es tut mir so leid. Da war gestern so ein Typ und der hat mich eingeladen, der sah so gut aus...“
„Ist ja gut. Hast du wenigstens seine Nummer?“ Ich nicke und freue mich, dass sie nicht sauer ist auf mich. „Und wie geht es dir hier so?“, fragt sie dann und wir gehen zu ihrem Zimmer.
„Total gut. Die Arbeit ist wirklich super, außer einige Patienten tun sich schwer. Aber so ist echt alles total super und bisher bereue ich nichts!“, erzähle ich ihr strahlend.
„Na dann wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt!“ Ich sehe sie fragend an. „Na nicht, dass ich dich wieder an der Backe zu kleben habe!“
„Mama, du bist gemein. Ich werde mir hier schon mein eigenes Leben aufbauen. Vielleicht ja mit Jonni!“, grinse ich und merke im nächsten Moment, dass ich ziemlich voreilig bin. „Warum mietest du dir eigentlich ein Hotelzimmer? Wir haben doch genug Platz!“
„Ach Quatsch. Aber wer ist denn dieser Jonni? Die haben aber auch alle eine Namen!“ Sie grinst und sieht mich dann fragend an.
„Den habe ich gerade mal kennen gelernt. Ich will ja nichts überstürzen!“
 
Am Abend komme ich total fertig zu Hause an. Doch nirgends brennt Licht. Ich schließe die Tür auf und schnappe mir das Telefon, um Jonni´ s Nummer zu wählen.
„Ja, hallo?“
„Hallo Jonni!“, begrüße ich ihn und dank seiner Stimme grinse ich über beide Ohren.
„Schön, dass du anrufst.“, meint er und ich höre, dass er sich wirklich freut.
„Hast du heute noch was vor?“, frage ich vorsichtig.
„Nein, aber bestimmt gleich!“ Beide lachen wir kurz.
„Wir könnten ja was essen gehen oder so!“, schlage ich vor. Und weil er einverstanden ist, verabschieden wir uns ziemlich schnell wieder.
Als ich um viertel vor sieben das Haus verlasse, werde ich ziemlich nervös. Und trotzdem frage ich mich, wo Mellie so lange steckt. Aber sie weiß ja auch nie, wo ich bin.
 
Im Restaurant erzählen wir uns viel, wie gestern auch. Aber ich merke, dass da mehr ist, viel mehr, als ich mir vielleicht vorstellen kann.
Nachdem wir gegessen haben, sieht er mich wieder mit diesem gewissen Blick an.
„Was ist?“, frage ich grinsend.
„Wollen wir gehen?“ Ich nicke und will gerade mein Geld auf den Tisch legen, da schiebt er die Hand weg. „Ich bezahle das schon.“
„Aber ich wurde doch gar nicht eingeladen!“, bemerke ich.
„Das nächste mal mache ich das ganz offiziell!“ Ich stecke mein Geld wieder ein.
„Danke, das ist echt lieb von dir!“ Wir ziehen uns unsere Jacken an und verlassen dann das Gebäude. Draußen schlägt uns sofort ein kalter Wind um die Ohren und Jonni legt seinen Arm um meine Schultern. Ich lächele ihn dankbar an und schweigend laufen wir ein Stückchen. Dann nimmt er den Arm von meinen Schultern und umschließt meine Hand mit seiner. Dann bleibt er stehen und sieht mir in die Augen. Seine andere Hand legt er auf meine eiskalte Wange. Seine Hand ist warm und streicht über meine Wange. Er kommt mir näher und ich schließe noch meine Augen, bevor wir uns küssen.
Nach einer Weile lassen wir voneinander ab und sehen uns verliebt an.
„Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt!“, stottere ich und er lächelt mich an.
„Ich bin auf dem besten Weg dahin!“, lächelt er und wir küssen uns noch einmal kurz.
„Magst du mit zu mir kommen? Wenn du hier sowieso in der Nähe arbeitest!“, biete ich ihm an. Er nickt und wir laufen weiter. „Aber...“ Ich sehe ihn schüchtern an.
„...schon klar, nicht vor der Ehe!“, sagt er gespielt ernst und ich lache. „Was? Das ist mein voller ernst!“ Jetzt lacht auch er.
„Du bist mir schon so ernst!“ Wir kichern, bis wir bei mir sind und mittlerweile ist auch Mellie zu Hause angekommen.
„Hallo!“, sagt Jonni zu ihr und sie grüßt ihn zurück. „Kann ich duschen gehen?“, fragt er mich dann und ich zeige ihm alles.
„Ein Handtuch bringe ich dir gleich!“ Ich setze mich zu Mellie auf die Couch. „Was ist los?“
„Nichts!“
„Hat es was mit Jonni zu tun?“, frage ich. „Oder mit mir?“
„Nein, es ist nichts!“ Hört sich fast so an, als wolle sie mich anschreien.
„Na wenn du meinst. Aber wenn es wegen gestern ist, weil ich den Typen als schwul bezeichnet habe, dann kann ich dir echt nicht mehr helfen!“
„Du mich auch!“ Jetzt reicht es mir aber. Ich stehe auf und bringe Jonni das versprochene Handtuch. Er hat die Tür noch nicht mal zugeschlossen.
„Hier dein Handtuch!“ ich sehe zwar nicht viel, aber sein nackter Oberkörper reicht mir schon.
 
Es vergehen ein paar Tage, an denen ich mich so gut wie jeden Abend mit Jonni treffe. Meine Mutter reist heute ab und ich habe sie gerade zum Flughafen gebracht. Auf dem Rückweg fahre ich noch mal schnell in die Praxis.
„Schön, dass du noch mal kommen konntest, hier ist viel zu viel los!“, stöhnt Tanja.
„Wie? Ich soll jetzt noch arbeiten?“ Sie nickt und ich seufze. „Okay, weil du es bist!“
„Ähm, aber da wäre noch ein Verbandswechsel!“, meint sie und sieht mich bittend an.
„Okay, dann werde ich mal.“
„Aber es ist der Typ!“ Ich sehe sie mit weit aufgerissenen Augen an. „Diesmal ist es sein Arm!“, lacht sie dann und selbst ich lache. Obwohl mir dazu nun echt nicht zu Mute ist.
Nachdem ich mich schnell umgezogen habe, eile ich zu diesem missratenen Patienten.
„Hallo!“ Ich versuche, freundlich zu klingen.
„Hei!“, gibt er locker zurück. Ich würde ihm am liebsten sagen, dass ich kein Fisch bin, aber er würde es ja eh nicht verstehen. „Wie geht es Ihnen?“ Was will der jetzt?
„Sieht man das nicht, dass ich gehetzt und gestresst bin?“ Oops, ich habe mich im Ton vergriffen.
„Entschuldigung. Aber Sie machen das echt gut!“
„Danke!“ Boah, wenn ich hier fertig bin, dann mache ich drei Kreuze. „Könnten Sie das mal festhalten?“, frage ich und konzentriere mich auf meine Arbeit.
„Na klar, gerne doch!“, grinst er und streift mit seiner Hand meine. Hm, schon komisch. Jetzt wo er hier sitzt ist er der normale Typ, na ja, was man unter normal halt so versteht. Und dann vor der Kamera ist er wieder der düstere Rockstar.
„Okay, das wars. Können Sie mit so einem verletzten Arm überhaupt auftreten?“ Man könnte denken, er kippt gleich um, so, wie er mich ansieht.
„Ähm, im Moment gibt es keine Konzerte. Wir haben Urlaub und nur so Interviews halt!“, stottert er und ich könnte mich vor Lachen auf dem Boden kullern, aber ich beherrsche mich.
„Achso, na dann gute Besserung!“
„Dankeschön!“, lächelt er und rennt dann fast aus dem Zimmer. Uh, ich bin ein Monster, was alles weiß. Oh Gott, ist der blöd.
 
Als ich endlich zu Hause bin, atme ich erst mal tief ein und aus, bevor ich mich auf das Sofa schmeiße. Aus Mellie ´ s Zimmer dröhnt Musik. Dass sie aber auch immer so übertreiben muss.
„Hey Kleine!“ Solch eine nette Begrüßung.
„Hallo!“, meine ich nur und stehe von der Couch auf. „Warum hast du so ne gute Laune?“
„Ach, das sage ich dir nicht!“ Sie streckt mir die Zunge raus. „Aber ich sage dir was anderes!“
„Und das wäre?“, frage ich gespannt.
„Dieser Jonni, ist das was ernstes zwischen euch?“, fragt sie.
„Seit wann interessiert dich so was?“ Ich sehe sie skeptisch an.
„Ich habe ihn mit so einer gesehen... die haben sich sogar geküsst!“
„Kauf dir ne neue Brille oder sonst was. So ist er nicht drauf!“, keife ich sie an.
„Ich weiß, dass er es war. Er ist nämlich mit meiner Kollegin zusammen. Verdammt, warum glaubst du mir nicht?“
„Weil du dir da was ausdenkst. Weiß ich, warum du das tust!“, schreie ich sie an.
„Wahrscheinlich weil ich eifersüchtig bin und neidisch, weil du rumvögeln kannst und ich angeblich nicht. Schalt mal dein Gehirn ein. Ey, als hätte ich es nötig, echt!“ Sie lässt mich stehen und ich fühle mich hin- und hergerissen. Was ist, wenn sie recht hat? Vielleicht hat sie keinen Grund, mir die Taschen voll zu hauen. Andererseits, warum meldet er sich heute nicht bei mir? Er ist dran mit anrufen. Ich weiß nicht, was ich machen soll.
 
Endlich Wochenende. Als hätte dieser ganze Stress gestern nicht gereicht. Da kamen heute noch mal doppelt so viele unangemeldete Patienten. Die Ärzte müssen sich ja nur das Gejammer anhören, aber wir dürfen den ganzen Schriftkram machen.
Da sich Jonni gestern wirklich nicht mehr gemeldet hat, werde ich ihn gleich mal anrufen und zur Rede stellen. Obwohl, ich könnte ihn auch einfach zu Hause überraschen. Das ist noch besser.
Ich klingele bei ihm mit zittrigen Fingern. Ich höre, wie er etwas sagt. Dann geht die Tür auf und ich sehe sofort, dass da jemand hinter ihm steht. Scheiße, ich hätte ihr glauben sollen.
„Du bist so ein Scheißkerl!“, schreie ich ihn an mit Tränen in den Augen. „Versprichst mir den Himmel auf Erden und jetzt?“ Und schon hat er eine sitzen. Ich mache auf dem Absatz kehrt und steige in mein Auto, um wenige Sekunden später davon zu rasen.
Total verheult steige ich aus dem Auto und bin froh, dass ich heil nach Hause gekommen bin. So wie ich gerast bin und auf nichts geachtet habe.
„Hi!“, sage ich zu Mellie, die gerade etwas kocht.
„Hallo, was ist los?“ Sie sieht mich besorgt an.
„Das ist egal, ich habe dir ja nicht geglaubt und deshalb brauchst du mich jetzt auch nicht trösten!“, schluchze ich und sehe sie entschuldigend an.
„Ach komm mal her!“ Sie schließt mich in ihre Arme.
„Es tut mir leid. Ich sage so was nie wieder!“ Sie lässt mich wieder los.
„Schon okay, vielleicht hätte ich ja nicht anders reagiert. Jetzt tut es mir für dich leid. Der sieht ja echt nicht schlecht aus, aber vielleicht ist er gerade deshalb so ein Arschloch!“ Ich nicke zustimmend. „Was macht denn dein Lieblingspatient?“, fragt sie dann und macht den Herd aus, um mir in die Wohnstube zu folgen.
„Der hat jetzt was am Arm!“
„Ich weiß und weiter?“
„Wie du weißt es? War er wieder mit seinem Kumpel da?“, frage ich und grinse breit.
„Er war diesmal zum Haare schneiden da und nicht nur als Begleiter.“, antwortet sie.
„Und was soll ich dir jetzt noch erzählen? Außerdem gibt es die Schweigepflicht!“, grinse ich und strecke ihr dann die Zunge raus.
„Na da muss ja was dolles vorgefallen sein!“, meint sie sehr ernst.
„Ist aber nicht und das wird es auch nie. Er war nur ziemlich geschockt, als ich gefragt habe, ob er mit seinem verletzten Arm Konzerte geben kann. Den kann man richtig geil verarschen!“
„Du bist echt gemein, denn...!“ Sie räuspert sich und sieht dann aus dem Fenster.
„Was? Was weißt du, was ich nicht weiß und wissen sollte?“
„Der hat sich das am Arm extra gemacht, glaube ich!“ Ich sehe sie fragend an. „Er hat mir von einer süßen Dame erzählt, die ihn verarztet!“
„Jetzt spinnst du aber wirklich. Aber vielen Dank für das DAME. Hört sich an, als wäre ich schon 50 oder so!“ Ich kann mich kaum noch halten vor lachen. „Deine ausgedachten Geschichten sind so lustig!“
„Die sind nicht ausgedacht. Frag mich doch nicht, warum er mir so was erzählt hat, aber er hat es und er hat dich gemeint!“ Ich höre, wie ernst ihre Stimme ist und höre auf zu lachen. „Jetzt wirklich und ich finde, dass das alles super zusammen passt!“
„Willst du mich beleidigen? Ich kann diesen, im wahrsten Sinne des Wortes, VOGEL nicht ab!“
„Du kennst ihn doch aber gar nicht richtig!“, sagt sie mit trauriger Stimme.
„Du doch auch nicht und ich lege nicht viel Wert drauf, mir die Zeit mit so nem Idioten zu versauen!“
„Aber wäre es nicht ein Versuch wert?“ Ich weiß, dass sie was vorhat, das sehe ich ihr an.
„Na gut, wenn du meinst und wenn ich ihm nicht hinterher telefonieren muss!“ Sie schüttelt den Kopf und grinst mich an.
„Das wird ein lustiger Abend morgen!“ Ich sehe sie überfordert an, checke dann aber doch, was sie meint.
„Warum muss ein so wunderschöner Samstag dafür draufgehen?“, frage ich betend.
„Ach jetzt komm. Das wird dich ein bisschen ablenken, von Jonni und so!“
„Ich weiß, du meinst es nur gut!“ Ich sehe sie beleidigt an. Seit wann steht sie auf solche Kerle? „Was hast du denn gekocht?“, frage ich dann neugierig.
„Geh gucken, kannst dir ja was nehmen!“, sagt sie verträumt.
„Hast du keinen Hunger?“, frage ich und beantworte sie mir alleine. „Nicht mehr, weil du so viel an LAU-RRI denkst und dein Bauch jetzt voller Schmetterlinge, oder doch Vögel, ist!?“
„Ich mag den Namen!“, meint sie wieder so komisch abwesend. „Aber nur seinen Namen. Obwohl, mögen darf ich ihn ja wohl auch. Nur weil du dich wie ein Teenager verhältst, muss ich das ja nicht auch gleich machen!“, nörgelt sie rum.
„Jaja, der einzige, der sich wie ein Teenie benimmt ist ja wohl er!“ Ich verschwinde in der Küche und esse dort einen Teller Suppe. Bei ihr gibt es nie was leckeres. Schon wenn ich an diesen Lauri denke, könnte ich kotzen. Lauri, Lauri? LAURI??? Was ist das überhaupt für ein Name? Ich glaube, ich muss noch viel hier in Finnland lernen. Ob ich, wenn ich ein Kind bekomme, das auch so komisch nenne?
„Lauri?“, rufe ich aus Scherz und im Wohnzimmer sieht mich Mellie fragend an.
„Bist du krank oder warum schreist du seinen Namen hier rum?“
„Ich wollte nur ausprobieren, wie es klingt, wenn man sein Kind so nennt.“ Sie lacht sich halb kaputt.
„Und? Wie hört es sich an?“, fragt sie dann immer noch lachend.
„Total Scheiße. Ich nenne mein Kind Tom oder so. Ach nee, Tom lieber nicht. Aber halt so ein typischer Name!“, philosophiere ich vor mich hin.
Das geht noch den ganzen Abend so, bis ich total müde in mein Bett falle und in meine wunderschöne Traumwelt versinke.
 
„Was gibt es zum Mittag?“, rufe ich durch die ganze Wohnung. Melanie kommt in mein Zimmer gestürmt und sieht mich wütend an.
„Nichts, du kannst dir ja was kochen!“, sagt sie ärgerlich.
„Ist ja gut, dann mache ich mir was. Obwohl, kann dieser Zwerg nicht heute Abend alles bezahlen? Dann können wir uns ja schön satt essen!“, grinse ich.
„Mach was du willst. Ich werde mich ganz normal verhalten und nicht wie eine Fressmaschine!“
 
Am Abend bin ich irgendwie aufgeregt. Ich stehe gerade vor dem Spiegel und schminke mich, als Mellie ins Bad kommt.
„Ach, man macht sich hübsch?“, grinst sie.
„Ich weiß ja nicht, wer da noch alles so rumhängt!“, meine ich. Und irgendwie befürchte ich, dass dieser Abend schrecklich wird. Es sei denn ich mache ihn mir mit viel Alkohol erträglich.
„Wir müssen jetzt los!“, ruft Mellie.
„Wie? Wir werden nicht abgeholt? Mit ner Limousine oder so?“ Sie schüttelt den Kopf und verdreht dann ihre Augen. „So eine Verarschung!“, meckere ich und ziehe mir dann meine Schuhe an.
„Hier ist deine Jacke!“
„Oh danke, die habe ich schon gesucht!“, grinse ich und nehme sie ihr ab.
„Du bist so schusselig. Die Verabredung macht dich wohl ganz wuschig, he?“ Ich schüttele angewidert den Kopf und folge ihr nach draußen. Es ist schon dunkel und der halbe Mond leuchtet stark, ziemlich faszinierend.
„Könntest du dich in so einen Typen verlieben?“, frage ich leise. Es ist nur so eine Frage, aber die brennt tierisch in mir.
„Ich weiß nicht. Ehrlich gesagt kommt mir ja Lauri ziemlich komisch vor, aber er war bisher immer nett zu mir. Sein Kumpel ist aber ein total süßer. Bloß ich weiß nicht, die sind so viel unterwegs!“ Sie klingt traurig, irgendwie total hoffnungslos.
„Also ich werde dann für dich da sein. Bist doch meine Beste, auch wenn wir so verschiedene Meinungen haben!“, lächele ich.
„Danke, das ist lieb. Wir werden sehen!“ Weiter kommt sie nicht. Obwohl, wollte sie überhaupt noch was sagen? Denn da stehen drei Typen, oh, das sind vier. Der eine steht etwas abseits.
„Hallo!“, meine ich und gebe allen, ja, wirklich ALLEN die Hand. „Ich bin Maggie!“, stelle ich mich einfach mal vor. Der Vogel lächelt mich an.
„Ich bin Lauri!“, grinst er und sieht dabei ziemlich bekifft aus. Dann zeigt er auf seine Kumpels und nennt die Namen. Aki heißt also Mellie ´ s Schwarm.
Wir betreten alle eine Bar. Hier bin ich schon oft vorbei gefahren, sieht ganz schick aus. Wir setzen uns in eine Ecke, sieht aus wie ne Kuschelecke. Hoffentlich ist es das nicht.
„Was wollt ihr denn trinken?“ Kann auch mal jemand anders mit uns reden, als immer nur Lauri?
„Bring doch einfach was du denkst!“, sage ich genervt und ernte einen bösen Blick von Mellie. Auf wen steht sie angeblich? Sie sagt ihm, dass sie eine Cola trinken möchte. Aki und Pauli sagen irgendwas, was ich nicht richtig verstehe und dieser Eero bestellt ein Wasser. Hoffentlich löst er sich nicht auf, wenn er das getrunken hat, so ne Schlaftablette, wie der ist. Dann sieht mich Lauri fragend an. „Ich bleib dabei. Bring einfach was mit!“, sage ich und erwidere sein Lächeln, damit er mit dieser Scheiße endlich mal aufhört. Das nervt.
Währenddessen der Zwerg die Getränke bestellt, sitze ich alleine da und beobachte die vier, wie sie sich angeregt unterhalten. Sehr spannend. Doch plötzlich klingelt ein Handy, es ist das von Eero. Erst hört er gespannt zu, dann antwortet er nur immer mit „ja“ und dann legt er auf.
„Ich muss leider los. Meiner Frau geht es nicht so gut. Ich habe ihr versprochen, dass wenn sie mich anruft, dass ich dann zu ihr komme!“, teilt er uns besorgt mit.
„Schade, aber trotzdem gute Besserung an deine Frau. Tschau!“, meine ich freundlich.
Als er weg ist, geselle ich mich zum Teddy, dem Pauli. Der scheint ganz nett zu sein und dementsprechend benimmt er sich auch. Wir quatschen eine Weile, bis endlich der Vogel mit den Getränken kommt. „Das hat ja ewig gedauert, hast du unterwegs noch ne Blondine getroffen oder was?“, frage ich frech und grinse.
„Wo ist denn Eero?“, fragt er. Oh, wie geschickt er doch ist, einfach nicht zu antworten.
„Der ist zu seiner Frau, der geht es nicht so gut!“ Ha, jetzt hat er mich doch angesehen, hihi. „Was hast du denn da für mich mitgebracht?“ Er drückt mir das Getränk in die Hand. Das sieht schick aus und ich nehme einen Schluck.
„Und?“ Lauri sieht mich erwartungsvoll an.
„Danke, schmeckt gut!“ Ich merke, dass ich langsam nett zu diesem Giftzwerg werde. Aber vielleicht hat der ja auch gute Qualitäten. Das habe ich jetzt nicht gedacht, oh nein.
Nachdem er die Getränke verteilt hat, setzt er sich zwischen mich und Pauli. Dieser Arsch. Er weiß doch echt, wie man sich näher kommt. Ich könnte ihn anknurren.
„Wie gefällt es dir hier in Finnland?“, fragt er und ich merke, wie er ab und zu in meinen Ausschnitt glotzt. Ich hätte das andere Oberteil anziehen sollen.
„Gut. Und gefällt dir mein Ausschnitt?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen. Er sieht mich erst ein bisschen gelähmt an, dann grinst er aber und nickt.
„Nein, jetzt mal ehrlich. Ich stelle es mir nicht leicht vor, von Deutschland hierher zu ziehen!“
„Am Anfang war es das schon, aber jetzt... chrm!“ Ich rede nicht weiter. Ich will ihn gerade nicht beleidigen.
„Klar, wegen mir. Ich will dich nicht nerven, aber ich mag Frauen wie dich!“ Ich verschlucke mich fast.
„Ich dachte eher, du stehst auf so ne Hupfdohlen!“, meine ich. Mir gefällt dieses Thema überhaupt nicht.
 
Einige Stunden, mehrere Drinks und Themen später sitze ich mit ihm in dieser Ecke. Alleine, ich habe keine Ahnung, wo Aki und Mellie abgeblieben sind. Sie hat mich mit diesem Kerl alleine hier gelassen und weil ich meinen Kopf nicht mehr halten kann, liegt er auf Lauri´ s Schulter.
„Isch glaub, isch bin müdä!“, jammere ich und besoffen hört sich finnisch noch schrecklicher an.
„Isch au!“, meint er und legt seinen Kopf an meinen.
„Kannscht du gut küssän?“, frage ich und sehe ihn an.
„Weisch nisch, willschtes probiern?“ Er sieht mich verführerisch an und ich nicke. Ich komme mit meinem Gesicht seinem immer näher. Ich schließe meine Augen und unsere Lippen treffen sich. Seine fühlen sich sanft an, nicht so rau, wie bei manch anderen. Wenig später spielen unsere Zungen miteinander, einfach Wahnsinn dieses Gefühl. Ich setze mich auf seinen Schoß, so dass ich meine Hände in seinen Nacken legen kann. Wir küssen uns weiter und ich lasse meine Hände unter sein Shirt gleiten, über seinen Oberkörper. Er fühlt sich trainiert an, was ich nicht von ihm gedacht hätte.
„Wilschte noch mit zu mir komm?“, fragt er mich und seine Augen funkeln mich an. Ich würde sagen, sie sehen mysteriös aus. Ich nicke und lege meine Lippen wieder auf seine. Er kann mehr als nur gut küssen.
 
Irgendwie haben wir es bis zu ihm geschafft, wenn auch sehr schwer. Wir stützen uns gegenseitig und ab und zu versinken wir in einem Kuss. In seiner Wohnung ziehe ich mir meine Schuhe und meine Jacke nur mühsam aus. Danach schnappt er sich meine rechte Hand und zerrt mich ins Wohnzimmer, bis auf die Couch.
„Isch.will.disch!“, sagt er und fällt über mich her, als würde es kein morgen geben. Ich drücke ihn von mir. „Wasch?“ Er sieht mich fragend an.
„Isch will dasch aber nisch, Laui. Dasch gät zu schnäll!“, antworte ich ihm und kuschele mich an das Sofa. Ich würde jetzt total gerne schlafen.
„Na dann, gute Nacht!“, meint er leicht säuerlich und steht vom Sofa auf.
„Sei nisch pöse, sonscht bin isch traurisch!“ Ich gebe ihm einen Luftkuss und lege meinen Kopf wieder auf die Lehne der Couch. Wenig später schlafe ich ein.
 
„Maggie?“ Ich blinzele, sofort sticht es in meinem Kopf. „Guten Morgen!“
„Lauri?“ Ich schrecke hoch und sitze. Schmerzhaft halte ich mir den Kopf. „Was mache ich hier?“
„Du hast hier gepennt!“, antwortet er augenrollend. „Es ist nichts passiert. Aber du warst so voll!“ Mist, ich kann mich an nichts erinnern. Was soll der Scheiß?
„Wegen dem Zeug, was du immer angeschleppt hast!“, mache ich ihn an.
„Ach, jetzt bin ich Schuld?“ Ich nicke und stehe von der Couch auf. „Du hast sie doch nicht alle. Was hast du eigentlich gegen mich?“ Er hält mich am Handgelenk fest, als ich an ihm vorbei will.
„Ich hasse dich seit unserer ersten Begegnung!“ Ich möchte am liebsten schreien, doch das würde mein Kopf nicht aushalten. „Und jetzt lass mich los!“
Er sieht mich immer noch geschockt an, nachdem ich meine Jacke und meine Schuhe angezogen habe.
„Scheiße, wenn man nicht mehr weiß, was man im Suff gemacht hat!“ So böse hat mich noch nie jemand angefunkelt und wenn ich ehrlich bin, macht es mir Angst.
„Du träumst zu viel!“, kontere ich und verlasse dann schnell seine Wohnung. Der hat sie echt nicht mehr alle. Ich weiß zwar nicht mehr, wie ich hergekommen bin, aber bestimmt nicht durch ihn.
 
Ich gehe ein paar Straßen entlang, sie kommen mir bekannt vor, aber ich war hier doch noch nie, glaube ich. Ich setze mich auf eine Bank am Hafen, sehe zu der Straße, die mir verdammt bekannt vorkommt. Was habe ich bloß getan? Ich sehe mich plötzlich dort drüben, mit Lauri. Wir kichern rum und... und küssen uns? Scheiße, es kommt mir verdammt real vor und jetzt weiß ich auch, dass ich im Suff mit ihm rumgeknutscht habe. Ohne Alkohol hält man das wahrscheinlich nicht aus. Ich muss über meine blöden Gedanken grinsen. Ich habe mit einem berühmten Rockstar rumgeknutscht. Wieder so ein blöder Gedanke. Doch diesmal steigen Tränen in meine Augen. Ich kann sie nicht runterschlucken und somit machen sie sich auf den Weg. Rollen über meine Wangen, bis unten zum Kinn. Von dort aus tropfen sie auf meine Knie. Wie lange habe ich schon nicht mehr geweint? Wahrscheinlich viel zu lange und doch tut es jetzt so gut, alles rauszulassen. Ich bin noch nicht ganz bei Verstand, aber ich begreife gerade, dass ich wahrscheinlich einer der dümmsten Kühe des Planeten bin. Jonni hat mich betrogen und mich hat es fast kalt gelassen und jetzt, wo ich mich mit Lauri geküsst habe, heule ich hier rum. Mein Leben ist nicht Scheiße, ich mache es mir selber so. Was sollen andere sagen, die kein zu Hause haben, oder keine Arbeit. Oder Menschen, die einen Menschen verloren haben, den sie über alles liebten. Ich fühle mich so doof dabei, was ich mache.
Ich stehe langsam auf, gehe Richtung zu Hause. Ich muss schrecklich aussehen, doch es ist mir egal. Ich habe einen Menschen verletzt, wahrscheinlich. Und ich wollte es noch nicht mal. Ich sollte aufhören, mich selber zu bemitleiden.
Zu Hause klingele ich. Hoffentlich ist Melanie zu Hause. Wenn nicht, dann krieg ich ne Krise. Doch nach einer weile öffnet sich die Tür und eine ziemlich fertige Mellie guckt mich an.
„Moi!“, sage ich zu ihr und gehe an ihr vorbei. Wie kalt ist das bitte, was ich hier abziehe? Ihr geht es dreckig, das sehe ich. Warum mache ich nichts? „Was ist los?“ Ich drehe mich um und gehe auf sie zu.
„Ich hasse ihn!“ Ich ziehe meine Jacke aus und schlüpfe aus den Schuhen, dann nehme ich sie in den Arm. „Er hat eine Freundin und hat es mir verschwiegen!“
„Nun mal von vorne, ich verstehe ja gar nichts!“ Wir setzen uns ins Wohnzimmer.
„Es war gestern so schön mit ihm. Ich bin halt mit zu ihm gegangen...“ Und hast mich somit mit Lauri alleine gelassen. „...dann haben wir gekuschelt und uns geküsst. Und als er mir gerade an die Wäsche gegangen ist...“ Das kommt mir bekannt vor. „...da kam seine Freundin nach Hause, von der er mir nichts erzählt hat!“ Nun ja, ich war die jenige, die bei Lauri Stopp gesagt hat, zum Glück.
„Das tut mir leid. Das ist echt nicht fair!“ Ich weiß nicht, wie ich sie trösten kann. Ich habe Lauri mindestens genau so verletzt, wie Aki sie.
„Woher kommst du jetzt eigentlich?“, fragt sie plötzlich.
„Ich habe gestern oder besser gesagt noch heute Morgen jemand getroffen. In der Bar waren schließlich noch mehr Typen, als nur das Vögelchen!“
„Du hast dich also nicht mit ihm vertragen...obwohl es so den Anschein hatte, dass ihr darauf hinarbeitet!“ Ich schüttele ganz schnell den Kopf. Sie muss das einfach nicht wissen. Obwohl, ich lüge sie an und das ist auch nicht richtig.
„Es gibt halt Menschen, mit denen wird man sich nie verstehen. Das ist einfach so!“ Scheiße, ich komme mir verdammt dumm vor. Küsst man sich auch, wenn man sich nicht leiden kann? Wahrscheinlich schon, auch wenn es sich total bescheuert anhört.
„Schade, ihr würdet gut zusammen passen!“ Ich versuche, so überraschend zu gucken, wie es nur geht.
„Ach Quatsch. Nun kümmere dich mal um dich. Wer weiß, ob das wirklich DIE Freundin von Aki war!“ Irgendwie bin ich zu blöd heute, ihr Mut zu machen.
„Ich weiß nicht, vielleicht meldet er sich!“ Ich nicke ihr zustimmend zu. „Aber auch nur vielleicht!“, höre ich sie noch sagen, als ich aus dem Wohnzimmer gehe. Ich hole mir eine Scheibe Toast und esse sie so.
„Ich gehe ins Bett, ich bin noch so müde. Außerdem habe ich morgen Frühdienst!“
„Aber wir sehen uns doch heute noch mal. Oder verschanzt du dich für den Rest des Tages jetzt in deinem Zimmer?“ Ich nicke und sehe ihr an, dass sie auf eine Begründung oder sonst was wartet. Doch ich gehe einfach und lasse sie so sitzen. Ich will nicht, dass jemand erfährt, was da zwischen mir und Lauri war. Vielleicht waren es ja schöne Momente. Doch ich bereue es und gleichzeitig bin ich froh, dass es nur zu so was gekommen ist und nicht noch weiter ging.
Ich lege mich in mein Bett, doch an schlafen ist im Moment nicht zu denken. Die Sonne, die nur schwach durch die Wolken scheint, blendet mich. Doch ich möchte die Vorhänge nicht zuziehen, ich mag den Anblick und er lässt mich Tagträumen. Doch immer wieder taucht er dazwischen auf. Warum hat er mir das angetan und warum habe ich gesagt, dass ich ihn hasse? Das habe ich noch nie zu jemanden gesagt und es ist so was verletzliches. Scheiße, es tut mir so sehr leid. Doch ich habe nicht den Mut, ihn anzurufen und es ihm zu sagen. Nein, lieber lasse ich ihn leiden. Ich hasse mich langsam selber. Noch nie war ich so. Hat mich Finnland so sehr verändert?
 
Der Wecker klingelt und obwohl ich ausgeschlafen bin, fühle ich mich schwach. Nur langsam stehe ich Schritt für Schritt auf. Schleppe mich mit neuen Klamotten ins Bad. Von Mellie keine Spur. Sie wird noch schlafen, hat ja nicht das Glück wie ich, mit Frühdienst bei der Arbeit. Wie gelähmt wasche ich mich, ziehe mich an und schminke mich ein bisschen. Meine Haare lasse ich offen. Wenn jemand auf der Arbeit was dagegen hat, kann ich mir immer noch einen Zopf machen.
Weil ich keinen Hunger habe und es auch zeitlich nicht mehr schaffen würde, gehe ich wenig später aus dem Haus. Ich fühle mich nicht ganz wohl dabei, dass ich jetzt ins Auto steige und damit mein Leben und das anderer riskiere, weil ich echt unkonzentriert bin.
Ich gebe mir Mühe beim Fahren und ich komme heil in der Praxis an.
„Morgen!“ Meine Stimme hört sich kratzig an und total krank.
„Guten Morgen, geht es dir nicht gut?“, fragt Eva und sieht mich besorgt an.
„Doch, geht schon. War eine ziemlich lange Nacht von Samstag zu Sonntag!“ Sie grinst mich an. „Guck mich nicht so an. Ich habe nichts angestellt, nur ein bisschen gefeiert!“ Und jemanden so sehr verletzt, dass ich mich dafür selber hasse.
„Dann ist ja gut!“, grinst sie wieder.
„Ich gehe mich mal umziehen und mache mich dann an die Arbeit!“ Ich deute auf die Akten, die in meinem Arbeitsfach liegen. Wenigstens ein bisschen Ablenkung, hoffentlich.
 
Nur schleichend vergeht die Woche und doch habe ich sie überlebt. Ich habe die ganze Woche kaum was gegessen, habe mir lieber den Kopf darüber zerbrochen, wie ich mich bei Lauri entschuldigen kann. Doch ich komme zu keinem vernünftigen Gedanken, wenn es um ihn geht.
„Hey Süße, bist ja schon zu Hause!“, trällert mir Mellie entgegen. Ich erhebe mich von der Couch, um zu ihr zu gehen. „Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“
„Ich bin müde!“, meine ich traurig. Ob ich ihr die Wahrheit sagen sollte?
„Machst du heute was?“, fragt sie mich und ich sehe sie kopfschüttelnd an. „Kannst du mich zum Flughafen fahren und Sonntag wieder abholen?“ Ich sehe sie fragend an.
„Wo willst du hin?“ Na toll, alleine sein kann ich jetzt gerade noch gebrauchen.
„Aki hat mich nach Stockholm eingeladen. Er ist dort mit Eero und Pauli. Wo Lauri steckt weiß ich nicht!“ Ich zucke bei seinem Namen zusammen, Tränen steigen in meine Augen und ich zittere.
„Cool, freut mich für dich!“, gebe ich ihr zur Antwort. Ich versuche locker zu wirken, doch ich bin zu verkrampft. Warum habe ich das zu ihm gesagt? Er wollte mit mir schlafen und ich sage, dass ich ihn hasse. Ich ergreife die Flucht, renne in mein Zimmer, um mich dort auf mein Bett zu schmeißen.
„Maggie? Was ist los?“ Ich spüre eine warme Hand auf meinem Rücken. Melanie´ s Stimme dringt leise in mein Ohr. Nur leise wegen meines Schluchzens. „Hey, sag doch was!“
„Ich... ich kann... nicht mehr!“, bringe ich nur mühsam raus. Es ist so, als schnürt mir jemand die Luft ab. Ich setze mich auf und ringe nach Luft.
„Beruhige dich!“ Ich höre, wie besorgt sie ist. Doch meine Tränen stoppen nicht.
„Ich war letzte Woche bei ihm... ich war bei...“ Ich komme nicht weiter und falle ihr in die Arme.
„Bei Lauri?“, fragt sie und es sticht wieder höllisch. Ich nicke und vernehme daraufhin einen Seufzer.
„Ich hasse mich so!“
„Warum?“ Ich löse mich aus ihrer Umarmung, weiche ihren fragenden Blicken aus.
„Ich hätte im Suff bei Nahe mit ihm geschlafen. Aber ich konnte mich morgens nicht mehr daran erinnern...“ Ich hole tief Luft und wische mir übers Gesicht. Es ist wieder nur Selbstmitleid. „...er hat dann damit angefangen und ich meinte zu ihm, dass ich ihn von Anfang an gehasst habe.“
„Und dann konntest du dich plötzlich wieder erinnern?“ Ich nicke.
„Ich werde das nie wieder gut machen können!“, meine ich wieder schluchzend.
„Das glaube ich nicht. Du musst es versuchen, wenn du ihn wirklich liebst!“ Tue ich das? Eigentlich nicht, aber würde ich sonst hier rumheulen? „Das tust du doch, oder?“
„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht!“ Ich sehe sie verzweifelt an.
„Finde es raus!“, lächelt sie dann und steht vom Bett auf. „Kann ich dich trotzdem alleine lassen?“
„Ja klar, bin ja kein kleines Kind mehr!“, lächele ich gequält. „Was machst du denn bei Aki?“
„Eine Freundschaft aufbauen!“, meint sie nicht sehr begeistert.
 
Am Abend holt das Taxi sie ab und ich verabschiede mich von ihr. Gleich danach gehe ich ins Bad und anschließend ins Bett.
 
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„Hallo, komm rein!“ Er ist genau pünktlich, so habe ich es gern. „Was möchtest du trinken?“
„Erst mal nichts!“, antwortet er und setzt sich. Das Verhältnis ist angespannt. Ich setze mich neben ihn. „Warum hast du mich eingeladen?“, fragt er dann, sieht mich jedoch nicht an.
„Es tut mir leid!“ Meine Stimme ist ein einziges Flüstern. Er sieht mich an, ungläubig und das tut weh. Ja, jetzt tut er mir wieder weh. „Wirklich, es hat nur gedauert, bis ich das begreife!“
„Dass es dir leid tut?“, fragt er sauer. Er funkelt mich wieder böse an.
„Ja, auch!“ Er wartet, dass ich weiter rede. Doch ich bin unsicher. „Hast du dich wirklich in mich verliebt?“, frage ich. Ich klinge noch unsicherer.
„Ja, eigentlich schon. Aber du bist so ein Biest. Da frage ich mich, wie du das geschafft hast, trotz allem. Aber warum fragst du? Zählt das denn jetzt noch?“ Er hat feuchte Augen. Ich muss ihn wirklich verletzt haben. Er sieht in die Kerzen, die auf dem Tisch stehen. Er sieht so verdammt traurig aus. Wie kann ich, als solch kleine Person ihn so verletzt haben? Ich weiß nicht, ob ich es hiermit wieder gut machen kann.
„Ja, es zählt noch...es hat eine riesen Bedeutung für mich!“ Er sieht mich schlagartig wieder an. Seine Mundwinkel ziehen sich nach oben und seine Augen beginnen zu strahlen. Ich drehe mich zu dem Lichtschalter, drücke ihn, um das Licht auszuschalten. Die Kerzen beleuchten uns. Ich greife zur Fernbedienung der Anlage, schalte auf das Lied von den Red hot chili peppers. „Ich habe mich auch total in dich verliebt. Lauri, I could die for you!“, lächele ich. So heißt das Lied und so fühle ich mich im Moment. Gegenüber Lauri und der ganzen Welt.
Er legt eine Hand auf meine Wange, zieht mein Gesicht somit näher zu seinem. Ich rutsche näher an ihn und unsere Lippen berühren sich immer wieder. Wir küssen uns leidenschaftlich und ich krieche auf seinen Schoß. Kurz lächeln wir uns an, dann küssen wir uns wieder und ich lasse meine Hände unter sein Hemd wandern. Doch weil es mich stört, knöpfe ich es langsam auf. Ich beginne oben, lasse dabei meine Zunge über sein Kinn bis zum Hals streifen. Küsse ihn sanft auf die freien Stellen zwischen den Hemdenseiten. Wie von alleine streift es von seinen Schultern. Als ich weiter mit ihm spielen will, dreht er den Spieß um. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Abend so enden wird, doch ich bin unheimlich glücklich mit dem, was hier passiert. Seine Berührungen machen mich irre und ich merke, dass ich ihm vertraue. Er geht sacht mit mir um, leidenschaftlich. Das hätte ich auch früher haben können...
„Ich könnte auch für dich sterben!“, haucht er mir ins Ohr, als wir in einer Decke eingekuschelt auf der Couch liegen. „Wir waren ganz schön hart!“
„Das kann ich nie wieder, ich bereue es so sehr!“ Ich sehe ihn entschuldigend an und er gibt mir einen Kuss.
„Mir tut es auch leid. Aber jetzt lass uns den Moment leben und genießen!“ Ich nicke und wir küssen uns.
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Schlagartig sitze ich im Bett. Dieser Traum war so real und ich bin verwirrt. Was habe ich alles zu ihm gesagt? Dass ich ihn liebe und dass ich für ihn sterben könnte. Ich war so glücklich, ich sah so gesund aus und jetzt ist wieder alles vorbei. Mein Wecker verrät mir, dass es vier Uhr nachts ist, oder besser gesagt Morgens. Ich schlage die Bettdecke zur Seite und steige aus dem Bett. Ich gehe zum Fenster, stütze mich auf das Fensterbrett. Wieder rinnen Tränen über meine Wangen. Warum bin ich so unglücklich? Ich weiß doch gar nicht, ob er mir wirklich nicht verzeihen würde. Und was ist, wenn er schon längst eine andere hat? Dann hätte er es mir gezeigt, aber so schätze ich ihn nicht ein. Ich greife zum Telefon und wähle seine Nummer. Doch es geht keiner ran. Mir schießt eine Idee durch den Kopf, es ist verrückt, aber ich ziehe mich an und mache mich auf den Weg zu ihm. Natürlich mit dem Auto.
Die Straßen sind wie leer gefegt, kein Mensch ist zu sehen. Gerade mal zwei Autos kommen mir entgegen. Als ich bei ihm vor der Tür stehe, denke ich, dass Melanie besser hätte bei mir bleiben sollen. Dann hätte sie mich abgehalten, hier her zu fahren. Doch nun ist es zu spät, ich habe schon geklingelt. Doch er scheint davon nicht aufzuwachen oder vielleicht ist er gar nicht da. Ich bleibe einige Minuten stehen, ich weiß nicht, auf was ich warte. Auf ein Wunder?
Zu allem Überfluss beginnt es auch noch zu regnen. Ich will nicht aufgeben, jetzt, wo ich mich schon so sehr aufgerappelt habe. Ich lehne mich an die Tür, lasse mich dann an ihr nieder. Der Regen wird stärker und tropft auf mein Gesicht, als ich nach oben sehe. Ich schließe meine Augen, bin kurz davor einzuschlafen...
...als plötzlich ein Auto anhält. Ich öffne die Augen, vernehme das Knallen einer Autotür, dann kommt jemand auf mich zu. Für ein paar Sekunden wird er von einer Laterne angeleuchtet.
„Lauri?“ Meine Stimme ist ein Flüstern und sie hört sich jammernd an.
„Ja?“ Er sieht mich an, doch er scheint mich nicht zu erkennen. Ich stehe von der kleinen Stufe auf und stehe direkt vor ihm. Er weicht geschockt ein paar Schritte von mir.
„Bitte höre mir zu!“, sage ich zu ihm und mustere ihn. „Es tut mir leid, ich habe das nicht so gemeint!“
„Warum hast du es dann gesagt? Weißt du eigentlich, wie weh so was tut?“ Ich nicke. „Kommst du mit hoch?“ Ich würde mich jetzt gerne freuen, ihn um den Hals springen, aber ich kann nicht. Ich nicke einfach wieder und folge ihm ins Haus, bis in seine Wohnung. In mir steigen wieder die Erinnerungen hoch.
„Ich hasse dich wirklich nicht!“, sage ich zu ihm, nachdem ich meine Schuhe und meine Jacke ausgezogen habe. „Ich...“ weiß nicht, was ich sagen wollte und weiter komme ich gerade auch nicht.
„Dann beweise es mir!“, flüstert er mir entgegen. Er kommt mit seinem Gesicht immer näher und wir küssen uns. Nach und nach fallen unsere Klamotten zu Boden und unser Weg führt ins Wohnzimmer. Fast so wie in meinem Traum. Nur sacht lässt er mich aus seinen Armen auf die Couch gleiten. Dabei öffnet er meinen BH, küsst meinen Hals und zieht mir ihn dann ganz aus.
Währenddessen wir es tun, fühle ich mich komisch. Auf einer Art bin ich glücklich damit, was hier vor sich geht. Aber ob es richtig ist, weiß ich nicht.
„An was kannst du dich noch erinnern?“, fragt er flüsternd und kuschelt sich an mich. Das war’s schon? Ich sollte aufhören zu denken.
„Wie, an was erinnern?“
„An letzte Woche, an unsere Küsse!“ Ich schlucke schwer.
„Na klar kann ich mich jetzt wieder an diese Küsse erinnern, warum?“ Ich sehe ihn fragend an.
„Nur so!“, grinst er und zieht mich weiter zu sich, damit wir es ein weiteres mal tun können.
 
Am nächsten Morgen wache ich auf dem Sofa auf. Ungläubig schüttele ich den Kopf, das kann nicht wahr sein, das kann nur ein Traum gewesen sein. Doch als ich mich umsehe, ist mir klar. Das hier ist die Wohnung von Lauri und ich habe wirklich mit ihm geschlafen.
„Guten Morgen!“ Er erscheint im Türrahmen und lächelt mich an. Warum habe ich das getan? „Hast du einigermaßen gut geschlafen?“, fragt er. Ich nicke, sehe ihn aber fragend an.
„Ich werde nach Hause fahren!“, sage ich und sehe auf die Uhr. Es ist schon mittags. „Ich weiß nicht, warum ich hergekommen bin.“
„Ich aber.“ Er versperrt mir den Weg und ich stehe wie starr gefroren vor ihm. „Du hast mir bewiesen, dass du mich nicht hasst!“ Auf seinen Lippen zeichnet sich ein teuflisches Grinsen ab. Er lässt mich immer noch nicht durch. Ich nehme seine Worte kaum wahr. Dann legt er seine Arme um meine Taille, zieht mich an sich. Er knabbert an meinem Ohrläppchen, doch ich stoße ihn von mir.
„Hör auf damit!“ Er sieht mich belustigt an. „Was willst du eigentlich? Dass dich alle Frauen dieser Welt lieben?“ Wieder grinst er, ich könnte schreien bei seinem Anblick.
„Vielleicht.“ Ich sehe ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Allerdings, ich habe dich angelogen!“, meint er plötzlich, als ich mir meine Schuhe und meine Jacke angezogen habe. Dann stehe ich wieder vor ihm und sehe ihn fragend an. „Als du so voll warst, da haben wir auch zusammen geschlafen!“ Ich sehe ihn geschockt an.
„Du spinnst, das denkst du dir jetzt nur aus. Warum auch immer!“ Ich sehe ihn böse an. Doch er lacht nur auf. Warum ist er so scheiße? Dreht er den Spieß jetzt um?
„Als hätte ich das nötig. Du hast ja erst nein gesagt und wolltest nicht, doch dann kamst du ins Schlafzimmer getorkelt und meintest, dass du mich doch willst. Warum sollte ich es mir entgehen lassen, ich stehe auf dich. Aber dann, als du meintest, du würdest mich hassen, da hast du so viel kaputt gemacht. Ich wusste nicht, dass du so zu bist... doch jetzt bereue ich alles. Außer das heute Morgen. Denn jetzt sage ich auch einfach zu dir, dass ich nicht auf dich stehe, dass du hässlich bist, dass du ne Niete im Bett bist und dass du ein verdammtes Biest bist, was später mal in die Hölle kommt!“ Ich sehe ihn an, seine Hauptschlagader kommt immer mehr zum Vorschein und ich habe das Gefühl, dass sie jeden Moment platzt. So wütend habe ich noch nie einen Menschen erlebt.
„Tschüß, ich gehe dann mal!“ Meine Stimme hört sich gegen seine wie ein Piepsen an.
„Ist auch besser so. ach, und noch was. Ich habe eine Freundin und sie wird gleich hier sein!“, grinst er. Er grinst mich siegessicher an. Ich drehe mich einfach nur um, stürme aus der Wohnung. Seine Sätze, die er zuletzt gesagt hat, hallen durch meinen Kopf. Immer und immer wieder. Ich steige in mein Auto, starte es. Ich fahre einfach los, in irgendeine Richtung. Mein Kopf ist nicht klar und ich höre immer nur die Stimme von Lauri. Mir ist gerade klar geworden, dass ich ihn unsterblich liebe. Bloß ob dieses „unsterblich“ stimmt, wird sich beweisen, denn ich rase direkt auf einen Baum zu...
 
Als ich aufwache spüre ich nur eins, Schmerzen. Meine Beine fühlen sich eingequetscht an. Doch so viel ich sehe, sind sie mit einer weisen Decke zugedeckt, wie auch mein restlicher Körper. Ich kann nicht klar denken und dieses Zimmer hier macht mich irre. Ich bin an lauter Geräten befestigt, mit Schläuchen und ich fühle mich unwohl.
Ich liege eine Weile wach, bis jemand in das Zimmer kommt. Ich sehe erst nur die Umrisse der Person, dann sehe ich sie nur verschwommen und als ich meine Augen schließe und wieder öffne, erkenne ich einen Arzt.
„Können Sie mich hören?“ Ich nicke. Sprechen kann ich nicht, noch nicht. „Sie sind im Krankenhaus. Können Sie sich noch erinnern, was passiert ist?“ Ich schüttele den Kopf. Aber natürlich kann ich mich noch erinnern. Ich wollte mich umbringen. Warum habe ich diesen Unfall überlebt?
„Sie hatten einen schweren Unfall. Doch sie hatten wirklich sehr viel Glück im Unglück. Denn Sie lagen über 14 Tage im Koma. Wir waren kurz davor, die Geräte abzuschalten!“ Ich nicke nur, bin unendlich traurig, dass sie es nicht getan haben. „Sie brauchen noch viel Ruhe. Aber draußen wartet Besuch. Ich lasse Ihre Freundin herein, okay?“ Wider nicke ich nur und die Tränen auf meiner Wange nehme ich kaum wahr. Wieso reden alle von einem Unfall? Ich wollte mich umbringen und ich kann mich an alles erinnern.
„Hallo Süße!“ Ich erkenne Mellie ´ s Stimme. Ich lächele, hoffentlich kann man es erkennen. „Wie geht es dir?“ Sie steht neben dem Bett und sieht mich mit verheulten Augen an. Sie klingt besorgt.
„Es geht!“ Meine Stimme ist hauchig und furchtbar leise. Doch sie nickt und streicht über meine Wange. Ich bin doch aber kein kleines Baby mehr.
„Ich hatte so furchtbare Angst, dich zu verlieren. Wie konnte das nur passieren?“ Ich weiche ihren fragenden Blicken aus. „Ich war an der Unfallsstelle.“ Ich höre, wie sie schluchzt. Auch mir rinnen noch mehr Tränen über die Wangen. Und ich sehe sie wieder an.
„Warum?“, frage ich. Mehr kriege ich nicht raus, doch ich hole ein weiteres mal Luft. „Warst du da?“ Ich huste kurz. Warum ist es so anstrengend zu sprechen?
„Ich wollte es mir ansehen, außerdem musste sich jemand um den ganzen Kram kümmern und ich habe das gemacht!“ Sie redet leise und bedeutend langsamer, als sonst.
„Danke!“, meine ich und lächele sie wieder an.
„Warum hast du das getan?“, fragt sie dann plötzlich lauter. Ich sehe sie geschockt an, doch wie kann sie wissen, dass ich... „Es war kein Unfall, stimmt´ s?“ Ich nicke und sehe dann beschämt weg. Ja, jetzt schäme ich mich dafür. „Ich dachte, du hast diese Phasen nicht mehr!“, meint sie enttäuscht.
Beide sagen wir nichts mehr. Ich sehe aus dem Fenster, kann außer den Wolken nichts erkennen.
„Es hätte dich bei Nahe das Leben gekostet!“ Ich zucke leicht mit den Schultern, es tut zu sehr weh.
„Wäre doch auch egal!“ Ich huste einmal kräftig und bin der Meinung, jetzt besser sprechen zu können.
„Wäre es nicht. Ich will den Grund wissen!“ Ich sage nichts. Sehe sie nur durchdringlich an. „Lauri?“
„Nein!“ Meine Stimme ist deutlich lauter. Ich will nicht, dass sie zu ihm rennt und ihm Vorträge hält. „Weiß er, dass ich hier bin?“ Sie nickt.
Nach einer Weile muss sie wieder gehen. Und ich liege wieder nutzlos hier rum. Ich frage mich, wer mein Schutzengel war. Vielleicht Mike, doch ich bin ihn noch nicht mal dankbar. Er ist damals bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er war meine erste große Liebe und vergessen werde ich ihn nie. Und wahrscheinlich wollte er nicht, dass ich sterbe.
 
Schon am nächsten Tag werde ich auf eine andere Station verlegt. Als es am Nachmittag an der Tür klopft, schrecke ich ein wenig hoch. Meine Zimmernachbarin reagiert nicht.
„Hallo!“ Lauri steht plötzlich vor mir und sieht mich traurig an.
„Hallo!“ Ich lächele ihn an. Mein Herz schlägt immer schneller und ich kann nicht begreifen, was gerade in mir vorgeht. Habe ich irgendwas verpasst?
„Wie geht es dir?“, fragt er und nimmt meine Hand in seine.
„Wieder besser!“, meine ich und wehre mich nicht dagegen, dass er meine Handfläche mit seinem Daumen streichelt. „Weißt du, wann ich gehen darf?“ Er schüttelt den Kopf.
„Wir haben uns große Sorgen um dich gemacht!“, sagt er und sieht mich mit feuchten Augen an. Ich kann seinem Blick nicht standhalten.
„Du auch?“, frage ich ungläubig. „Obwohl ich so ne Show mit dir abgezogen habe?“ Er nickt.
„Wir waren beide nicht fair und es ist traurig, dass erst so was passieren musste, ehe ich aufwache!“ Ich sehe ihn fragend an.
„Was hat denn der Unfall mit dir zu tun?“, frage ich.
„Ich bin nicht blöd. Es ist genau nach deinem Besuch bei mir passiert. Ich habe dir die übelsten Beleidigungen an den Kopf geschmissen und es tut mir wahnsinnig leid, weil es dich bei Nahe das Leben gekostet hätte!“ Ich kann mich nicht mehr zurückhalten und weine los. Er legt eine Hand auf meine Wange und streicht drüber. „Ich finde dich nicht hässlich und du bist auch kein Biest. Im Gegenteil, ich mag dich total und deine einerseits kalte Art macht einen echt an!“ Ich grinse leicht.
„Du bist so ein Spinner, aber ich bin froh, dass du hier bist. Ich will aber nicht, dass du dir die Schuld gibst!“ Er nickt und gibt mir einen sanften Kuss auf die Wange. „Ich mag dich auch!“
„Ich gehe mal fragen, wie lange du noch bleiben musst, okay?“ Er lässt meine Hand los und ich sehe ihm nach. Wie verrückt ist das denn? Er ist mir gerade so sehr ans Herz gewachsen. Er ist so lieb, obwohl ich das gar nicht verdient hätte!
Nach einer Weile erscheint er wieder im Zimmer und lächelt mich an.
„Der Arzt meinte, mindestens noch eine Woche. Sie haben noch ein paar Untersuchungen mit dir vor!“ Er nimmt wieder meine Hand und sieht mich mitleidig an.
„Hm, na ja, kann ich nichts gegen machen!“, lächele ich. „Kommst du mich bald wieder besuchen?“
„Ich weiß noch nicht, wenn die Jungs mich gehen lassen. Wir sind im Moment eigentlich im Studio, aber ich bin für einen Tag hergeflogen!“, erzählt er.
„Du bist wegen mir hergekommen?“, frage ich überrascht. Er nickt. „Das ist so lieb von dir, danke. Dann sag doch den Jungs liebe Grüße und sie müssen dich nicht ein weiteres Mal gehen lassen. Mach mal schön deine Arbeit, ich komme schon klar!“ Ich freue mich innerlich so sehr, dass er wirklich wegen mir hergekommen ist. Immerhin sind sie im Moment in Stockholm.
„Meinst du? Aber wenn du aus dem Krankenhaus bist, kommst du dann nach Stockholm?“ Ich sehe ihn fragend an. Wie soll ich das denn machen? „Naja, du hast doch dann erst mal frei und ich erledige das alles soweit. Du musst nur deine Sachen packen und in ein Flugzeug steigen!“
„Wenn du unbedingt willst, dann komme ich gerne und wenn der Arzt es mir erlaubt!“
„Schisshase!“, meint er zu mir und ich sehe ihn beleidigt an. „Nein, Quatsch, ich verstehe dich schon. Du willst ja schnell wieder gesund werden!“ Ich nicke zustimmend.
„Wann fliegst du denn zurück?“, frage ich und mustere ihn. Ich kann es immer noch nicht begreifen, wie lieb wir plötzlich miteinander umgehen, aber ich genieße es und hätte nichts dagegen, wenn es dabei bleibt.
„Heute Abend. Soll ich bis dahin hier bleiben?“
„Ach, lass mal. Ist doch langweilig hier bei mir!“, antworte ich.
„Solange du hier bist, ist es nicht langweilig. Außerdem habe ich irgendwie den Bedarf, dir viel zu erzählen und zu erklären!“ Ich sehe ihn erwartungsvoll an. „Es geht um meine Ex- Freundin und so was halt!“ Ich nicke nur und so erzählt er mir bis zum Abend von der Trennung von seiner Ex, Miiri und allem mögliche, was so passiert ist.
 
„Ich wünsche dir viel Spaß. Nehmt ihr eigentlich Songs für ein neues Album auf?“, frage ich.
„Eigentlich schon, bloß irgendwie sind wir gerade im Tief und deshalb wollen wir noch eine weitere Tour machen!“ Er steht vom Stuhl auf, stellt ihn wieder an den Tisch und kommt dann wieder zu mir. „Bis dann, ich werde dich vermissen!“, flüstert er und beugt sich zu mir runter, um mir ein Küsschen zu geben. Für diesen kurzen Moment schließe ich meine Augen, genieße seine Lippen auf meinen, viel zu kurz.
„Ich dich auch, bis dann. Ich melde mich dann!“, lächele ich traurig. Als er aus dem Zimmer verschwunden ist, bin ich unendlich traurig. Er wirkte immer noch ziemlich verletzt. Ich habe die Liebe in ihm, die er für mich empfand kaputt gemacht und das tut mir so weh.
 
Weitere drei Tage vergehen und die letzte Untersuchung habe ich heute hinter mich gebracht. Morgen erfahre ich, wann ich hier endlich raus darf. Ich sehe aus dem Fenster, es wird langsam dunkel. Da meine Zimmernachbarin schon gehen durfte, bin ich jetzt alleine, doch es klopft plötzlich an der Tür.
„Hallo Schnecke!“ Mellie kommt halb ins Zimmer gestürzt. „Na, alles klar?“
„Ja, ich denke schon.“, lächele ich.
„Lauri war ja wieder hier, stimmt´ s?“
„Wieso wieder?“, frage ich entgeistert. „War er hier, als ich im Koma lag?“
„Ja, hat er dir das nicht erzählt?“ Ich schüttele nachdenklich den Kopf. So viel hat er mir erzählt, aber dass er hier war nicht. Warum? Langsam verstehe ich ihn gar nichts mehr. „Ihn nimmt das ziemlich mit. Nun die Frage an dich. Hat er wirklich nichts mit dem Unfall zu tun?“
„Nein, hat er nicht. Ich habe den Unfall gemacht und nicht er, okay?“ Ich klinge sauer. „Er soll sich keine Schuld geben, das weiß er und ich habe es ihm auch gesagt. Ich habe doch mit der Scheiße angefangen und er hat es mir nur heimgezahlt!“, meine ich wieder normal.
„Und was ist das jetzt zwischen euch?“
„Freundschaft!“, antworte ich schnell.
„Und was ist vor dem Unfall gelaufen?“, fragt sie und ich weiche ihren Blicken aus um mit einem „nichts“ zu antworten. „Das glaube ich dir nicht. Warum lügst du mich schon so lange an? Bist du zu stolz zuzugeben, dass du ihn liebst? Dass du in einen Rockstar verliebt bist, den du anfangs nicht leiden konntest?“ Mir laufen Tränen über die Wangen.
„Das wird es wohl sein!“, schluchze ich und sehe sie verheult an. „Aber er war der jenige, der mich zuerst toll fand und jetzt muss ICH ihn mir aus den Kopf schlagen!“
„Wie willst du das schaffen?“, fragt sie und sieht mich skeptisch an.
„Ich kann doch mit ihm befreundet sein.“, meine ich.
„Wenn ich wüsste, was ihr alles angestellt habt, dann könnte ich mir eine Meinung bilden, aber so?“
„Wir haben zwei Mal miteinander geschlafen!“, platzt es aus mir raus.
„Krass, wieso das denn?“ Wieso? Na sie stellt Fragen.
„Ist doch jetzt auch egal. Aber ich kann das vergessen. Ich will erst mal wieder auf die Beine kommen und dann weitersehen!“ Vergessen? Ich bin echt gut. Im Moment habe ich keine Ahnung wie.
„Ich frage mich, wie du das anstellen willst. Immerhin hat er dich nach Stockholm eingeladen und meinst du, er will NUR Freundschaft?“ Muss ich hier jetzt diskutieren?
„Ja, nach alle dem, was ich mit ihm gemacht habe!“, meine ich traurig.
„Ich verstehe nicht, wie ihr miteinander geschlafen habt, obwohl ihr euch nicht leiden konntet!“
„ICH konnte IHN nicht leiden und habe deshalb zu ihm gesagt, dass ich ihn hasse und weil es mir so sehr leid tat, bin ich zu ihm und er meinte, ich solle es ihm beweisen. Dass es halt nicht so ist. Als ich dann am nächsten Mittag gegangen bin, hat er mir erzählt, dass das nicht das erste Mal zwischen ihm und mir war. Als ich mit ihm rumgeknutscht habe, als ich so betrunken war, da war viel mehr, als an das ich mich erinnern konnte. Daraufhin hat er mich dann einfach mal runtergemacht, ich bin ins Auto gestiegen und gegen einen Baum gefahren!“ Ich hole tief Luft. „Jetzt weißt du alles, bist du nun zufrieden?“
„Boah, was habt ihr gemacht? Dass ihr euch noch in die Augen sehen könnt!“, meint sie fassungslos.
„Ich hätte das nicht getan, wenn ich nicht doch ein bisschen für ihn empfinden würde! Ich hoffe, dass wir noch mal von vorne anfangen können!“, seufze ich und Mellie sieht mich ermutigend an.
„Bestimmt, denn er ist ja auch nicht gerade ein Engel, wie man so hört!“ Beide lachen wir.
„Was ist mit dir und Aki?“, frage ich und wechsele somit mal das Thema. „Ich habe ja viel verschlafen!“
„In diesem Thema nicht!“, grinst sie. „Er mag mich und auch ich ihn. Vielleicht verbindet uns zu wenig. Wenn ich mir dich und Lauri ansehe. Wie lange kennt ihr euch und was habt ihr alles erlebt?“ Sie denkt einen Moment nach. „Ich glaube, er ist zu romantisch, du weißt doch, dass ich so nicht drauf bin!“ Sie seufzt und sieht mich hilfesuchend an.
„Ich glaube, da kann ich dir nicht helfen. Aber kann es ein, dass es da jemand gibt, der dir eher zustimmt. Sonst hättest du dich nicht so schnell von Aki losgerissen!“ Sie grinst bis über beide Ohren.
„Ja, aber das ist noch so frisch und ich habe Angst, dass er mir weh tun könnte!“ Ich seufze.
„Das kann dir bei jedem passieren und das ist auch so ein Grund, der mich davon abhält...“ Ich rede nicht weiter, ich halte es gerade für besser.
„Von was abhält? Mit Lauri was anzufangen?“. Grinst sie. Ich nicke nur schüchtern.
„Er hat mit so vielen Leuten zu tun. Ich wäre einfach zu eifersüchtig, aber andererseits...“ Ich überlege, ob ich ihr das wirklich sagen sollte. Aber wem sollte sie es schon verraten? „...liebe ich ihn!“, spreche ich zu Ende und ich habe das Gefühl, meine beste Freundin fliegt vom Stuhl.
„Das ist ja geil, jetzt wirklich? So mit Schmetterlingen im Bauch und so?“, fragt sie aufgeregt. Ich nicke nur und könnte mich gleichzeitig ohrfeigen. Ich wollte es gar nicht wahr haben, aber scheiße, ich liebe diesen Vogel, der einfach nur nett und total lieb ist.
„Aber mache daraus jetzt nicht weiß ich was. Ich muss doch erst mal sehen, wie er es sieht. Er hat ganz schön an der Trennung von seiner Ex zu knabbern. Hast du die mal gesehen?“, frage ich angewidert. Mellie schüttelt den Kopf und freut sich immer noch. „Die ist blond, hat aufgeblasene Titten und eine Haut, wie Kacke.“
„Das solltest du nicht vor Lauri sagen. Tröste ihn lieber!“ Beide grinsen wir uns an. „Aber nicht zu heftig TRÖSTEN!“
„Hey, hör auf. Das ist gemein!“, meine ich beleidigt. Sie verarscht mich schon wieder.
„Weißt du, was noch gemein ist?“, meint sie plötzlich sauer. Ich sehe sie fragend an. „Er hat mir von der netten Schwester erzählt, die ihn immer so gut verarztet hat, weil er wusste, dass wir befreundet sind!“ Ich sehe sie ungläubig an. „Ja, der hat uns öfter gesehen und hat das cleverer Weise ausgenutzt!“ Beide lachen wir plötzlich los.
„Wir sind auch dumm. Warum sonst sollte er dir so was erzählen? Wir sind so blöd!“, stelle ich fest und lache so doll, dass es mir bald sehr weh tut.
 
Die letzten Tage im Krankenhaus waren deutlich entspannter und mit meinen Besuchern sehr lustig. Auch Tanja hat mich besucht und gemeint, ich solle mich in Ruhe auskurieren.
Ich stehe mit meinem Gepäck vor unserer Wohnung und klingele. Als Melanie die Tür öffnet, fällt sie fast in Ohnmacht.
„Hey Süße, welcome back!“, kreischt sie und umarmt mich stürmisch.
„Hallo!“, bekomme ich nur raus und gehe mit ihr in die Wohnung.
„Warum hast du mir nicht bescheid gesagt, dann hätte ich dich abgeholt!“, meint sie aufgeregt.
„Ist doch gut, beruhige dich doch mal. Was ist denn los?“ In diesem Moment erscheint Tim.
„Oh, hallo. Du bist also der Freund meiner besten Freundin!“, stelle ich lächelnd fest und mustere ihn. „Sei ja lieb zu ihr, sonst bekommst du es mit mir zu tun!“, sage ich ernst. Er sieht mich komisch an und wird dann von Mellie in Beschlag genommen.
„Hör auf zu spinnen!“, lacht sie und ich verschwinde humpelnd in meinem Zimmer. Mein Bein tut immer noch höllisch weh, aber es tut gut, wieder zu Hause zu sein.
Ich liege eine Weile auf meinem Bett, als es an der Tür klingelt.
„Mach mal auf!“, rufe ich und höre daraufhin ein Kichern. Dann höre ich Stimmen. Hm, wer ist das? Ich schließe genervt die Augen, doch dann klopft es an meiner Zimmertür. „Ja?“ Ich höre, wie die Tür aufgeht und jemand eintritt. Ich lasse meine Augen geschlossen, lausche den Schritten. Als ich Männerparfüm rieche, schrecke ich auf und sitze schlagartig im Bett.
„Hallo Süße!“ Lauri steht vor dem Bett und grinst mich an. Hinter seinem Rücken versteckt er was.
„Hei!“ Ich strahle ihn an und klettere vorsichtig aus dem Bett, um mich vor ihn zu stellen.
„Hier, die sind für dich!“, sagt er und hält mir einen wunderschönen Blumenstrauß unter die Nase.
„Dankeschön!“, strahle ich wieder, nehme ihm den Strauß ab und umarme ihn. Er legt seine Hände auf meinen Rücken und ich verspüre sofort die Wärme, die von ihm ausgeht. „Was machst du eigentlich hier?“, frage ich dann und sehe ihn an. Ich könnte mich in seinen Blicken verlieren, vor allem seine Augen sind was ganz besonderes.
„Ich wollte dich eigentlich gleich hier begrüßen, aber ich bin heute aus Stockholm gekommen und hatte noch keine Zeit, tut mir leid!“
„Es freut mich doch auch so, dass du hier bist!“ Ich gebe ihm ein Küsschen auf die Wange. „Hast du heute was vor, oder würdest du mit mir irgendwo hinhumpeln?“ Er lacht.
„Ja, klar, Gehhilfen hast du ja!“, meint er dann ernst.
„Dachtest du, sonst müsstest du hinhalten?“, frage ich und er nickt. „Spinner, als würde ich dir so was antun!“, lächele ich und unsere Blicke treffen sich.
„Ist schon komisch mit uns beiden, oder?“, flüstert er dann. Ich nicke.
„Wir werden ja sehen, was die Zeit so mit sich bringt!“, meine ich dann und weiche seinen Blicken aus. „Aber sag mal, warum hast du mir nicht erzählt, dass du bei mir warst, als ich im Koma lag!“ Plötzlich sieht er mich mit feuchten Augen an.
„Ich dachte, es würde dich nicht interessieren. Ich habe nicht gedacht, dass wir uns jemals noch verstehen könnten!“, gibt er zu. „Außerdem habe ich mir solche Vorwürfe gemacht. Ich dachte, du wirst sterben und damit bin ich nicht klar gekommen!“
Wir setzen uns auf mein Bett und quatschen noch ziemlich lange, anschließend verlassen wir zusammen die Wohnung, um ein bisschen bummeln zu gehen. Er bringt mich am Abend noch nach Hause und wir machen uns gleich aus, wann wir gemeinsam nach Stockholm fliegen und als er weg ist, versuche ich rumzuhüpfen. Doch es ist noch zu schmerzhaft und wahrscheinlich werde ich auch in Schweden noch mit Gehhilfen laufen müssen!
 
„Na, alles klar?“, fragt mich Mellie, als ich mich neben ihr auf der Couch niederlasse. Ich nicke und sehe sie glücklich an. „Ihr habt viel geredet, oder?“
„Ja und das war wunderbar. Er ist echt irgendwie anders!“, schwärme ich und erschrecke mich über mich selbst.
„Das hast du bisher immer gesagt, aber ich glaube dir das bei Lauri. Der hat was, was man aber erst entdecken muss...denke ich!“ Ich seufze und sehe sie verzweifelt an. „Warte doch erst mal, wie er in Stockholm so mit dir umgeht und dann rückst du raus mit der Sprache!“ Ich lächele.
„Ich glaube, so verknallt war ich nur damals in Mike!“, meine ich traurig.
„Der Unfall hat dich wieder an alles erinnert, oder?“ Ich nicke und merke, wie feucht meine Augen werden.
„Es ist jetzt schon wieder ein paar Jahre her, aber vergessen kann ich ihn einfach nicht. Ich frage mich immer, was wäre, wenn er noch leben würde. Ob ich noch mit ihm zusammen wäre und ob wir vielleicht sogar verheiratet wären!“ Mir rollt eine Träne über die Wange. „Aber er war mein Schutzengel, er wollte nicht, dass ich sterbe und dafür bin ich ihm dankbar!“ Melanie lächelt mich verständnisvoll an.
„Nun sehe nach vorne, das wird schon. Ich drücke dir ganz doll die Daumen. Er muss dich einfach lieben, du tust es doch auch und außerdem hat er genau so viel Mist gebaut!“
 
Am Tag der Abreise muss ich immer wieder an ihre Worte denken. Klar hat Lauri mir auch weh getan, aber doch nur, weil ich es auch tat. Wir waren beide dumm.
„Hallo meine Süße!“, begrüßt er mich auf dem Flughafen und umarmt mich kräftig.
„Hei Lauri!“, meine ich nur, weil ich mich fühle, als würde er mich erquetschen.
„Sorry, das mit dem ´Süße´ war nicht so gemeint, bist ja nicht meine!“, sagt er verlegen.
„Nicht so schlimm...“ meine ich. „...kann ja noch werden!“, nuschele ich. Bin mir aber nicht sicher, ob er das jetzt gehört hat, oder nicht. Hoffentlich nicht...

Im Flugzeug schläft er die ganze Zeit nur. Ich frage mich, was der nachts macht. Oh, das ist jetzt kein guter Gedanke. Doch gerade dieser Gedanke hat in mir Erinnerungen hervor gerufen. Ich kann mich an die zweite Nacht mit ihm ganz genau erinnern. Er war total lieb und leidenschaftlich, obwohl ich zu ihm so hart war. Doch er wusste auch, womit er mich in den Wahnsinn treiben konnte. Ich hätte nichts gegen eine weitere Nacht einzuwenden, aber diesmal nur mit echten Gefühlen.

 

Am nächsten Morgen wache ich neben ihm im Bett auf. Ich sehe ihm beim Schlafen zu und bin fasziniert. Seine feinen Gesichtszüge, seine verkräuselten Haare und der liebliche Gesichtsausdruck. Ich mustere seine Lippen, streiche dann mit meinem Zeigefinger darüber. Wage es mich, die Konturen mit meinem Finger nachzumalen. Ich rücke mit meinem Gesicht immer näher zu seinem, lege meine Lippen auf seine. Als er anfängt zu blinzeln, lasse ich von ihm ab und sehe in seine grünen Augen.

„Guten Morgen, Lauri!“, wünsche ich ihm.

„Morgen, hast du gut geschlafen?“ Ich nicke grinsend.

„Neben dir lässt es sich gut schlafen!“, lächele ich. „Ich habe dich eben beobachtet!“

„Ich weiß!“ Er nimmt seinen Zeigefinger, legt ihn mir auf die Lippen und fährt die Konturen nach. „Ich habe alles mitbekommen!“, lächelt er und ich fühle, wie sich die Röte in meinem Gesicht ausbreitet. Er kommt mir gefährlich nahe, legt seine Lippen auf meine, lässt dann seine Zunge über meine Lippen fahren. Ich schließe die Augen, gewähre ihm Einlass und lasse meine Zunge um seine kreisen.

„Willst du das wirklich?“, frage ich ihn. Er nickt und funkelt mich an. Dann fängt er an, mich wild zu küssen, wird dann aber sanfter und ich könnte in diesem Moment für ihn sterben...

„Ich habe gehört, was du gestern am Flughafen in Helsinki genuschelt hast... ich nehme das jetzt einfach mal ernst!“, grinst er und legt einen Arm um mich. Ich kuschele mich an ihn, ich bin so glücklich.

„Du hast es also doch gehört...“, flüstere ich und sehe ihn dann kurz an. „...und von mir aus bin ich jetzt DEINE Süße! Ich habe mich nämlich so sehr in dich verliebt, ich halte das selber kaum aus!“

„So was hat ja noch nie jemand zu mir gesagt!“, stellt er fest und küsst mich auf die Stirn.

„Aber was soll ich sagen? Ich war die ganze Zeit in dich verliebt...“, meint er traurig. Ich sehe ihn geschockt an, hoffe, dass er weiterredet. „...und ich bin es immer noch. Du bist so süß, lieb und einfach nur atemberaubend!“, schwärmt er und ich gebe ihm einen flüchtigen Kuss.

„Und du bist sehr clever. Du hast Mellie was von mir vorgeschwärmt und wusstest ganz genau dabei, dass ich ihre Freundin bin!“, grinse ich, sehe ihn dann aber beleidigt an.

„Irgendwie musste ich das ausnutzen, aber ist doch jetzt auch egal. Wir sind hier zusammen und das kann keiner kaputt machen!“ Ich nicke und wir küssen uns noch mal ausgiebig, bevor wir aufstehen.

 

„Dann wollen wir mal, die Jungs warten schon im Studio!“ Ich nicke ihm zu und mir ist ein bisschen unwohl.

„Sollen sie von uns wissen?“, frage ich dann und sehe ihn vorsichtig an.

„Ich denke, wir sagen es noch nicht. Ein bisschen heimlich ist doch auch schön, oder?“ Ich grinse und nicke ihm zu.

„Du bist mir auch schon so heimlich!“, lache ich und humpele zu meinen Gehhilfen. „Aber mir ist es auch erst mal angenehmer. Wir müssen ja erst mal Freunde werden, stimmt´ s? Also bevor wir was anfangen können!“, sage ich bestimmt und beide lachen wir dann.

„Ach, du bist so süß!“, lächelt er mich an.

„Du auch!“, flüstere ich, als ich vor ihm stehe und küsse ihn kurz.

„Lass uns gehen, sonst sind wir nicht lange NUR Freunde für meine Kumpels!“ Ich kichere vor mich hin, er bringt mich auch mit jeder Scheiße zum Lachen. Aber ich bin einfach so froh, mit ihm hier zu sein. Es ist unbeschreiblich und so grinse ich die ganze Zeit vor mich hin. „Du Grinsebacke ey. Das darfst du vor meinen Freunden auch nicht machen !“ Ich sehe ihn beleidigt an.

„Ich werde mich jawohl noch mal darüber freuen dürfen, dass ich jetzt einen besten Kumpel habe!“

„Wen? Mich?“, fragt er.

„Nee, Aki!“, antworte ich und lache.

„Echt?“, fragt er wieder und ich frage mich, was er genommen hat, dass er nichts kapiert.

„Nein, natürlich du und jetzt sei einfach ruhig, sonst lache ich mich noch tot!“

„Dann hätte ich eine Sorge weniger!“ Ich sehe ihn wieder beleidigt an und rede bis zum Studio kein Wort mehr mit ihm. „War doch nur ein Scherz!“

 

Im Studio zeigt er mir sämtliche Räume und ich frage mich, wozu diese ganzen Geräte gut sein sollen.

„Und jetzt gehen wir zu den anderen!“ Er sieht sich kurz um und küsst mich dann kurz. Ich sehe ihn verwirrt an und er lächelt, dann betreten wir einen Raum, der durch eine Glasscheibe getrennt wird. Ich sehe mich kurz um und begrüße dann Eero, Pauli und Aki.

„Alles klar?“, fragt Lauri freudestrahlend. Da werden seine Kumpels ja gar keinen Verdacht schöpfen.

„Ja, bei uns immer!“, antwortet Aki und sieht von mir zu Lauri und wieder zurück. „Bei euch auch?“, fragt er dann grinsend. Ich nicke und fühle mich ziemlich unwohl.

„Hör auf zu grinsen. Darf man nicht mal seine beste Freundin mitbringen?“, fragt Lauri dann ärgerlich an Aki gerichtet.

„Ach so? Ihr seid beste Freunde? Sorry, konnte ich ja nicht wissen!“, meint Aki und redet dann mit Eero. Pauli beginnt ein Gespräch mit Lauri und ich höre den beiden zu.

 

Weil die vier beschlossen haben, dass sie die Aufnahmen vorerst beenden, gehen wir zu fünft was trinken.

„Das heißt also, dass ihr jetzt eine weitere Tour macht?“, frage ich und sehe Lauri traurig an. Ich kann mir die Frage nicht verkneifen.

„Ja, wenn es mit Dead Letters in anderen Ländern klappt, dann schon.“, erklärt Pauli.

„Habt ihr schon mal in Deutschland was veröffentlicht?“, frage ich und alle nicken.

„Ein Lied und auch ein Album, voll geflopt!“, lacht Lauri und ich sehe ihn verwundert an. „Das hat bestimmt an meinen blonden Haaren gelegen!“ Auch die anderen lachen.

„Blonde Haare? Du?“, frage ich lachend. Er nickt mir zu. „Wir sind sogar aufgetreten, aber so wirklich war das kein Erfolg!“

„Hm, schade. Wollt ihr es trotzdem versuchen?“

„Ja klar, eine Single ist gerade rausgekommen!“ Wow, Eero redet mit mir. „Weiß jemand, auf welchem Platz die gelandet ist?“

„Auf einem guten, hat mir jemand gesagt!“

Nachdem das Thema dann besprochen war, fragte Aki nach, ob da nicht doch was zwischen Lauri und mir laufen würde. Beide verneinten wir die Frage.

 

Um kurz nach Mitternacht machen wir uns auf den Weg ins Hotel.

„Aber ihr habt ein Zimmer zusammen!“

„Aki, du bist so schlau!“, grinse ich und er sieht mich beleidigt an. „Natürlich haben wir das!“

In der Lobby verabschieden wir uns von den drein und verschwinden dann schnell im Zimmer. Ich bin erstaunt, dass Lauri nicht so viel getrunken hat, was er sonst angeblich immer macht.

Er schließt die Tür hinter uns und beginnt, mich zu küssen. Er zieht mir die Jacke aus und fährt mit seinen Händen unter meinen Pullover.

„Ist was?“ Er sieht mich fragend an. Ich nicke und löse mich von ihm, dann lasse ich mich auf dem Bett nieder. „Was ist denn?“ Er setzt sich neben mich.

„Ich weiß nicht...“ Ich denke einen Moment nach und rede dann weiter. „...ich habe Angst, irgendwie!“ Er umschließt meine Hand mit seiner und mustert mich von der Seite.

„Ich doch auch, aber ich weiß, dass ich die Zukunft mit dir zusammen erleben will. Du musst mir sagen, wenn du das nicht möchtest!“, sagt er leise. Ich sehe ihn an und lächele.

„Natürlich möchte ich das auch, aber ich habe so schreckliche Angst vor der Zeit, wo du auf Tour bist. Ich werde ganz alleine sein, obwohl ich dich doch gerade jetzt so sehr ins Herz geschlossen habe!“ Mir läuft eine einzelne Träne über die Wange. „Können wir nicht noch warten, bis die Tour zu Ende ist?“

„Süße, die Tour hat doch noch gar nicht angefangen und danach wird es noch einige geben, wenn alles glatt läuft. Wir können doch telefonieren.“ Er redet beruhigend auf mich ein, doch diese Gedanken wollen nicht verschwinden. „Warum kannst du nicht den Moment genießen? Ich dachte, du findest es auch schön, dass du hier mit mir bist!“, sagt er plötzlich total sauer. Ich sehe ihn erschrocken an und verschwinde im Bad, nachdem ich meine Schuhe in die nächste Ecke geschmissen habe.

Ich dusche fast eine halbe Stunde und versuche, heraus zu finden, was ich nun eigentlich will. Es war wieder so klar, dass ich nicht im hier und jetzt leben kann und so denke ich mir schon wieder fast, dass ich diesen Unfall nicht hätte überleben sollen. Ich sollte einfach mal genießen und diese wunderschöne Zeit mit Lauri als ein Geschenk betrachten.

 

„Entschuldigung!“ Ich komme aus dem Bad und er steht vor mir. „Ich wollte das nicht so giftig sagen!“, meint er traurig und sieht mich an.

„Ist schon okay. Du hast ja Recht. Ich mache mir zu viel Gedanken über die Zukunft, anstatt mal den Moment zu genießen. Tut mir leid!“ Ich lege meine Arme um ihn und er zieht mich noch fester zu sich.

„Weißt du, vor nicht all zu langer Zeit dachte ich noch, du wirst sterben und ich könnte dir nie meine Liebe gestehen. Doch ich habe es trotzdem gemacht und kurz darauf bist du aus dem Koma erwacht. Als ich das erfahren habe, da war ich so glücklich. Ich wäre einfach nur froh, wenn du mir das jetzt zurückgeben würdest. Es hat mich Kraft gekostet!“ Ich löse mich aus seiner Umarmung und lege meine Hände auf seine Wangen.

„Ich verspreche es dir. Ich tue mein Mögliches, okay?“ Er nickt mit Tränen in den Augen und ich küsse ihn. Er erwidert den Kuss und in meinem ganzen Körper verspüre ich ein Kribbeln.

„Ich liebe dich!“, haucht er mir ins Ohr und ich bekomme eine Gänsehaut.

„Ich dich auch!“ Ich sehe ihn mit strahlenden Augen an. Auch er sieht mich glücklich an und zieht mich mit auf das Bett. „Wollen wir schlafen?“, frage ich und decke mich zu.

„Ich gehe nur noch schnell ins Bad und dann komme ich, okay?“ Ich nicke ihm zu und bin im nächsten Moment schon eingeschlafen.

 
Am nächsten Tag sitze ich am Mittag mit Pauli und Lauri in einem Restaurant. Wir haben gerade unser Essen bestellt und mir entgeht es nicht, wie Pauli abwechselnd Lauri und mich ansieht.

„Ist was?“, frage ich, als er mich wieder mustert. Er erschreckt ein wenig.

„Nein, eigentlich nicht!“, antwortet Pauli mir und grinst.

„Und warum ist nur EIGENTLICH nichts?“, fragt Lauri, der mal wieder nichts mitbekommen hat.

„Naja, ihr müsst ja wissen, ob da nicht vielleicht doch mehr zwischen euch ist!“ Ich schüttele den Kopf und sehe ihn ernst an.

„Wir werden schon mit der Sprache rausrücken!“, lächele ich. Es tritt Stille ein und auch bei dem Essen reden wir nicht miteinander. Mir entgeht es nicht, dass Lauri mir immer wieder traurige Blicke zuwirft. Nur leider kann ich ihn nicht fragen, warum er das tut.

„Ich werde euch mal alleine lassen!“, meint Pauli nach dem Essen und zieht sich seine Jacke über.

„Lass nur, ich bezahle das schon!“, meint Lauri, als Pauli gerade Geld auf den Tisch legen will.

„Cool, danke. Tschüß ihr zwei. Und... noch viel Spaß hier in Stockholm. Ich fliege ja heute mit dem Rest der Band wieder zurück!“

„Hm, schade. Viel Spaß in Helsinki!“, wünsche ich ihm noch.

 

„Hm, schade...!“, äfft Lauri mich nach, als Pauli verschwunden ist.

„Sag mal, was ist denn mit dir los? Hast du schlecht geschlafen, oder warum benimmst du dich heute so komisch?“, frage ich ihn sauer.

„Mann, du kotzt mich einfach an!“, meckert er los und leert sein Glas. Ich sehe ihn fragend an, doch anstatt mir eine Antwort zu geben, schmeißt er Geld auf den Tisch und stürzt dann aus dem Lokal. Ein paar Leuten ist das nicht entgangen und jetzt starren sie mich an. Danke Lauri!

 

Im Hotel sehe ich schon von weitem, wie Eero, Aki und Pauli ihre Koffer in die Eingangshalle schleppen.

„Hi Jungs!“

„Hallo!“, kommt es von Aki und Eero.

„Ich wünsche euch einen guten Flug und viel Spaß!“

„Danke!“ Ich umarme alle kurz und gehe dann zum Zimmer. Ich will nicht wissen, was jetzt wieder auf mich zukommt. Ich klopfe leicht und trete dann ein. Ich schließe die Tür hinter mir und will gerade auf das Bett zugehen, als Lauri aus dem Bad kommt. Gerade mal ein Handtuch hat er sich um die Hüften gewickelt und ich merke erst gar nicht, wie sehr ich ihn anstarre.

„Ist was?“, faucht er und trotz seinem bösen Blickes kann ich meine Augen nicht von ihm lassen. Die nassen Haare tropfen und kleben teilweise an seiner Stirn. So sexy habe ich ihn noch nie gesehen.

„Du siehst verdammt heiß aus!“, lächele ich und endlich lächelt auch er.

„Trotzdem bin ich irgendwie sauer!“, meint er und ich gehe auf ihn zu. „Aber du hast damit gar nichts zu tun!“ Er sieht mich wieder traurig an, so wie beim Essen. Ich gebe ihm einen flüchtigen Kuss und lege meine Hände auf seinen Oberkörper.

„Ist es was schlimmes? Darf ich es wissen?“, frage ich und kuschele mich an ihn.

„Die Tour fängt in vier Wochen an!“, sagt er traurig. „Ich dachte einfach, wir hätten mehr Zeit!“

„Darfst du mich nicht wenigstens mit nach Deutschland nehmen?“, frage ich und in seinem Gesicht geht schlagartig die Sonne auf.

„Natürlich, bloß ich wusste nicht, dass du das möchtest. Oh Baby, ich freue mich so!“ Er umarmt mich und küsst mich leidenschaftlich. Ich fühle dabei, wie er lächelt.

„Ich bin nicht dein Baby!“, meine ich und löse mich aus seiner Umarmung. „Pass lieber auf dein Handtuch auf!“, grinse ich.

„Ach, wieso?“, lächelt er verführerisch und zieht es sich extra noch tiefer.

„Lauri!“, quieke ich. „Zieh das wieder hoch, sonst... sonst falle ich in Ohnmacht oder sonst was passiert mit mir!“ Er lacht nur und schließt mich wieder in seine Arme. Dass ich ihm das Handtuch gerne vom Leib reißen würde, sage ich ihm lieber nicht. Ich will ihm nicht den Spaß verderben, mich damit zu provozieren.

„Ach, du bist so süß. Denkst du echt, ich mache am Mittag schon Striptease für dich?“, meint er machohaft und ich sehe ihn schmollend an. „Vielleicht später!“

„Damit hast du dich jetzt in was verrannt, das sage ich dir!“ Ich lache über ihn und verschwinde dann im Bett unter der Bettdecke.

„Na toll. Ich glaube, dass ich überhaupt gesagt habe, dass ich mit dir zusammen sein will, da habe ich mich schon in was verrannt!“, höre ich ihn sagen und tauche kurz auf.

„Du bist gemein!“, schmolle ich und vergrabe mich wieder unter der kuscheligen Decke und tue so, als würde ich schluchzen.

„Ach Schatzi, wieso nimmst du alles ernst?“ Ich merke, wie das Bett wackelt.

„Lass mich in Ruhe!“, sage ich gespielt beleidigt und merke, wie das Bett immer weiter wackelt. „Wir sind hier nicht auf dem Spielplatz, Herr... Herr Yldnen!“

„So hast du mich bei unserer ersten Begegnung genannt!“, sagt er und ich krieche unter der Decke vor.

„Ja, leider. Deine Anmeckere werde ich nie wieder vergessen!“, grinse ich.

„Pech, ich hatte halt einen schlechten Tag!“ Na das entschuldigt natürlich alles, Männer. Ich drehe mich zur anderen Seite. „Warum ist es hier kein Spielplatz?“, fragt er dann.

„Du wackelst die ganze Zeit hier rum!“ Und wieder, das war jetzt absichtlich.

„Was ich hier mache, ist nichts für Kinder!“, sagt er in einem strengen Ton.

„Was machst du da?“, frage ich und sehe verträumt zum Fenster. Das Wetter ist irgendwie beschissen, aber andererseits auch richtig genial, denn es regnet in Strömen.

„Ich sage dir nicht, was ich mache!“ Jetzt wackelt es in regelmäßigen Abständen.

„Du bist eine alte Sau, Lauri. Kannst du nicht ins Bad gehen oder sonst wo hin?“, frage ich angewidert und drehe mich zu ihm um. Er liegt auf dem Rücken und hat seine Hände auf den Bauch gelegt. Er hat sich in der Zwischenzeit eine Boxershorts angezogen. Ich lächele ihn an. „Wann fliegen wir eigentlich wieder zurück nach Helsinki?“, frage ich und er dreht sich zu mir.

„Ist mir egal, solange du bei mir bist, ist mir alles egal!“, lächelt er und kommt mir näher.

„Aber du musst doch wissen, wie lange du mit mir hier bleiben möchtest!“ Er seufzt.

„Vielleicht sollten wir mehr Zeit in Helsinki verbringen als hier!“ Er gibt mir einen Kuss und legt sich dann wieder hin. „Oder bist du da anderer Meinung?“ Ich schüttele den Kopf.

„Nicht wirklich... und jetzt komm her, ich will dich küssen!“, grinse ich und er gehorcht mir. „So ist lieb!“ Wir küssen uns eine Weile.

„Ich bin doch aber nicht dein Hund!“, stellt er beleidigt fest und ich streiche ihm übers Gesicht.

„Schade eigentlich!“ Er sieht mich beleidigt an und kuschelt sich dann an mich.

 

Die Tage in Schweden vergehen und so kehren Lauri und ich nach einem einwöchigen, gemeinsamen Urlaub wieder zurück. Mir hat der Urlaub sehr gefallen und ich bin jetzt wieder fit genug, um arbeiten zu gehen. Ich freue mich irgendwie darauf, doch andererseits weiß ich nicht, ob ich gegenüber meiner Kollegen die Beziehung zu Lauri erwähnen soll. Wir haben beide keine Lust, dass es Schlagzeilen gibt über uns, es wäre jetzt noch zu früh.

Zum ersten Mal seit einer Woche habe ich wieder alleine in einem Bett geschlafen, in meinem eigenen. Ich tapse ins Wohnzimmer, wo Melanie alleine sitzt und frühstückt.

„Guten Morgen!“, seufze ich und lasse mich in den Sessel fallen.

„Morgen!“, lächelt sie. „Bist ja gestern ziemlich spät gekommen!“, grinst sie. Ich nicke.

„Der Flug war ja auch erst um 22Uhr!“, meine ich.

„Achso. Du warst also gar nicht mehr bei Lauri?“, fragt sie verwundert.

„Nein, wieso sollte ich?“, frage ich und bin verwundert.

„Ich dachte, du meldest dich mal, wenn du in Schweden bist, aber anscheinend gab es da wichtigere Dinge und da würde mir jetzt spontan nur Lauri einfallen!“ Sie sieht mich grinsend an.

„Ja, du hast ja Recht. Aber es ist alles komplizierter, als ich dachte!“, gebe ich zu.

„Aber ich bin erst mal froh, dass ihr euch gefunden habt. War der Urlaub denn wenigstens schön?“

„Total, obwohl wir mehr gekuschelt haben, als uns ein bisschen Stockholm anzusehen!“, grinse ich.

„Ach kuscheln nennt man das neuerdings!“ Ich sehe sie beleidigt an.

„Es ist wirklich nicht mehr gelaufen. Das kann jawohl warten, auch wenn ich das vor einiger Zeit anders gesehen habe!“, sage ich. „Aber, was ist mit Tim und dir eigentlich?“

„Ich kann mich nicht beschweren!“, grinst sie. „Aber ich muss dir was sagen und dich was fragen!“

„Ihr wollt aber nicht heiraten, oder?“, platzt es aus mir raus und beide beginnen wir zu lachen.

„Nein, aber ich habe mir eine Wohnung gesucht, eine eigene. Sie ist nicht weit weg von hier und auch nicht weit weg von Tim´ s Wohnung!“, sagt sie traurig.

„Es war klar, dass es so kommt. Nur jetzt muss ich mir was überlegen, denn alleine kann ich die Wohnung nicht bezahlen. Sie ist für mich alleine zu groß!“ Ich bin zwar total traurig, dass ich dann nicht mehr mit Mellie zusammen wohne, aber dann gehen wir uns wenigstens nicht mehr auf den Keks. „Hm, dann bin ich ja ganz alleine!“, stelle ich fest und seufze.

„Du kannst doch Lauri fragen, ob er mit einzieht.“ Ich sehe sie komisch an. Daran habe ich nun überhaupt nicht gedacht. „Ich meine, mehr als nein kann er nicht sagen!“

„Das kann ich mir noch überlegen. Ich weiß doch gar nicht, ob sich da noch viel mehr entwickelt zwischen uns. In knapp drei Wochen gehen sie auf Tour und nach Deutschland fahre ich mit!“, sage ich und warte auf ihre Reaktion.

„Aber du hilfst mir doch noch mit der Wohnung, oder?“ Ich lächele und nicke.

„Ich frage auch Lauri, ob er mithilft.“

„Was ist, wenn ER auf die Idee kommt, mit bei dir einzuziehen?“, fragt sie und ich überlege.

„Ich würde ihm das sagen, was ich auch dir gesagt habe. Es ist einfach zu früh. Ich will mich erst mal nur mit ihm treffen und ihn noch besser kennen lernen. Obwohl es in Stockholm echt gut gelaufen ist, aber die anderen der Band wissen noch nicht, dass wir zusammen sind!“

„Was? Echt nicht? Das habt ihr ausgehalten?“, fragt Mellie und ich lache.

„Ich denke, mittlerweile wissen sie es auch. Der kann doch seine Klappe nicht halten, dieses Plappermaul!“, grinse ich und sehe verträumt aus dem Fenster.

„Der hat es dir echt angetan, so habe ich dich noch nie erlebt!“

„Echt jetzt?“, frage ich ungläubig. Mellie nickt. „Mir ist das gar nicht so bewusst, aber ich kann nicht abstreiten, dass es mir wieder richtig gut geht und das habe ich eigentlich nur Lauri und dir zu verdanken!“, lächele ich und umarme sie kurz. „Ich bin plötzlich wieder so froh, am Leben zu sein!“

„Das kann ich verstehen. Hast du Zweifel, dass es jetzt erst mal so bleibt?“, fragt sie.

„Keine Ahnung. Wenn Lauri mit The Rasmus auf Tour ist, dann wird es schon schwer. Aber andererseits habe ich hier auch meine Arbeit und meine Freunde!“ Beide lächeln wir uns an.

 

2 Wochen später fahre ich von der Arbeit nach Hause. Es ist der erste Tag, an dem ich alleine sein werde und ich denke, ich mache es mir schön gemütlich. Lauri ist im Proberaum und wirklich viel ist auch nicht passiert, außer dass der Tag der Abreise immer näher kommt. Ich freue mich auf ein paar Tage in meinem alten Heimatland. Ich werde meine Mum überraschen und auch ein paar alte Freunde.

Ich schließe die Tür auf und merke, dass sie nicht abgeschlossen war. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl, doch ich ziehe meine Schuhe und meinen Mantel aus und gehe dann ins Wohnzimmer. Mich trifft fast ein Schlag. Kissen und Decken liegen auf dem Boden, Kerzen erleuchten den Raum und überhaupt ist alles schick dekoriert. Ich spüre plötzlich zwei Hände auf meinem Bauch.

„Hallo Süße, gefällt es dir?“ Mir steigen Tränen in die Augen und ich bin ihm so dankbar, dass ich diesen Abend doch nicht alleine sein muss.

„Ja, es ist wunderschön!“ Ich drehe mich zu Lauri um und lege meine Hände in seinen Nacken. Für einen Moment ziehen mich seine Augen in einen Bann, doch dann lächele ich und küsse ihn sanft. Er erwidert den Kuss und ich spüre, wie ich am ganzen Körper eine Gänsehaut bekomme.

„Ich dachte, ich mache dir den Abend ein bisschen schön, indem ich bei dir bin!“, meint er schüchtern und streichelt über meinen Rücken.

„Danke, das ist so lieb von dir. Ich hatte Angst vor diesem Abend!“, flüstere ich und mir entweicht eine Träne. Lauri hat nichts besseres zu tun, als sie mir wegzuküssen.

„Ich weiß.“, haucht er in mein Ohr und nimmt mich in seine Arme. „Aber ich bin so wahnsinnig froh, dass ich dich habe und dass du jetzt für mich da bist... ich liebe dich!“, flüstert er.

„Ich dich auch und deshalb frage ich dich jetzt auch was...“, sage ich zögernd. Er lässt mich los und sieht mich an. „Keine Angst, ich mache dir keinen Antrag!“ Wir lachen kurz und ich setze noch mal neu an. „Ich denke, es ist dir nicht entgangen, dass ich ständig rumgejammert habe, dass die Wohnung für mich alleine zu groß und zu teuer ist... Lauri, du kannst auch nein sagen, aber... möchtest du nicht vielleicht hier einziehen? Damit wir uns wenigstens die Zeit sehen, in der du zu Hause bist?“

„Ja klar, warum sollte ich nein sagen? Ich ziehe gerne her, zu dir!“ Wir küssen uns eine Weile.

„Dürfte ich erst mal kurz duschen? Dann komme ich wieder her, okay?“ Ich lächele ihn verführerisch an und er scheint zu verstehen, was ich damit meine. Ich kann mich an unsere gemeinsamen Nächte nicht mehr richtig erinnern, aber ich weiß, dass sie wunderschön waren und da bis jetzt immer was dazwischen gekommen ist, freue ich mich umso mehr. Außerdem sind diesmal wahre Gefühle im Spiel und wir müssen uns nichts beweisen, außer, dass wir dem anderen vertrauen.

 

Nur in Unterwäsche und noch mit feuchten Haaren gehe ich wieder ins Wohnzimmer. Lauri sitzt auf der Decke am Boden und ich gehe auf ihn zu. Er starrt mich an und ich grinse.

„Ist was?“, frage ich unschuldig und setze mich neben ihn.

„Nein, außer, dass du verdammt heiß und sexy aussiehst!“, grinst er und dreht sich zu mir. Ich spüre seine Lippen auf meinem Mund, dann an meinem Kinn und schließlich an meinem Hals. Ich fahre ihm durch die Haare und knöpfe dann sein Hemd auf und lasse es von seinen Schultern auf den Boden rutschen. Seine Hände streichen über meinen Rücken und öffnen den BH. Er fährt mit seinen Händen über meine Schultern und somit macht sich der BH selbstständig und landet auf der Decke. Ich schmeiße ihn in die nächste Ecke. Währenddessen Lauri mich liebkost und total verwöhnt, öffne ich seine Hose und ziehe sie ihm aus. Auch mein Slip und seine Boxershorts finden den Weg zum Boden und somit ist der Weg frei für eine unvergessliche Liebesnacht.

 

Als wir nach einer langen Zeit voneinander ablassen bin ich völlig fertig.

„Wie schaffst du das bloß?“, frage ich lächelnd und kuschele mich an seinen verschwitzen Körper.

„Hm, Übungssache!“, grinst er zurück. „Wenn ich glücklich bin, dann schaffe ich so was und ich bin total glücklich!“

„Ich liebe dich so sehr und ich vermisse dich jetzt schon!“, jammere ich.

„Ich dich auch, aber wir werden in jeder freien Minute telefonieren!“, meint er bestimmt.

„Okay, das machen wir!“, stimme ich ihm zu. „Ich freue mich aber auch irgendwie!“

„Hm, ich auch. Es ist echt was schönes, rumzutouren mit den besten Freunden und auf der Bühne zu stehen!“, schwärmt er, sieht dabei aber auch irgendwie traurig aus. „Willst du nicht bei irgendeinem Konzert dabei sein?“, fragt er dann uns sieht mich an.

„Ja klar, aber können wir jetzt bitte schlafen? Ich bin total müde!“, sage ich schon halbschlafend. Ich höre nur noch, wie Lauri aufsteht, um die Kerzen auszupusten, dann gibt er mir noch einen Kuss und schon schlafe ich ein.

 

„Guten Morgen!“ Ich blinzele und sehe sein Gesicht genau vor meinem.

„Morgen!“, gähne ich und spüre dann seine Lippen auf meinen. „Danke für den schönen Abend gestern. Und natürlich für die Nacht!“, lächele ich.

„Gern geschehen, jederzeit wieder.“ Ich muss lachen.

„Typisch Männer, nur an das eine denken!“, sage ich dann ärgerlich und richte mich auf, um ihn zu kitzeln. Ich stürze mich auf ihn und er hört gar nicht mehr auf zu quieken und zu schreien.

„Bitte...hör...auf!“, meint er außer Atem.

„Und was bekomme ich dafür?“, frage ich. Er setzt sich neben mich und legt eine Hand in meinen Nacken, um mich näher an sich zu ziehen. Er küsst mich zärtlich und wird dann fordernder. Er macht mich fast wahnsinnig, da er mit seiner Zunge über meine Lippen fährt. Wir küssen uns lange und schmusen noch eine Weile rum.

„So, gut. Ich wollte dir noch sagen, dass wir heute nicht proben. Wir haben die Songs gut drauf!“

„Ist ja toll, aber ich mache heute was mit Mellie!“, grinse ich und er zieht einen Schmollmund. „Was? Ich möchte mich gerne mit ihr treffen und in der Wohnung ist noch einiges zu machen!“

„Und warum darf ich nicht mitkommen?“, fragt er sauer.

„Schon mal was von Frauengesprächen gehört?“, frage ich ihn und er sieht mich komisch an. „Guck nicht so, ich treffe mich mit ihr und da brauche ich nicht erst eine Erlaubnis von dir!“, sage ich wütend und stehe auf.

„Na das fängt ja gut an!“, stöhnt Lauri. „Macht es dich irgendwie aggressiv, wenn ich mit dir schlafe?“

„Halt die Klappe!“, sage ich auf deutsch zu ihm und zu meiner Überraschung sieht er mich beleidigt an. „Schön, dass du mich verstehst!“, sage ich noch zu ihm, ehe ich im Bad verschwinde, um zu duschen. Irgendwie bin ich gerade wirklich sauer, ich glaube, ich kriege meine Tage.

 

Am Abend komme ich nach Hause, doch diesmal bin ich wirklich alleine. Mir ist irgendwie zum Heulen zu Mute und so schmeiße ich mich auf die Couch und lasse meinen Tränen freien Lauf. Ich bin so glücklich und gleichzeitig auch so traurig. Ich habe wahnsinnige Angst, Lauri jetzt schon zu verlieren. Andererseits wäre es später viel schlimmer. Aber ich weiß, dass ich mit ihm zusammen sein will, aber ich will nicht abhängig von ihm sein. So eine Scheiße aber auch.

Als ich mich beruhigt habe, greife ich zum Telefon und rufe ihn auf seinem Handy an.

„Ja, was willst du?“ Danke für die nette Begrüßung.

„Hei, ich wollte mich entschuldigen. Es tut mir leid, wenn ich dich gekränkt habe!“, meine ich leise.

„Ja, das hast du, du hast mich sogar sehr gekränkt. Ich fühle mich wie der letzte Arsch. Ich mache mir Gedanken, wie ich dich überraschen kann. Und dann gefällt es dir und am nächsten Morgen ist alles wieder kaputt. Ich dachte einfach, dass WIR uns einen schönen Tag machen!“

„Ich will dich nicht verlieren!“, schluchze ich.

„Sorry, aber so benimmst du dich nicht. Mir kommt es im Moment so vor, als wolltest du nur noch mal mit mir ins Bett, um zu wissen, wie ich denn so bin!“ Er klingt traurig.

„Nein Lauri, ich liebe dich wirklich und es tut mir leid, dass ich dir weh getan habe!“ Ich fange an zu weinen und lege auf. Entweder er glaubt mir oder er...oder er lässt es bleiben.

 

Um kurz vor Mitternacht klingelt es an der Tür und ich schrecke von der Couch hoch. Ich war kurz davor, einzuschlafen. Ich gehe leise in den Flur und gucke durch das Bullauge. Doch das Flurlicht ist nicht an und somit kann ich nichts erkennen. Ich höre, wie ein Schlüssel ins Schloss gesteckt wird und mir ist schnell klar, dass es nur Lauri sein kann. Er sieht mich kurz an, schließt dann die Tür hinter sich. Seinen Koffer stellt er ab und nimmt mich wortlos in die Arme.

„Na meine Süße, ist jetzt alles wieder klar?“ Er lächelt mich an und gibt mir einen flüchtigen Kuss.

„Gar nichts ist gut. Ich fühle mich so traurig, aber gleichzeitig auch wie der glücklichste Mensch der Welt!“, meine ich jammernd und sehe ihn an. „Was ist denn das mit uns bis jetzt? Ja, ich fühle mich bei dir total gut, aber der Gedanke, dass du bald weg bist und ich alleine, ohne deine Liebe, dann könnte ich einfach nur heulen!“

„Du hast meine Liebe immer, nämlich hier!“ Er legt seine Hand auf mein Herz. „Ich bin immer bei dir. Ich will mit dir zusammen sein, auch wenn es jetzt erst mal schwer ist und die Band im Vordergrund steht!“ Beide seufzen wir und gehen ins Wohnzimmer.

„Was hältst du davon, wenn wir bis zur Tour wirklich nur Freunde sind?“ Er sieht mich enttäuscht an.

„Was soll das denn? Wie kommst du auf so eine Idee?“ Ich springe von der Couch auf, auf der ich mich eigentlich gerade nieder gelassen habe.

„Mann ey, du sitzt ja hier auch nicht alleine zu Hause und überlegst, was wohl dein lieber Freund gerade mit wem macht!“, brülle ich ihn an und verliere dabei fast die Fassung.

„Ich würde dich doch nicht betrügen!“, sagt er fassungslos.

„Das kann ich dir NOCH nicht glauben, dazu ist das mit uns zu frisch. Für dich, um zu jemanden nicht nein zu sagen und für mich, um dir zu vertrauen!“

„Ach und andersrum? Wäre es da was anderes?“ Ich schüttele den Kopf und setze mich wieder. „Siehst du!“, sagt er leise.

„Aber dich wollen mehr. Nicht nur ich, das weiß ich...scheiße, es tut mir leid!“

„Muss es nicht, wenn es deine Meinung ist. Oder du überlegst dir mal vorher, was du mir an den Kopf wirfst. Dein Vorschlag ist gar nicht mal so schlecht, habe ich jetzt gemerkt!“ Er steht auf und ich halte ihn am Handgelenk fest. „Ist noch was?“

„Bitte bleibe, auch wenn es dir nicht so vorkommt. Ich brauche dich und du bist im Moment der wichtigste Mensch in meinem Leben!“, sage ich leise.

„Dann verstehe ich dich aber nicht. Es tut mir weh, wenn du mir sagst, dass du es mir zutrauen würdest, fremd zu gehen. Was habe ich davon, wenn ich so einen Groupie bumse und du hier zu Hause sitzt?“ Ich muss ein bisschen lächeln. Er hört sich so süß an.

„Ich weiß es nicht, was du davon hättest. Ich wünsche mir, dass du mir treu bleibst!“ Er nimmt meine Hand und drückt sie fest. „Ich habe total Angst!“ Lauri nimmt mich in den Arm.

„Mir geht es doch nicht anders.“, sagt er traurig.

„Ich mache es dir ja auch nicht leicht.“, lächele ich und sehe ihn an. „Aber lass uns doch jetzt bitte schlafen gehen, ich bin total müde!“ Er nickt und eine halbe Stunde später liegen wir beide aneinander gekuschelt im Bett. So lässt es sich noch gut einschlafen.

 

Ein paar Tage später komme ich nach Hause, total geplättet, denn ich habe Lauri eine nicht sehr erfreuliche Nachricht zu verkünden. Ich selber bin auch unendlich traurig und deshalb schwimmen meine Wangen in Tränen.

„Hi!“, krächze ich, als er im Flur vor mir steht. Sofort kommt er näher und nimmt mich in die Arme.

„Hey, was ist denn los?“, fragt er und ich höre die Besorgnis in seiner Stimme.

„Ich muss dir was sagen!“, schluchze ich, löse mich aus seiner Umarmung und sehe ihn an.

„Ist was passiert?“ Ich schüttele den Kopf und seufze.

„In der Praxis ist die Hölle los. Jetzt wo es kälter ist, da werden alle krank und nicht nur die Patienten!“ Er sieht mich fragend an. „Ich kann kein Urlaub nehmen!“

„Das heißt...du...du...“

„Ich kann nicht mit nach Deutschland, es tut mir leid. Außerdem liegt Tanja, meine beste Arbeitskollegin im Krankenhaus. Es geht ihr total schlecht, sie hatte einen schweren Unfall!“ Lauri sieht mich abwechselnd geschockt und traurig an.

„Ich frage mich, was für dich schlimmer ist.“ Ich verstehe seine Frage nicht und im Moment habe ich keine Lust, sie zu verstehen, deshalb gehe ich in mein Zimmer. Um erst mal alleine zu sein. Das war heute zu viel für mich. Erst erfahre ich am Morgen, dass Tanja schwerverletzt im Krankenhaus liegt, dann kommen hundert von unangemeldeten Patienten angerannt und dann erfahre ich auch noch, dass ich keinen Urlaub bekomme. Obwohl ich jetzt sowieso lieber bei Tanja bin, als irgendwo in einem Tourbus durch Deutschland zu fahren. Na ja, ich wäre ja sowieso erst mal bei meiner Mama geblieben.

 

Am Abend krieche ich aus meinem Bett und gehe in die Küche. Ich höre, wie Lauri telefoniert, höre aber nur einzelne Wörter. Ist ja auch egal.

„Geht es dir besser?“, fragt er und sieht mich an. Ich nicke. „Ich habe gerade mit einem der Organisatoren gesprochen, sie haben deinen Platz gestrichen!“ Ich nicke nur wieder und nehme wie gelähmt ein Glas aus dem Schrank. „Kann ich dir irgendwie helfen?“

„Nein!“, flüstere ich nur und mir rollt wieder eine Träne über die Wange. Er streckt seine Hand aus und wischt sie mir weg, dann drückt er mich an sich und legt seine Hände auf meinen Rücken, streichelt über ihn und ich fühle mich einfach nur geborgen. Wie soll ich die nächsten Wochen ohne dich auskommen?, frage ich mich und schließe die Augen. „Ich werde dich vermissen!“ Meine Stimme klingt abgehackt und einfach nur furchtbar ängstlich. Ich bin unsicher, was das jetzt mit ihm und mir ist.

„Ich dich auch, aber ich werde herkommen, wann ich nur kann, okay?“ Ich löse mich kurz, um ihn tapfer anzulächeln, um ihm im nächsten Moment weinend in den Armen zu liegen.

„Ich bin dir so dankbar!“, meine ich nach einer Weile und wir sehen uns lange an, bevor er mir seine Lippen auf meine legt und mich zärtlich küsst. „Woher willst du wissen, dass das richtig ist?“

„Weil es das ist, ich fühle es und ich weiß, dass ich dich liebe. Du bist einer der Gründe, warum mein Herz schlägt!“ Nun rollen ihm und mir Tränen über die Wangen und er legt seine Hände in meinen Nacken. Wir küssen uns lange, bis er mir unter das T-Shirt fährt mit seiner Hand und sanft über meinen Bauch streichelt. Unsere Sachen finden langsam ihren Weg auf den Boden und wir finden den Weg ins Schlafzimmer. Ich weiß nicht genau, ob ich es will, aber mein Herz scheint einverstanden zu sein, denn es schlägt wie wild. Doch mein Verstand ist gerade ausgeschaltet, sonst würde ich nicht so weit gehen.

Lauri ist kräftiger und stärker in seinen Bewegungen und ich weiß nicht, ob er vielleicht gerade seinen Frust an mir ablässt. Doch andererseits ist es ein schönes Gefühl, was er mir da gerade gibt und ich sollte es genießen, denn es wird für eine längere Zeit das letzte Mal sein.

 

Vom Wecker werde ich aus dem Schlaf geholt und ich frage mich, wer den gestellt hat. Ich lasse meine Hand auf die andere Bettseite gleiten, sie ist leer.

„Lauri?“, frage ich leise. Ich stehe schnell auf und renne durch die Wohnung. „Lauri?“ Auf dem Küchentisch entdecke ich einen Zettel, er ist von ihm und es ist ein ganzer Brief. Ich öffne den Umschlag und hole das beschriebene Papier raus.

Guten Morgen meine Süße,
 
es tut mir leid, dass ich mich nicht richtig von dir verabschiede, aber ich will es uns beiden nicht so schwer machen. Wenn du das liest, sitze ich wahrscheinlich schon im Flugzeug nach Deutschland.
 
Als ich dich das erste Mal gesehen habe, da wusste ich sofort, dass du eine super tolle Frau bist. Doch du hast mich abgewiesen und mich somit sehr verletzt. Die ganzen Geschehnisse, die daraufhin folgten, hast du jetzt wieder gut gemacht und ich hoffe, es bleibt dabei. Denn im Moment bist du die Jenige, die ich liebe und zwar nur DICH. Ich möchte, dass es nicht nur für einen Moment ist. Ich möchte mit dir so viel Zeit verbringen, wie nur möglich ist. Egal, ob du mal traurig bist, oder ob du mit mir lachst. Du bist immer wunderbar und wenn ich jetzt schon wieder an dich denke, dann bekomme ich Herzrasen!
 
Ich möchte dich nicht verlieren und obwohl ich gerade jetzt so gerne für dich da wäre, wissen wir beide, dass es nicht geht. Aber ich möchte, dass du weißt, dass du mich jederzeit anrufen kannst. Egal ob du mir was zu erzählen hast oder nur meine Stimme hören möchtest, ich bin immer für dich da!
 
Bitte merke dir das gut, ich liebe dich, Lauri!
 
PS: Danke für die wundervolle Nacht! J
 
Ich habe mich beim Lesen hingesetzt und ich bin wirklich sprachlos. Wie kann man so einen lieben Brief schreiben? Ich heule wie ein Schlosshund, aus Freude, dass ich so einen Freund gefunden habe. Ich frage mich, ob ich das verdient habe und ob das die Belohnung für die harten Jahre in Deutschland ist, die ich da durchmachen musste. Doch eine Antwort finde ich nicht, auf diese vielen Fragen, die sich in meinem Kopf häufen. Nun sitze ich hier und heule wie eine Irre.
Bis ich zur Arbeit muss, laufe ich weinend durch die Wohnung und versuche, Lauri auf Handy zu erreichen, doch es ist ausgeschaltet. Ich würde so gerne seine Stimme hören, sie ist so beruhigend und vor der Arbeit könnte ich das wirklich gebrauchen. Wenn ich nur an Tanja denke, ich weiß nicht, wie es um sie steht und das macht mich total fertig. Warum muss immer alles auf einmal kommen?
 
„Hallo!“ Total lustlos erscheine ich bei der Arbeit. Ich sehe bestimmt immer noch verheult aus und sofort nimmt mich Kirja in ihre Arme. Sie ist neu bei uns, aber sehr nett, so wie ich sie kennen gelernt habe. Ich reiße mich zusammen, nicht schon wieder loszuweinen.
„Hey Maggie, alles klar?“ Sie seufzt und sieht mich mitleidig an. „Natürlich nicht. Sorry für die blöde Frage. Was hat er denn gesagt?“ ER ist bis jetzt Lauri, ich habe den Namen einfach noch nie erwähnt.
„Er ist total traurig alleine gefahren!“, meine ich zu ihr und verkrümele mich in den kleinen Umkleideraum. Als ich fertig bin und wieder rauskomme, sieht sie mich geschockt an.
„Er ist alleine in Urlaub gefahren?“, fragt sie und weil gerade keine Patienten in Sicht sind, ziehe ich sie in den Personalraum.
„Lauri ist mit seiner Band unterwegs!“, flüstere ich ihr zu. „Sie machen jetzt eine Tour nach Deutschland und eigentlich wollte ich mit, aber es geht ja nicht...wegen der Arbeit!“
„Tour? Band? Lauri? Kann es sein, dass du von einer meiner Lieblingsbands redest?“ Ich nicke unsicher. „The Rasmus?“, fragt sie knapp und ich grinse leicht.
„Ja, aber halte bitte deine Klappe!“, bitte ich sie. Sie nickt heftig und fällt mir dann um den Hals.
„Wenn du mich mal irgendwo mit hinnimmst, wo die Jungs auch sind!“
„Na klar, die sind aber total nett, wirklich.“ Dann plötzlich sieht Kirja mich komisch an.
„Ich müsste nur jemand finden, der auf meinen Kleinen aufpasst!“ Ich sehe sie ungläubig an und bevor ich was fragen kann, beantwortet sie schon so die Fragen, die sich gerade in meinem Kopf häufen. „Ich war 15, als ich Mikka bekommen habe. Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht und ich stand alleine da. Trotzdem bin ich sehr stolz auf ihn!“, lächelt sie.
„Ich hätte ja jetzt echt mit allem gerechnet. Boah, ich bin stolz auf DICH. Schön, dass du sofort an ihn denkst. Hast du keinen Freund?“, frage ich vorsichtig. Sie schüttelt mit dem Kopf.
„Wir sollten wieder nach vorne gehen!“ Irgendwie wirkt sie traurig, doch weil wir jetzt wieder an der Anmeldung sind und dort jetzt Teresa rumhängt, kann ich nicht weiter nachfragen. Aber es tut gut, dass ich mit Kirja reden kann. Ich habe mich in ihr nicht geirrt.
 
„Hast du jetzt nicht auch Feierabend?“, frage ich sie und sie nickt. Immer noch wirkt sie traurig. „Hey, was ist denn los mit dir?“, frage ich sie außerhalb der Praxis.
„Es ist halt alles nicht so leicht!“
„Wo ist denn Mikka jetzt?“, frage ich sie.
„Bei seiner Oma. Meine Mama ist einfach wunderbar, sie hat mir von Anfang an geholfen, wo sie nur konnte und ich, ich mache den selben Fehler noch mal!“ Ich bleibe stehen und sehe Kirja fragend an.
„Was soll das denn jetzt heißen?“ Sie sieht mich nicht an, sieht nur zum Boden.
„Können wir irgendwo hingehen?“, fragt sie und ich nicke.
„Ich wohne nicht weit von hier, wenn du magst?!“ Sie nickt nur stumm und auch den Weg bis zu mir gibt sie mir keine Antwort. Ich komme mir gerade so vor, als würde ich ihre Probleme ausnutzen, um meine zu vergessen. Schließlich hätte ich auch eine Menge, wenn ich nur mal ein bisschen nachdenken würde.
 
„Weißt du, vor einer Woche war ich noch mit meinem Freund zusammen, Marcel...“, fängt sie an zu erzählen, als wir bei mir auf der Couch sitzen mit einer Tasse Kaffee. „...aber er hat einen großen Fehler gemacht. Er hat mich mehrmals betrogen und jedes Mal hat er mir davon erzählt und jedes Mal meinte er, er würde es nie wieder tun. Beim letzten Mal habe ich gesagt, dass es Aus ist.“
„Das tut mir leid!“, meine ich und lege ihr einen Arm um die Schulter.
„Das ist aber nicht alles. Ich bin nämlich nicht immer so dick, ich bin im vierten Monat und das Kind ist von ihm!“ Ich sehe sie geplättet an und frage mich, wie blank ihre Nerven eigentlich liegen müssen.
„Aber er weiß es nicht, oder?“, frage ich, um überhaupt was zu sagen. Sie nickt nur.
„Mikka ist auch von ihm, bloß das ist eine lange Geschichte!“ Aber weil ich Zeit habe und weil sowieso Freitag ist, lasse ich mir alles von ihr erzählen und es ist krass, wie es bei ihr immer weiter Berg ab ging. Doch dieser Marcel scheint ein mieser Typ zu sein.
 
Noch bis in die Nacht habe ich wachgelegen und nachgedacht. Ich reibe mir über die Augen und überlege, ob ich nicht Tanja besuchen sollte im Krankenhaus. Es ist schon komisch, dass ich plötzlich ganz normal damit umgehe, dass Lauri nicht bei mir ist. Doch ich kann es nicht ändern, trotzdem vermisse ich ihn und heute werde ich ihn auch mal anrufen.

Erst um kurz vor 12 Uhr schwinge ich mich aus den Federn und frühstücke alleine. Es ist total ruhig hier und im Moment könnte ich deshalb eine Krise bekommen. Doch ich erinnere mich schnell an das, was mir Kirja erzählt hat. Sie hat schreckliches durchgemacht und deshalb verstehe ich nicht, warum sie wieder mit diesem Marcel zusammen gekommen ist, um ein weiteres Kind zu machen.

 

Im Krankenhaus kommen wieder Erinnerungen in mir hoch. Ich habe mich hier mit Lauri vertragen und auch so habe ich mich plötzlich total verändert.

„Ähm, hallo. Auf dieser Station müsste eine Tanja Talklonen liegen.“, meine ich zu einer Schwester.

„Sind sie eine Angehörige?“, fragt sie und ich schüttele den Kopf. „Dann tut es mir leid!“

„Aber ich bin eine gute Freundin von ihr. Sie müssen mir ja keine Infos geben, aber ich möchte sie sehen!“, bettele ich.

„Sie liegt im Zimmer 186, erschrecken Sie sich nicht!“ Die Schwester sieht mich mitleidig an. „Es steht sehr schlecht für ihre Freundin, tut mir leid!“ Mir laufen immer mehr Tränen über die Wangen. Ich bin kurz davor, zusammen zu brechen, als ich ihr Zimmer betrete und diese ganzen Geräte entdecke.

„Hey meine Süße!“ Ihre Augen sind geschlossen und sie ist weis wie eine Kalkwand. „Ich bin´ s, Maggie. Ich weiß, dass du mich hörst. Bitte gebe nicht auf, du musst kämpfen!“ Ich lege meine warme Hand auf ihre kalte. Sie sieht wirklich nicht gut aus und wegen ihres Anblicks breche ich in Tränen aus. „Ich will dich nicht verlieren, nicht jetzt schon!“, schluchze ich und ein Arzt kommt ins Zimmer. Ich höre, wie ein paar der Geräte laut piepen und befürchte das schlimmste. Ich stehe nur hilflos da, während ein paar Ärzte ins Zimmer gestürzt kommen und versuchen, sie wiederzubeleben. Ich lasse ihre Hand nicht los, stehe wie unter Strom gesetzt nur da und starre vor mich hin. Dann merke ich plötzlich zwei Hände auf meiner Schulter, sie ziehen mich aus dem Zimmer und so musste ich Tanja´ s Hand loslassen. Wie in Trance sitze ich vor dem Zimmer auf einem Stuhl und schlucke irgendwelche Tabletten, die mir eine Schwester gibt.

„Es tut mir leid!“, meint sie und ihre Stimme ist ganz weit weg. Ich sehe zu der Zimmertür, wo jetzt ein paar Ärzte rauskommen. Die Schwester geht zu ihnen und kommt dann wieder zu mir. „Sie konnten nichts mehr für sie tun!“ Ich falle ihr in die Arme und weine einfach nur, ich kann das alles nicht glauben. Warum sie? Sie war doch noch so jung und sie wäre so eine tolle Mama gewesen, irgendwann mal.

 

Ich sitze eine ganze Weile nur da und starre vor mich hin, bis ich Stimmen höre. Ab und zu einen Schluchzer. Ich sehe nach oben und vor mir steht ein attraktiver Mann, der verheult aussieht.

„Sind Sie die Freundin von Tanja?“ Ich nicke und stehe langsam auf. Ich erkenne erst jetzt, dass es ihr Bruder ist. Sie hat mir mal ein Foto von ihm gezeigt.

„Ja, das war ich!“, schluchze ich und wir umarmen uns.

„Ich bin Max, ihr Bruder!“ Ich nicke ihm zu. „Wir können uns ja auch duzen!“ Ich nicke wieder und lächele schwach.

„Es muss schrecklich für dich sein. Wo sind deine Eltern?“, frage ich, weil die Leute, die hier weinend sitzen, nur die Freunde von Tanja sind.

„Zu denen ist Tanja jetzt gezogen!“ Ich sehe ihn mitleidig an.

„Das tut mir leid für dich!“, meine ich und wir umarmen uns wieder.

 

Bis zum Abend sitze ich bei Max in der Wohnung, ich fühle mich irgendwie verpflichtet für ihn da zu sein. Ich denke, Tanja hätte es so gewollt. Auch zu Hause stoppen meine Tränen nicht und ich weine mich kräftig aus. Sie war so ein wunderbarer Mensch und sie hat mir den Anfang hier in Helsinki erleichtert. Durch sie war so vieles viel einfacher und jetzt ist sie tot.

Durch mein Handy werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich denke sofort an Max, aber auf dem Display blinkt „Lauri“ und für einen Moment lang musste ich doch wirklich überlegen, wer das ist.

„Ja?“ Ich wische mir übers Gesicht und versuche, mein schluchzen zu unterdrücken.

„Hey meine Kleine, was ist los?“, fragt er besorgt.

„Ach nichts! Und bei dir so?“ Ich möchte ihm das alles nicht am Telefon erzählen. Ich muss erst mal selber damit klarkommen, was heute passiert ist.

„Wir sind gerade mit dem Soundcheck fertig und die Halle wird jetzt gefüllt!“ Ich höre, wie er lacht. Zu gerne würde ich jetzt mitlachen, aber ich freue mich ja noch nicht mal wirklich über seinen Anruf.

„Ach so!“, meine ich nur und es herrscht Stille.

„Ist wirklich alles okay bei dir?“, fragt er und mir laufen erneut Tränen über die Wangen.

„Nein!“, schluchze ich. Meine Stimme klingt irgendwie sauer. „Aber ich kann dir das nicht so sagen. Du erfährst es, sobald du wieder hier bist!“

„Okay. Ich vermisse dich!“, sagt er traurig und ich höre, wie er leise schluchzt.

„Ich dich auch, aber weine du jetzt nicht auch noch!“ Wir reden noch ein bisschen und legen dann auf. Jetzt fühle ich mich doch besser, seine Stimme hat mich beruhigt, hoffentlich für die Nacht auch. Ich habe schon letzte Nacht kaum ein Auge zu getan.
 
Als ich am Montag morgen vor der Praxis stehe, sehe ich an der Tür ein Schild.
„Wegen Trauerfall geschlossen!“, lese ich laut. Ich schließe die Tür auf, doch in der Praxis ist es leer. So habe ich diese Praxis noch nie gesehen. Auf dem Schreibtisch liegen Zettel, auf einem steht mein Name. Und die Bitte, ein paar Patienten abzusagen. Der Zettel ist von der Ärztin, natürlich nehme ich den Auftrag ernst und telefoniere so eine Stunde lang und erreiche zum Glück auch alle.
Als ich wieder zu Hause bin, klingelt nach nicht allzu langer Zeit das Telefon.
„Ja hallo?“
„Hallo. Hier ist Frau Milkke, ich wollte Ihnen nur sagen, dass sie bis Donnerstag Urlaub haben, also eigentlich auch noch Freitag, aber da wird ja die Beerdigung sein und da kommen ja alle Kollegen!“
„Nein, ich nicht!“, sage ich sofort zu der Ärztin.
„Warum? Sie haben sich doch mit ihr auch so gut verstanden!“ Mir entweichen ein paar Tränen.
„Das hat damit nichts zu tun. Ich werde wohl auch nicht da sein, über die Woche!“ Ich werde natürlich nach Deutschland fliegen, um meine Trauer dort ein bisschen zu verarbeiten.
„Das ist sehr schade, aber ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Urlaub, auch wenn es ein nicht sehr erfreulicher Grund ist!“
„Dankeschön, Ihnen auch!“, wünsche ich ihr.
„Danke Ihnen. Auch für die abgesagten Termine. Ich könnte meine Arbeit jetzt nicht einfach fortsetzen!“, meint sie traurig.
„Das verstehe ich!“ Wir verabschieden uns noch und legen dann auf.
 
Am nächsten Abend stehe ich mit gepackten Koffern auf dem Flughafen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich vor etwas fliehe oder ob es wirklich eine Lösung ist, die Trauer so zu verarbeiten. Ich wäre wirklich nicht auf die Beerdigung gegangen. Ich kann es nicht, nie mehr wahrscheinlich. Der Tod von Mike hat mich damals so sehr mitgenommen. Er war noch so jung und ich habe ihn geliebt. Es war alles zu schrecklich...
 

Nachdem ich zwei Stunden Flug und das Einchecken hinter mich gebracht habe, lasse ich mich auf das Bett fallen. Ich könnte schlafen, doch das möchte ich nicht. Ich möchte die Zeit hier genießen, es soll etwas besonderes werden. Die paar Tage, die ich hier sein werde.

Als erstes wähle ich die Nummer von Lauri. Er nimmt sofort ab, doch er klingt ein bisschen angetrunken. Weil ich irgendwie sauer auf ihn bin, fasse ich das Gespräch kurz und kann gerade noch so verstehen, wie Eero aus dem Hintergrund ruft, dass sie morgen nach Berlin kommen.

Anschließend telefoniere ich mit meiner Mama. Ich erzähle ihr, dass ich in Berlin bin und dass sie sich melden soll, wenn sie Zeit hat. Natürlich freut sie sich, doch den grund für meine Reise habe ich auch ihr noch nicht gesagt.

 

Zwei Tage später stehe ich in der Lobby von dem Hotel, in dem Lauri, Pauli, Aki und Eero „wohnen“. Sie sind für drei Tage hier. Doch das schöne ist, dass Lauri nicht weiß, dass ich hier bin und auf ihn warte. Mir kommt diese viertel Stunde wie eine Ewigkeit vor, doch als ich Stimmen höre, drehe ich mich um. Die vier kommen auf mich zu und Lauri´s Lächeln ist umwerfend süß. Er kommt auf mich zugestürzt und umarmt mich fest.

„Hallo meine Süße! Was machst du denn hier?“, fragt er mit Tränen in den Augen.

„Dich besuchen!“, antworte ich kurz und begrüße die anderen. „Danke, dass ihr eure Klappe gehalten habt!“, grinse ich die drei an und Lauri piekt mir in die Seite.

„Die wussten davon? Du bist so gemein!“ Er will sich beleidigt wegdrehen, doch ich drehe ihn zu mir und küsse ihn. Ich habe ihn so sehr vermisst und dieser Augenblick macht mich glücklich.

„Macht ihr jetzt was, oder hast du Zeit?“, frage ich leise.

„Im Moment können wir hier machen was wir wollen. Morgen geht es richtig los mit Interviews und so!“ Beide grinsen wir uns an und die anderen drei verlassen das Hotel. „Lass uns in mein Zimmer gehen, da sind wir ungestört!“

 

„Lauri? Ich muss mit dir reden!“, meine ich im Zimmer ganz ernst und er sieht mich komisch an.

„Ist was passiert?“, fragt er und ich nicke. Ich merke, wie meine Augen feucht werden und ich anfange, zu weinen. „Hey, ist ja gut. Was ist denn los?“ Er schließt mich in seine Arme und ich klammere mich an ihm fest. Er gibt mir so sehr Halt.

„Tanja, meine Freundin...“, schluchze ich und beruhige mich gar nicht mehr. „Sie ist tot!“ Mit letzter Kraft schaffe ich es, mich auf das Bett zu setzen. Lauri lässt mich nicht los, er umarmt mich noch stärker und ich bin ihm so dankbar. Ich glaube, erst gerade jetzt ist mir klar geworden, was überhaupt passiert ist. Ich habe eine gute Freundin verloren.

„Psst, Mausi... ich bin bei dir!“ Er lässt mich los und streicht mit seiner Hand über meine glühende Wange. Ich lächele ihn krampfhaft an.

„Danke...danke, dass du für mich da bist!“ Ich lege meine Lippen auf seine und es folgt ein langer, leidenschaftlicher Kuss.

„Das bin ich eben nicht, nur jetzt. Ich liebe dich so sehr, bloß ich habe Angst dass diese Entfernungen unsere Liebe zerstören!“ Er redet leise und sieht mich traurig an.

„Wir schaffen das schon irgendwie, andere machen viel schlimmere Sachen mit und ich liebe dich auch und so eine Entfernung kommt dagegen nicht an!“

 

ENDE



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